• Wochenendgespräch

Aus: Ausgabe vom 19.05.2018, Seite 1 (Beilage) / Wochenendbeilage

»60 Prozent aller Kinder unterhalb der Armutsgrenze«

Gespräch mit Sylvia Brennemann und Tim Nießner. Arbeitslosigkeit, Polizeischikane und Solidarität unter Nachbarn - Leben in Duisburg-Marxloh

Interview: Markus Bernhardt
RTX9XG9.jpg
Starke Community: Viele Menschen in Duisburg-Marxloh sind arm; doch im Alltag hält man zusammen

Sie engagieren sich im Petershof im Duisburger Stadtteil Marxloh. Die Gegend gilt als sozialer Brennpunkt. Können Sie unseren Leserinnen und Lesern erklären, warum das so ist?

Tim Nießner: Wenn man den Presseberichten über Marxloh Glauben schenkt, müsste hier das absolute Chaos herrschen. Äußerst selten ist in den überregionalen Medien etwas Positives über Marxloh geschrieben bzw. gesendet worden, und das seit vielen Jahren. Die Berichterstattung ist beherrscht vom Bild der »No-Go-Area« und vom »sozialen Brennpunkt«: Müllberge, Gewalt und »kriminelle Familienclans«.

Dass jedes Jahr der größte Kinderkarneval der Bundesrepublik hier stattfindet und die Marxloher hier gemeinsam feiern, dass es Kultur, Initiativen und Vereine gibt, wissen viele Menschen außerhalb der Stadt bzw. des Viertels nicht. In Marxloh leben Menschen, die mit den bescheidenen Mitteln, die sie oft haben, versuchen ein glückliches Leben zu führen. Und es ist beachtlich, wieviel gegenseitige Hilfe es hier gibt. Das erleben wir jeden Tag, nicht nur am Petershof, sondern überall in der Nachbarschaft.

Sylvia Brennemann: Auch über die Bedeutung Marxlohs als Ort der Ankunft in Deutschland wird selten etwas geschrieben. Viele Menschen, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen, finden an Orten wie diesem Anschluss. Wenn man noch kein deutsch spricht, findet man hier eher einen Job als in den meisten anderen Gegenden. Oft können neu angekommene Menschen auch an Strukturen ihrer jeweiligen Community anknüpfen, dort Hilfe bekommen und sich integrieren. Hier gibt es auch Läden mit Produkten, die man aus seiner Heimat kennt.

Menschen in prekären Situationen – egal welcher Nationalität –, die sich und ihre Familien irgendwie über Wasser zu halten versuchen, finden hier auch Wohnungen, die sie bezahlen können. In Düsseldorf oder auch nur den »besseren Gegenden« von Duisburg haben diese Menschen oft keine Chance. Durch »Law-and-Ordner«-Populismus und die Bedienung von rassistischen Ressentiments versuchen die Politiker der neoliberalen Parteien von den wirklichen Problemen abzulenken. Das große Problem hier heißt Armut, nicht »kriminelle Familienclans« oder Vermüllung der Straßen.

Also Probleme mit Kriminalität und Verwahrlosung gibt es in Marxloh nicht?

S. B.: Natürlich gibt es Kriminalität in Marxloh, wie sollte es in einem solchen von Armut geprägten Stadtteil auch anders sein. Wenn man sich auch nur die Mühe macht, einmal die offiziellen Kriminalitätsstatistiken der Duisburger Polizei durchzulesen, relativiert sich aber schon das Bild, wie es oft in den Medien dargestellt wird. Die angesagteste Ecke Duisburgs, das Dellviertel, rangiert bei Kriminaldelikten mit 4.255 Fällen weit vor Marxloh, wo es im letzten Jahr 2.392 Delikte gab. In der Duisburger Innenstadt gibt es eine wesentlich höhere Kriminalität als in der angeblichen »No-Go-Area« Marxloh, welche lediglich auf Platz 5 der Duisburger Stadtviertel liegt.

