Aus: Ausgabe vom 17.04.2018, Seite 8 / Ansichten

Kolonialexperte des Tages: Robert Kappel

Von Kristian Stemmler
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Vor mehr als 130 Jahren nahm das deutsche Kaiserreich seinen »Platz an der Sonne« ein. Gemeint war das gottgegebene Recht, afrikanische Länder auszuplündern und Hunderttausende ihrer Bewohner umzulegen. Da dergleichen nicht überall gut ankommt, gaben die Kolonialherren die Parole aus, die »unmündigen Wilden« hätten nichts anderes verdient.

In Zeiten des Neokolonialismus formuliert man das aus Gründen der Political Correctness ein wenig anders. Ursache dafür, dass Afrika nicht aus dem Quark kommt, sei heute nicht mehr die Rückständigkeit der Bewohner, sondern die Korruptheit seiner »Eliten«. Ansonsten ist die Argumentation dieselbe. Schulbuchmäßig hat das der Wirtschaftswissenschaftler Robert Kappel in einem Interview vorgemacht, das die Taz am Sonntag veröffentlichte.

Warum Afrika denn noch so arm sei, will die Interviewerin von Kappel wissen, der als Präsident des »German Institute of Global and Area Studies« von 2004 bis 2011 die deutsche Entwicklungspolitik beeinflusste. Seine Antwort: Die afrikanischen Staaten haben »den Strukturwandel nicht gut gemanagt«. Und warum? Weil Eliten an die Macht gekommen seien, »die sich nicht für die Gesamtbevölkerung interessieren«.

Da muss man erst mal tief durchatmen. Auf dem Kontinent verrecken Tag für Tag Tausende, weil westliche Öl-, Minen- und Agrarkonzerne ungeniert die Ausplünderung fortsetzen. Hand in Hand mit vom Westen installierten und alimentierten Kompradorenregimes. Aber für den Herrn Professor sind die Afrikaner wieder mal selbst schuld. Vollends ins Groteske gleitet der Mann mit seiner Einlassung ab, wer in Afrika eine Wahl gewinne, nehme als Sieger alles – »alle Posten, alle Möglichkeiten, alle finanziellen Vorteile«. In westlichen Demokratien natürlich völlig undenkbar.


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