Aus: Ausgabe vom 19.04.2018, Seite 2 / Ausland

Warten in Damaskus

Syrien: OPCW-Ermittler noch nicht in Duma. UN halten Lage für zu gefährlich

RTX5SBIN.jpg
Fahrzeuge der OPCW-Delegation am Mittwoch in Damaskus

In Syrien haben die Inspektoren der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) offenbar noch nicht mit der Untersuchung des behaupteten Einsatzes von Giftgas in der Stadt Duma beginnen können. Die UN-Sicherheitsabteilung habe die Lage in der Stadt am Mittwoch für zu unsicher gehalten, damit die Experten ihre Arbeit machen können, hieß es in Medienberichten. Das am Dienstag nach Duma entsandte Sicherheitsteam habe Schusswechsel gemeldet, so die Nachrichtenagentur Reuters. Auch die russische TASS hatte bereits am Dienstag von Kämpfen zwischen verbliebenen Dschihadisten und syrischen Sicherheitskräften berichtet. Es war zunächst unklar, ob die OPCW-Ermittler noch am Mittwoch ihre Arbeit würden aufnehmen können. Syriens UN-Botschafter Baschar Al-Dschafari sagte in der Nacht zum Mittwoch in New York, die Regierung habe alles getan, um die Arbeit der Inspektoren zu ermöglichen.

Die neun Spezialisten der OPCW sollen prüfen, ob am 7. April in Duma chemische Substanzen gegen Zivilisten eingesetzt wurden. Das behaupten westliche Regierungen nach entsprechenden Berichten der »Weißhelme« und ähnlicher Organisationen, die den islamistischen Aufständischen in Syrien nahestehen. Nach deren Angaben sollen mehr als 40 Menschen getötet worden sein. Diese Behauptungen reichten den USA, Großbritannien und Frankreich als Begründung für ihre Luftangriffe vom vergangenen Sonnabend.

Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, wies am Dienstag Vorwürfe der Westmächte zurück, Moskau behindere die Arbeit der OPCW. Vielmehr habe Russland unmittelbar nach den ersten Berichten über einen angeblichen Chemiewaffeneinsatz die sofortige Entsendung von Spezialisten der Organisation gefordert. »Die russische Seite hat jede Unterstützung angeboten, damit die Ankunft der Ermittler in Syrien ermöglicht wird«, betonte sie. Es habe nicht in der Verantwortung der russischen Seite gelegen, dass die UN-Sicherheitsabteilung der OPCW die Fahrt nach Duma noch nicht erlaubt habe.

Experten gehen davon aus, dass auch zehn Tage nach einem Chemiewaffenangriff noch Hinweise auf benutze Substanzen gefunden werden können, zum Beispiel durch eine höhere Konzentration in Gebäuden oder der Umwelt. Auch Symptome von Opfern können auf gewisse Stoffe hindeuten. So ist das Nervengas Sarin auch noch nach Wochen nachweisbar (AFP/Reuters/TASS/jW)

Der richtige Begleiter für den Sommer im Marx-Jahr!

Unser Aktionsabo der gedruckten Ausgabe (62 Euro statt 115,20 Euro): Sechs Tage in der Woche, mit vielen Hintergründen und Analysen, mit thematischen Beilagen und am Wochenende acht Seiten extra. Das Abo endet nach drei Monaten automatisch. Als Zugabe gibt es das Buch »Marx to go« aus dem Verlag Neues Leben.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Mehr aus: Ausland