Aus: Ausgabe vom 21.04.2018, Seite 7 / Ausland

Swasiland wird eSwatini

Monarch des Kleinstaats im südlichen Afrika verkündet Umbenennung seines Königreichs

Von Christian Selz, Kapstadt
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»Immer wenn wir im Ausland waren, haben die Leute uns Schweiz genannt«: Mswati III. und Ehefrau landen in Colombo (13. August 2012)

Anlässlich seines 50. Geburtstags am vergangenen Donnerstag hat sich König Mswati III. einen Herzenswunsch erfüllt: Er hat sein Land umbenannt. Bis vorgestern war er monarchischer Herrscher über Swasiland, jetzt von eSwatini. Offiziell widmete der in dem Kleinstaat zwischen Südafrika und Mosambik seit 32 Jahren absolut herrschende König die Namensänderung allerdings dem 50. Jahrestag der Unabhängigkeit von Großbritannien. Die erlangte Swasiland, wie es damals noch hieß, zwar erst am 6. September 1968, die Feierlichkeiten legte das Königshaus aber kurzerhand etwas näher an den Königsgeburtstag, auf den gestrigen Freitag. »50-50 Goldenes Jubiläum« nannte sein Hof die Veranstaltung.

Der neue Name des Königreichs, den Mswati III. schon seit einigen Jahren bei öffentlichen Anlässen gebrauchte, kommt in der Übersetzung dem alten relativ nahe – eSwatini bedeutet »Land der Swasi«. Der Monarch sieht darin dennoch eine bedeutende Erleichterung. »Immer wenn wir im Ausland waren, haben die Leute uns Schweiz genannt«, erklärte er am Donnerstag während der Feierlichkeiten in seiner Geburtsstadt Manzini. Das dürfte weniger am ebenfalls eher kleinen, bergigen Terrain seines Staatsgebiets, sondern am englischen Namen der Schweiz (Switzerland) gelegen haben. Zwar laufen die meisten Untertanen kaum Gefahr, die Problematik selbst zu erleben, weil sie so arm sind, dass sie keine aufwendigen Reisen unternehmen können. Doch Mswati III. sieht in der Abkehr vom alten, englisch geprägten Namen offensichtlich auch einen Ausdruck von Eigenständigkeit.

Seine eigene Selbstbestimmung ist dem Monarchen anscheinend sehr wichtig. Bei anderen sieht er das weniger eng. Die Mutter einer seiner derzeit geschätzt 14 Ehegattinnen – eindeutige Zahlen lassen sich nicht finden – hatte 2002 ihre 18jährige Tochter vermisst gemeldet. Später wurde sie von der Polizei darüber in Kenntnis gesetzt, dass die junge Frau sich im Palast befinde und dort auf die Hochzeit vorbereitet werde. Im März starb dann eine von Mswatis Gattinnen. Mehreren südafrikanischen Medienberichten zufolge soll Senteni Masango Selbstmord begangen haben, nachdem sie drei Jahre lang ohne einen einzigen Besuch des Königs allein in einer Villa gelebt und er ihr sogar den Besuch der Beerdigung ihrer eigenen Schwester untersagt haben soll.

Die mit ihm verheirateten Frauen sind allerdings bei weitem nicht die einzigen Menschen, die der König unterdrückt. Freie Wahlen gibt es in seinem Land nicht, Gewerkschaften werden drangsaliert, politische Gegner verhaftet und gefoltert. Die große Mehrheit der Einwohner des Königreichs lebt in bitterer Armut und ist weitgehend entrechtet. Erst in der vergangenen Woche rissen die Schergen des Königs einem Bericht des südafrikanischen Nachrichtenportals Daily Maverick zufolge die Wohnhäuser mehrerer Familien nieder, um für einen geplanten Königlichen Technologiepark Platz zu schaffen. 60 Menschen sind obdachlos geworden, Pläne für ihre Umsiedlung scheint es nicht zu geben.

Dem Ansehen des Königs bei befreundeten despotischen Regimen hat das derweil wenig geschadet. Im Commonwealth ist das Kingdom of eSwatini weiter geschätztes Mitglied, 2012 war Mswati III. selbstverständlich zum 60. Thronjubiläum der britischen Königin Elizabeth II. geladen. Einzig der große Nachbar Südafrika schickt hin und wieder Protestnoten nach Mbabane, die Hauptstadt des neuen eSwatini, wenn die Repressionsorgane dort Gewerkschafter oder Funktionäre der Kommunistischen Partei verhaften. Wirklich ernst sind diese Interventionen Pretorias, wo sowohl der Gewerkschaftsbund Congress of South African Trade Unions (COSATU) als auch die South African Communist Party (SACP) Teil der Allianzregierung mit dem African National Congress (ANC) sind, allerdings auch nicht. Mswati wird auch die im Ausland aufkommende Kritik an den hohen Kosten der Namensänderung, die auch Institutionen wie die Polizei, Armee und Universität betreffen werden, selbstsicher weglächeln. Er selbst wird dadurch nicht ärmer. Zumindest den Flughafen muss er nicht umbenennen, der heißt jetzt schon King Mswati III International Airport. Verwechslungen mit Genf, Bern oder Zürich sind ausgeschlossen.

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