Aus: Ausgabe vom 16.05.2018, Seite 11 / Feuilleton

Sachsens Polizei »im Wandel der Zeit«

Von Ralf Richter
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Nicht zum Anfassen: Freunde und Helfer und Sachsen

Hätten Sie’s gewusst? Vor 165 Jahren wurde die »Staatliche Polizei« in Sachsen gegründet. Und deshalb gibt es in Dresden eine Sonderausstellung und zwar im »Bürgerfoyer« des Landtags: »Spurensuche – die Polizei Sachsen im Wandel der Zeit«. Die Organisatoren der »Pegida«-Demos vergessen übrigens nie, sich bei der Polizei »für die gute Zusammenarbeit« zu bedanken. Es ist ein offenes Geheimnis, dass viele sächsische Polizisten Sympathie für »Pegida« und die AfD hegen.

Gleich am Anfang der Ausstellung gelangt man an einem Henkersbeil vorbei. Der Henker hat sein Werkzeug als eine Art stählernes Tagebuch geführt: Auf dem Beil wurden der Name des Opfers und der Hinrichtungstag verewigt. Kürzlich erst zeigte man im Dresdner militärhistorischen Museum der Bundeswehr den Helm eines Scharfschützen aus dem Afghanistan-Einsatz: Ein Strich für jeden »Abschuss«. Traditionen halten sich.

Versagt habe die sächsische Polizei leider beim SPD-Politiker Gustav Neuring am 12. April 1919, ist zu erfahren. Damals habe »der Mob« den sächsischen Kriegsminister einfach über die Brüstung der Augustusbrücke, Dresdens wichtigster Elbbrücke, gestoßen. In der Ausstellung heißt es, der Minister sei danach ertrunken, andere Quellen berichten, er sei im Wasser erschossen worden. »Der Mob«, das waren Invaliden des Ersten Weltkriegs, denen der Minister die Bezüge hatte kürzen wollen. Nachdem er sich geweigert hatte, mit einer Abordnung der Kriegsversehrten zu reden, sollen die aggressiv geworden sein, worauf ein Offizier versuchte, Handgranaten zu werfen, was allerdings keinen Schaden anrichtete.

Geradezu einmalig sind in der Ausstellung die Jahre von 1918 bis 1933. 1924 bis 1929 seien »Ruhejahre« gewesen, die der sächsische Staat genutzt habe, um die Polizei nach demokratischen Grundsätzen umzugestalten. Ansonsten aber galt: »Immer wieder wurden Polizeidienststellen und Polizeibeamte von ›proletarischen Hundertschaften‹ angegriffen.« Es waren also keine faschistischen Horden, die Arbeiterversammlungen zusammenschlugen, ohne dass die Polizei aufgetaucht wäre. Die Arbeiter waren es, die die Polizei angriffen. Beamte seien so gestorben. »In Folge dieser verschärften Widersprüche konnten sich antirepublikanische Kräfte in der sächsischen Polizei durchsetzen.« Im Juni 1936 übernahm die SS die Polizei. Entlassen wurden alle Polizisten nur einmal: am 8. Mai 1945 auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration.

Bis 25. Mai, montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr


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