Es wird auch darüber berichtet, dass in Duisburg häufig Polizisten angegriffen würden. In Köln hingegen sind es zehnmal so viele Fälle, dort waren es im vergangenen Jahr 2.388 – bei der doppelten Einwohnerzahl. Und bei den 250 registrierten Angriffen auf Beamte in Duisburg im Jahr 2017 handelte es sich nach Aussagen der Duisburger Polizei nicht nur um Tritte und Schläge, auch Beleidigungen und Bespucken sind hier eingerechnet. Wenn man sich dann vergegenwärtigt, wie die Polizei in Marxloh die Bevölkerung durch ständige Kontrollen schikaniert, sich wie eine Besatzungsarmee aufspielt und ganze Bevölkerungsteile aufgrund ihrer Hautfarbe und ihres Kleidungsstils unter Generalverdacht stellt, finde ich die Zahl von 250 Fällen in ganz Duisburg beachtlich wenig. Es sollte sich jeder von uns mal fragen, ob wir immer noch lieb und nett auf Polizeibeamte reagieren würden, wenn sie unsere Taschen und Papiere zum zweiten Mal an diesem Tag und zum sechsten Mal in dieser Woche kontrollieren und wir genau wüssten, dass sie dies nur tun, weil wir die falsche Hauptfarbe oder den falschen Kleidungsstil haben.

T. N.: Was die Verwahrlosung angeht, gibt es natürlich viele Wohnungen in Marxloh, die in einem schlechten Zustand sind. Durch meine Mitarbeit in der Initiative »Marxloher Nachbarn« komme ich immer wieder in Wohnungen, in denen sehr viele Menschen auf engstem Raum wohnen. Oft fehlt es an Kinderspielzeug, Mobiliar, Gegenständen des alltäglichen Lebens, und teilweise stehen Betten in der Küche, weil es so eng ist. Natürlich kann man auch sicherheitsrelevante Mängel z. B. im Bereich Brandschutz finden – wenn man danach sucht. Aber die sind hier in fast jedem Haus zu finden. Betroffen von Hausräumungen aufgrund einer »Gefahr für Leib und Leben« durch die sogenannte Taskforce der Stadt Duisburg sind aber fast ausschließlich Menschen aus Rumänien und Bulgarien. Hier zeigt sich wieder die rassistische Politik der Stadt. Außerdem muss man bedenken, dass selbst diese sogenannten »Schrottimmobilien«, von denen immer wieder in den Medien die Rede ist, oft in einem Zustand sind, der in den 1950er Jahren hier in Duisburg noch als normal für Arbeiterwohnungen angesehen worden wäre.

S. B.: Beides, die Kriminalität und die sogenannte Verwahrlosung, haben ihre sozialen Ursachen. Es gibt hier viele Menschen, die etwa Ladendiebstahl begehen, damit ihre Kinder nicht hungern müssen. Wenn wir uns zum Beispiel mal die jugendlichen Frauen aus Rumänien und Bulgarien anschauen, können wir feststellen, dass, wenn sie Diebstähle begehen, es fast ausschließlich Ladendiebstähle sind, bei denen Windeln, Babynahrung usw. gestohlen werden. Wer kann ihnen dies verübeln?

Der Petershof engagiert sich nunmehr seit Jahren für die Abgehängten und sozial Deklassierten. Was genau bieten Sie an Hilfe an? Wer nimmt sie in Anspruch?

S. B.: Der Petershof ist ein sozialpastorales Zentrum, in dem wir versuchen auf die unterschiedlichen Bedürfnisse der Menschen in und um Marxloh einzugehen. Aufgrund der wachsenden Armut im Stadtteil sind immer mehr Menschen kaum in der Lage, ihren täglichen Bedarf an Lebensmitteln zu decken, so dass wir täglich einen Mittagstisch anbieten. Zudem unterhalten wir eine große Kleiderkammer, und täglich gibt es Sozialberatung. Asylsuchende, Zuwanderer und Alteingesessene frequentieren unsere Angebote häufig, etwa 1.000 Menschen kommen in einer Woche. Jeden Nachmittag bieten wir Kindern und Jugendlichen in Form von Hausaufgabenbetreuung, alltagsintegrierter Sprachförderung, Musikangeboten und der Fahrrad-AG eine zuverlässige Adresse. Seit etwa einem Jahr haben wir einen eigenen Sportverein, der neben Kampfsport auch Fitness und Tischtennis anbietet. Fünfmal in der Woche finden bei uns verschiedene Sprachkurse statt. Im Bereich Eltern-Kind-Bildung findet bei uns Eltern- und Gesundheitsberatung statt.

