Aus: Ausgabe vom 24.04.2018, Seite 2 / Ausland

Verhandlungen gefordert

Putin telefoniert mit Macron über Lage in Syrien

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Unter Kontrolle der Regierung: Soldaten bewachen die von bewaffneten Gruppen übergebene Stadt Dumayr nahe Damaskus (22.4.2018)

Russlands Präsident Wladimir Putin hat bei einem Telefonat mit Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron auf eine Wiederbelebung von Friedensverhandlungen für Syrien gedrungen. Die Situation habe sich durch den Raketenangriff der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen Syrien am 14. April verschlechtert, sagte Putin am Montag laut einer Mitteilung des Kremls in Moskau. Der Präsident habe diesen Raketenangriff als Völkerrechtsbruch kritisiert, hieß es weiter. Der russische Außenminister Sergej Lawrow schloss nicht aus, dass sich ähnliche Angriffe des Westens auf Syrien wiederholen könnten. Russland sei deswegen besorgt, sagte er der Nachrichtenagentur Interfax zufolge.

Unterdessen forderte Bundesaußenminister Heiko Maas Russland zu einer »konstruktiven Mitarbeit« auf. Er behauptete am Rande des G7-Außenministertreffens am Sonntag in Toronto, Deutschland suche den Dialog mit der russischen Seite, da der Konflikt in Syrien ohne die Regierung in Moskau nicht zu lösen sei. »Keiner will eine Eskalation in Syrien und auch im ganzen Nahen und Mittleren Osten, und dafür muss man miteinander reden«, sagte Maas. »Das tun wir jetzt hier erst einmal im Kreise der G7, und das ist ein guter Start.«

Vor der am heutigen Dienstag beginnenden EU-Geberkonferenz für Syrien schlagen Hilfsorganisationen Alarm. Die Welthungerhilfe warnte am Montag, dass es in der von bewaffneten Gruppen gehaltenen Provinz Idlib »zu einer humanitären Katastrophe kommen könnte«. Bis zu 700.000 Menschen könnten betroffen sein. »Ohne eine politische Lösung sitzen sie möglicherweise in der Falle.« Die Geberkonferenz sei wichtig, um Geld für die Versorgung zu bekommen. »Aber sie ist auch ein Ausdruck der politischen Hilflosigkeit der internationalen Gemeinschaft.« Mit militärischen Mitteln lasse sich kein tragfähiger Frieden erzwingen, erklärte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann.

In Syrien setzte die Armee ihre Offensive gegen die bewaffneten Gruppen im Umland der Hauptstadt Damaskus fort. Ziel sei ein von islamistischen Aufständischen gehaltenes Gebiet, berichtete das staatliche Fernsehen. Angegriffen wurden unter anderem islamistische Stellungen südlich von Damaskus. Einsätze erfolgten zudem in der Westghuta, wie die staatliche Nachrichtenagentur SANA am Montag meldete. (dpa/Reuters/jW)


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