Aus: Ausgabe vom 17.05.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Marx war Marxist

Zu jW vom 7. Mai: Leserbrief »Kein Gott«

Genüsslich wird von bürgerlichen Medien und aus Gedankenlosigkeit oder Unkenntnis von Linken immer wieder hervorgehoben, dass Karl Marx selbst gesagt habe, er sei kein Marxist. Das stimmt so nicht! Friedrich Engels erinnert in zwei Briefen an den Ausspruch von Marx: »Alles, was ich weiß, ist, dass ich kein Marxist bin!« Dieser Ausspruch richtete sich aber im Kontext gegen falsche Freunde, die die materialistische Geschichtsauffassung nicht begriffen, sich aber als Marxisten bezeichneten (…), und gegen die »Jungen« in der deutschen Sozialdemokratie, die die Marxsche Lehre akademisch nur halb verdaut hatten und der Partei eine abenteuerliche Politik aufdrängen wollten (…). Durch das Weglassen des Zusammenhangs wird so eine Haltung von Karl Marx zu seiner Lehre suggeriert, die nicht den Tatsachen entspricht und die dann trefflich gegen die Marxisten benutzt wird. Überhaupt eine bevorzugte Methode seiner Gegner und falschen Freunde, seine Lehre und seinen Kampf zu verfälschen.

Siegfried Kretzschmar, Marxistisches Forum Leipzig

Vorspiel zum Krieg

Zu jW vom 12./13. Mai: »Furcht vor Flächenbrand«

»Die Bundesregierung verschärfte am Freitag im Streit um das Atomabkommen mit dem Iran ihre Tonlage gegenüber den USA.« – Hey, was soll der Schmusekurs mit Angela Merkel? Die Sorge der Freundin der deutschen Monopole hat rein gar nichts mit einem selbstbewussten Auftreten einer deutschen Bundeskanzlerin zu tun (…). Merkel geht es nur um Schadensbegrenzung bei den vorteilhaften Handelsvereinbarungen. (…) Medial wird das feige Auftreten (…) als »diplomatisches Fingerspitzengefühl« verkauft. Wenn der Iran dann nicht auf dieser Schleimspur schlittern will – weil: Vertrag ist Vertrag –, werden Theresa May, Emmanuel Macron und Merkel schnell ins US-Kriegshorn blasen. Also, was soll das – den Leser der jW langsam an den »nötigen« Militärschlag gegen die Mullahs in Teheran gewöhnen? (…)

Hans Peter Arenz, per E-Mail

Klarer Rechtsbruch

Zu jW vom 12./13. Mai: »Furcht vor Flächenbrand«

Der Artikel lässt nicht hinreichend erkennen, dass es nicht um eine schlichte »Aufkündigung« oder um einen »Ausstieg« aus dem Abkommen mit dem Iran durch die USA geht, sondern um eine Kündigung ohne Kündigungsgrund, also um Bruch internationalen Rechts.

Dr. Wilhelm Rettler, per E-Mail

Starke UdSSR

Zu jW vom 12./13. Mai: »Diese große Frage«

(…) Handelte die Sowjetunion, wie der Autor meint, wirklich »aus dem engen Blickwinkel (ihres) außenpolitischen Interesses«, als sie die Komintern auflöste? Dazu müsste die Frage gehören: Gab es einen anderen Weg? Und auch die Einschätzung, der Beschluss sei »kontraproduktiv« gewesen, müsste wohl etwas differenzierter betrachtet werden. Ohne diesen Auflösungsbeschluss wären zum Beispiel in Italien der Sturz Mussolinis in einer Palastrevolte der herrschenden Kreise, der Übergang mit der Kriegserklärung an Hitlerdeutschland auf die Seite der Antihitlerkoalition (Juli–Oktober 1943) und die Bildung einer antifaschistischen Einheitsregierung unter Einschluss der Kommunisten und Sozialisten (Togliattis »Wende von Salerno«) im April 1944 unmöglich gewesen. Wenn es schließlich heißt, Stalin habe »die Position der Sowjetunion gegenüber Großbritannien und den USA für so schwach (gehalten), dass er nach jedem Strohhalm griff, der eine abermalige internationale Isolation des Landes weniger wahrscheinlich zu machen schien«, scheint auch das vier Monate nach Stalingrad an der Realität vorbeizugehen. Das internationale Ansehen der UdSSR war ungeheuer gewachsen, aus Sicht der USA war die Frage, wer gewinne, Hitlerdeutschland oder die Sowjetunion, zugunsten Stalins entschieden. Das spiegelt auch der Briefwechsel Stalins mit Churchill und Roose­velt nach Stalingrad (…) wider. Wenn auch die Roosevelt entgegenstehenden Kräfte weiterhin versuchten, die UdSSR in der gewaltigen Auseinandersetzung mit Hitlerdeutschland mit allen Mitteln, einschließlich der Verzögerung der Eröffnung der zweiten Front, zu schwächen.

Doris Prato, per E-Mail

Für Frieden kämpfen

Zu jW vom 12./13. Mai: »›Fühle mich dem russischen Volk verbunden‹«

Am 9. Mai, dem 73. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus, bin ich auf dem Weg nach Treptow zum sowjetischen Ehrenmal. Viele Menschen, hauptsächlich russische Frauen mit großen Blumensträußen, (…) begegnen mir. Ich frage, wo man Blumen, ich denke an rote Nelken, kaufen könne. Eine der Frauen antwortet, es gebe keine Möglichkeit; gleichzeitig löst sie aus ihrem Strauß eine große Nelke und überreicht sie mir. Das ist mein schönstes Erlebnis an diesem Tag. Plötzlich fühle ich mich befreit, die Last der Erinnerung an die Jahre des Faschismus weicht dem Gefühl der Freundschaft mit dem russischen Volk. Die Russin kann nicht ahnen, welche Empfindungen sie in mir wachgerufen hat: Diese Nelke ist ein Zeichen der Verbundenheit, ja der Freundschaft und des Friedens über alle Gräber und Gräben hinweg. (…) Ich fühle mich verbunden mit den vielen Menschen aus allen Ländern, die sich auf der großen Treppe vor dem Denkmal drängen. Und ich fühle mich aufgerufen, mit ihnen für den Frieden in der Welt zu kämpfen.

Eva Ruppert, per E-Mail

An der Grenze

Zu jW vom 14. Mai: »Not Your Toy«

»Im kommenden Jahr soll der European Song Contest in Jerusalem ausgetragen werden« – während vielleicht an den Grenzen des Gazastreifens weiter unbewaffnete Protestierende aus der Ferne von Scharfschützen ermordet werden, »präventiv« – lange bevor sie sich am Grenzzaun zu schaffen machen können. Eine unglaubliche Provokation! Besonders nachdem die Trump-Regierung (…) die Botschaft der USA nach Jerusalem verlegte. Da soll das über die Bühne gehen? Boykott ist die einzige mögliche Antwort!

Volker Wirth, Berlin

Im kommenden Jahr soll der European Song Contest in Jerusalem ausgetragen werden – eine unglaubliche Provokation! Boykott ist die einzige mögliche Antwort!

Der richtige Begleiter für den Sommer im Marx-Jahr!

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