T. N.: Auch hat sich in der letzten Zeit gezeigt, dass immer mehr Menschen von Stromsperren betroffen sind und ihnen das Wasser im Haus abgestellt wird, da sie die Rechnungen nicht bezahlen können. Daher gibt es seit kurzem auch die Möglichkeit, sich im Petershof zu duschen und seine Wäsche zu waschen.

Viele der Menschen, die Hilfe und Unterstützung bei Ihnen suchen, sind
Roma-Familien und Migranten. Nehmen auch alteingesessene Duisburgerinnen
und Duisburger Ihre Leistungen in Anspruch?

S. B.: Insbesondere der Mittagstisch, die Kleiderkammer und die Elternberatung werden von Alteingesessenen genutzt. Ob es Seniorinnen sind, die zumeist von sehr geringen Renten ihren Lebensunterhalt bestreiten müssen, oder eben auch junge Familien, die entweder von Hartz IV betroffen sind oder sich mit Minijobs über Wasser halten – sie alle einen die vielen prekären Lebensumstände. 60 Prozent aller Kinder leben in Marxloh unterhalb der Armutsgrenze, knapp 25 Prozent aller Menschen in Marxloh sind gezwungen, von Sozialleistungen zu leben.

T. N.: Wobei der Begriff »alteingesessene Duisburger« durchaus schwierig und vorsichtig zu gebrauchen ist. Wir haben hier beispielsweise viele Libanesen, die Anfang der 80er vor dem dortigen Bürgerkrieg nach Deutschland geflüchtet sind. Bis heute haben sie keinen deutschen Pass erhalten und müssen alle drei Monate ihre Duldung verlängern lassen. Außerdem wurden libanesische Jugendliche hier bis vor kurzem fast ausschließlich in Förderschulen gesteckt und hatten daher kaum eine Möglichkeit, einen ordentlichen Schulabschluss zu machen. Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt kann man sich dann vorstellen. Viele von ihnen sind hier in Marxloh geboren und haben selber wiederum Kinder, die hier in die Kindergärten und Schulen gehen. Für mich sind diese Menschen auch alteingesessene Duisburger. Wenn man sich die Reden von Lokalpolitikern der neoliberalen Parteien anhört oder in die Presse schaut, werden solche Menschen aber gerne ausschließlich als Problem behandelt, nicht als Teil der Duisburger Stadtgesellschaft.

Wie erklären Sie sich, dass derart viele Menschen in Ihrer Stadt auf Ihre Hilfe angewiesen sind?

T. N.: Auch in anderen Städten und Regionen sind Menschen aufgrund des Sozialabbaus der vergangenen Jahre auf Unterstützung angewiesen, was wir ja zum Beispiel an der enormen Zunahme an »Tafeln« nach der Einführung von Hartz IV und der Agenda 2010 in der ganzen Republik beobachten konnten. In Marxloh kommen verschiedene Ursachen zusammen, die dazu führen, dass so viele Menschen auf Hilfe angewiesen sind. Neben Entwicklungen wie dem Strukturwandel und dem dadurch begründeten Wegfall vieler Arbeitsplätze in der Montanindustrie haben wir es heute mit der Explosion der Mietpreise in vielen Städten zu tun. Menschen mit geringem oder keinem Einkommen finden in Städten wie Düsseldorf fast keinen Wohnraum mehr. In Duisburg und da insbesondere in Marxloh und Hochfeld können sie häufig noch relativ bezahlbaren Wohnraum finden, obwohl auch hier in den letzten Jahren die Mieten gestiegen sind. Außerdem ist es zu beobachten, dass viele, wenn auch nicht alle, sobald sie einen halbwegs sicheren Job gefunden haben, wegziehen. Den Traum vom Haus im Grünen oder zumindest einer Wohnung in einer ruhigen Gegend haben auch hier in Marxloh viele.

