Aus: Ausgabe vom 08.05.2018, Seite 1 / Titel

Danke, Befreier!

Der Sieg der Alliierten beendete den deutschen Faschismus. Doch die Bundesrepublik macht sich daran, das Rad der Geschichte zurückzudrehen

Von Roland Zschächner
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Erinnerung an Rotarmisten: Gedenkveranstaltung am Sowjetischen Ehrenmal in Berlin-Tiergarten am 9. Mai 2016

Heute vor 73 Jahren unterzeichneten die Oberbefehlshaber der Hitlerwehrmacht im Hauptquartier der Roten Armee in Berlin-Karlshorst die bedingungslose Kapitulation Deutschlands. Der Zweite Weltkrieg war damit in weiten Teilen Europas beendet. Und Deutschland befreit. Die nazistische Kriegsmaschinerie zum Stoppen gebracht hatten die alliierten Streitkräfte der USA, Großbritanniens und vor allem der Sowjetunion, die mehr als 27 Millionen Tote zu beklagen hatte.

Der Faschismus hat in Europa einen Trümmerhaufen hinterlassen. Mehr als 60 Millionen Menschen wurden ermordet, darunter mehr als sechs Millionen Juden. Der von Deutschland entfesselten Barbarei setzten viele Völker Widerstand entgegen. In nicht wenigen Ländern ist deswegen der 8. Mai – oder der in der Sowjetunion bzw. deren Nachfolgerepubliken als »Tag des Sieges« begangene 9. Mai – ein Feiertag. Nicht so in der Bundesrepublik. Jenem Land, das sich als Nachfolgestaat des faschistischen Deutschlands erneut daran macht, Großmachtphantasien zu verfolgen.

In der Europäischen Union bedeutet die deutsche Dominanz die Unterwerfung der südeuropäischen Staaten. Diesmal schickt Berlin keine Panzer, sondern rollt mit seinen Handelsüberschüssen und dem Euro über die Länder hinweg. In Griechenland leben die Menschen seit acht Jahren unter einer neuen Besatzung. Die Mehrheit der Griechen ist verarmt, der Sozialstaat zerstört, die Suizidrate in die Höhe geschnellt. Davon profitiert haben unter anderen deutsche Banken.

»Der Tod ist ein Meister aus Deutschland«, heißt es in der »Todesfuge« des Holocaustüberlebenden Paul Celan. Die deutschen Rüstungskonzerne können dies mit einem Blick in ihre Bücher belegen. Wie damals verdienen sie auch heute kräftig an den Morden in aller Welt mit. Und Rheinmetall oder Thyssen-Krupp können sich immer noch auf die schützende Hand der Regierung in Berlin verlassen. Waffen für Diktaturen wie Saudi-Arabien oder die Türkei werden im Sinne der Staatsräson genehmigt.

An insgesamt 13 Einsätzen ist die Bundeswehr weltweit beteiligt. In Afghanistan hat sie – ganz in der Tradition von Wehrmacht und SS – eine Blutspur hinterlassen. Erinnert sei an das von dem damaligen Oberst Georg Klein zu verantwortende Massaker im Jahr 2009, das mehr als 140 Menschen das Leben kostete. Klein ist mittlerweile Brigadegeneral.

Wie eh und je gehört zum deutschen Imperialismus, sich den Osten untertan zu machen. Ein neuer, alter Feind wird von Berlin aus in die Zange genommen: Moskau soll sich unterordnen. Das Land und seine Rohstoffe sollen allein dem westlichen Kapital zur Verfügung stehen; keine Macht soll den weltweiten Interessen von BRD und USA im Weg stehen. Deswegen wurden NATO-Truppen – auch unter deutschem Befehl – an Russlands Westgrenze stationiert. Kritik aus Moskau daran wird gegen den Eingekreisten gewendet, um die eigenen Ambitionen zu verschleiern.

Die Lehren aus dem Zweiten Weltkrieg und dem Faschismus haben in Deutschland kaum noch Bestand. Die Konfrontation mit Russland bedeutet ein Wachsen der Kriegsgefahr. Gleichzeitig sorgen rechte Kettenhunde mit Hetze gegen Flüchtlinge, behinderte Menschen oder Erwerbslose dafür, dumpfe Deutschtümelei wieder mehrheitsfähig zu machen. Die Profiteure von heute sitzen derweil in denselben Sesseln wie damals die Steigbügelhalter der Nazis. Ihrem Handeln ein Ende zu setzen gehört deshalb zum Vermächtnis derer, die Europa vor 73 Jahren befreiten.

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Debatte

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  • Beitrag von günther d. aus b. ( 8. Mai 2018 um 17:50 Uhr)

    Wenn ich an den 8. Mai 1945 zurückdenke, sehe ich mich noch mit vielen Gleichaltrigen am 6. Mai über eine zerstörte Elbebrücke zu den Amis in Gefangenschaft klettern. Wir waren alle 16,17 Jahre alt und wohl die letzte "Eliteeinheit " der Wehrmacht. Wir nannten uns Panzerjagdbrigade "Feldherrnhalle". Zwar jagten wir mit unseren Panzerfäusten keine Panzer, sondern wurden von Panzern gejagt. Aber selbst damals gab es noch Offiziere, die Sehnsucht nach einem Ritterkreuz hatten und ihre "Panzerjäger" östlich der Elbe in sinnlose Gefechte führten, aus denen nur wenige noch den Weg zum Ami fanden. Am Kontrollpunkt in Tangermünde , wo ich meine Waffe ( SG 44) abgab ,wurde ich von einem bärenstarken Cowboy gefragt: "How old are you" und ich antwortete in meinem Schulenglisch: I am sixten years . Antwort: No, you are twelv!

    Soll sich so etwas oder ähnliches irgendwann und irgendwo hier wiederholen? Es ist einfach nicht zu fassen, dass die Beauftragten des militärisch-industriellen Komplexes - unsere Regierung - dem Streben dieser Kräfte zunehmend zur Hand geht, um Möglichkeiten auszuloten, wie deren Profite weiter steigen könnten. Und dazu gehört seit alters her der Krieg. Und das neue Fähnlein wird erstmalig nicht von behelmten Herren geschwenkt. Den Ton gibt dieses mal eine zierliche Dame mit blondgelocktem Haar an. Na, wenn das nicht besonders anregend wirken wird?

    Also, was soll diese gefährliche Spielerei mit geladener Waffe. Ist es nicht endlich Zeit, damit Schluss zu machen, den Amis die Partnerschaft aufzukündigen und eigene und zwar friedliche Wege zu gehen?

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