S. B.: Wichtig ist es zu betonen, dass alle diese Entwicklungen, die zum Anstieg der Armut geführt haben, nicht vom Himmel gefallen sind. Sie sind ein Resultat der politischen Entscheidungen der letzten Jahrzehnte, insbesondere des neoliberale Umbaus unserer Gesellschaft.

Und wie finanzieren Sie Ihre Arbeit? Erhalten Sie Unterstützung durch die Stadt Duisburg?

S. B.: Der Petershof erhält keinerlei finanzielle Unterstützung und existiert letztlich auf Spendenbasis und dem erheblichen ehrenamtlichen Einsatz. Aufgrund der Sozialstruktur haben wir es natürlich nicht immer ganz einfach, genügend Spenden zu sammeln, um unsere Ausgaben zu decken. Daher geht der Petershof auch unkonventionelle Wege, um seine Finanzierung zu sichern. So hat der Leiter unseres Zentrums, Pater Oliver, zum Beispiel vor Jahren sehr günstig einen Marktwagen im Internet ersteigert, der mit ehrenamtlicher Hilfe zu einer Currywurstbude umgebaut wurde. Den Wagen kann man nun für private und gewerbliche Zwecke mieten. Bei Festen und anderen Anlässen stellen sich auch schon mal die Ehrenamtlichen des Petershofs hinter die Fritteuse und verkaufen selber Currywurst und Reibekuchen. So kommen wir mit den Menschen im Viertel in Kontakt und können Geld einnehmen, welches dringend für die sozialen Projekte gebraucht wird.

T. N.: Auch wenn viele Menschen hier keine großen Geldspenden machen können, erhalten wir zahlreiche Sachspenden, die wir weitergeben können. Da gehörten Hausrat, Kinderspielzeug und natürlich auch Kleidung dazu. Fahrräder, die uns gespendet werden, reparieren wir etwa im Rahmen unserer Fahrrad-AG mit Kindern aus der Nachbarschaft zusammen und setzen sie in einen verkehrssicheren Zustand. So können wir auch Räder, die sonst auf dem Müll gelandet wären, noch weitergeben.

Der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link ist in der Vergangenheit mehrfach durch markige Sprüche gegen Roma aufgefallen. Glaubt der SPD-Politiker, das Armutsproblem durch Stimmungsmache und Hetze lösen zu können?

S. B.: Es sind nicht nur die Sprüche des Oberbürgermeisters. Grüne, Sozialdemokraten und CDU betreiben seit Jahren eine Politik auf dem Rücken Menschen aus den unteren sozialen Schichten der Gesellschaft – egal welcher Nationalität. Zuwanderer aus Südosteuropa sind nicht die einzigen Leidtragenden, aber sie trifft nicht nur der hier herrschende Sozialchauvinismus, sondern auch eine rassistische Ausgrenzungs- und Verdrängungspolitik der Stadt. Im Gegensatz zur AfD und den Faschisten kann Herr Link mit Unterstützung der Mehrheit im Stadtrat diese Hetze auch in konkrete Politik umsetzen. Etwas, was die AfD in diesem Rahmen zum Glück noch nicht kann. Einen Anspruch, die sozialen Probleme in Duisburg zu lösen, kann ich bei der Politik der Mehrheit im Stadtrat nicht erkennen.

Insgesamt 16.000 bis 20.000 Menschen seien derzeit alleine in Duisburg nicht krankenversichert, heißt es. Der Gesundheitsamtsleiter Dieter Weber hat diese Zahlen Anfang April gegenüber den Medien als »nicht unrealistisch« bezeichnet. Deckt sich das mit Ihren Erfahrungen?

S. B.: Ja, diese Zahlen decken sich mit unseren Erfahrungen. Das Problem der Nichtversicherten Menschen ist nicht annähernd gelöst. Die Zahl der Nichtversicherten ist auch in den letzten Jahren nach unserer Erfahrung steigend, und dem­entsprechend stellt sich die gesundheitliche Situation der Betroffenen dar.

Sie haben erwähnt, dass Sie im Petershof auch eine Gesundheitssprechstunde angeboten haben. Ein ehrenamtliches Projekt wie der Petershof wird aber kaum weit mehr als 16.000 Menschen versorgen können, oder?

S. B.: Nein, das konnten wir natürlich nicht. Mit der Gesundheitssprechstunde haben wir einige hundert Menschen in der Woche erreicht. Dazu ist zu sagen, dass viele schon lange nicht mehr versichert sind bzw. noch nie versichert waren. Viele Krankheiten dieser Menschen sind nie behandelt worden und haben sich daher kompliziert entwickelt. Die Arbeitsbedingungen, unter denen viele gezwungen sind, sich zu verdingen, tragen auch nicht gerade zum Erhalt der Gesundheit bei. Jobs, bei denen die gesetzlichen Arbeitsschutzbestimmungen und Unfallverhütungsvorschriften eingehalten werden, hat hier kaum jemand. Auch viele Eltern mit kleinen Kindern kamen zu uns, die Mangelerscheinungen zeigten und aufgrund fehlender Impfungen Krankheiten hatten, vor denen sie eigentlich einfach hätten geschützt werden können. Oft sind wir an unsere persönlichen Belastungsgrenzen gestoßen – physisch und psychisch. Wir wollten schließlich niemanden nach Hause schicken, ohne uns um ihn zu kümmern.

Die Grundversorgung der Betroffenen bleibt nach wie vor weitgehend auf der Strecke, wenn man mal davon absieht, dass die Malteser-Migrantenmedizin vor über einem Jahr unser Projekt praktisch übernommen hat und weiter führt. Auch die Malteser-Migrantenmedizin, die einmal in der Woche geöffnet hat und ausgestattet ist mit ehrenamtlich tätigen Ärzten und Schwestern, meldet, dass sie den Bedarf nicht annähernd decken könne.

Schon im Jahr 2015 berichtete junge Welt, dass in Duisburg 10.000 Menschen nicht krankenversichert seien. Nun sind es mindestens 16.000 Personen, wenn nicht gar 20.000. Wer trägt die Verantwortung für diese Entwicklung?

T. N.: Das ist der fehlende politische Wille der Stadt Duisburg, aber auch auf Landes- und Bundesebene. Die Folgen werden letztlich auf dem Rücken der Betroffenen ausgetragen. Die wirtschaftlichen Vorteile einer offenen EU werden gern genommen, die zu erwartenden Migrationsbewegungen möchte man am liebsten stoppen. Armut wird zunächst produziert und anschließend verdrängt. Einen echten Ansatz für eine solidarische und lebenswerte Stadt erkenne ich nicht.

Was erwarten Sie als Praktiker von der Politik, damit diese Zustände behoben werden?

T. N.: Ich erwarte von der Politik der neoliberalen Parteien erst einmal gar nichts. Als Mensch, der sich in der Zeit der »rot-grünen« Bundesregierung politisiert hat, denke ich nicht, dass die heute Herrschenden – egal, ob in Duisburg oder bundesweit – irgendwelche sozialen Verbesserungen einführen werden oder auch nur das Erreichte sichern, wenn der Druck der Straße fehlt.

S. B.: Ich erwarte ebenfalls nichts von der derzeitigen politischen Leitung, werde aber nicht müde zu fordern – mit aller Vehemenz. Gleiche Rechte für alle hier lebenden Menschen und geeignete Konzepte für eine solidarische und menschenwürdige Stadt sind dabei die Kernforderungen, die wir gebetsmühlenartig in die Politik tragen. Die Herausforderung hierbei ist es, einen tatkräftigen Widerstand vor allem unter den Betroffenen zu organisieren, aber auch Unterstützerinnen und Helfer zu mobilisieren und zu vernetzen.

Sylvia Brennemann hat als ehrenamtliche Kinderkrankenschwester die Gesundheitssprechstunde am Petershof mit aufgebaut und bietet dort u. a. Eltern- sowie Sozialberatung an. Tim Nießner ist seit 2016 am sozialpastoralen Zentrum der katholischen Kirche »Petershof« in Dusiburg-Marxloh aktiv. Er bietet dort zusammen mit anderen eine Fahrrad-AG für Kinder und Jugendliche aus der Nachbarschaft an. Sylvia Brennemann und Tim Nießner sind seit Jahren aktiv im »Duisburger Netzwerk gegen rechts« und waren im Dezember 2017 Mitbegründer der Initiative »Marxloher Nachbarn«


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Wochenendbeilage