Aus: Ausgabe vom 14.04.2018, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Managertreiben

Zu Lust und Risiken des Kapitalverkehrs

Von Lucas Zeise
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Sollen die Mitarbeiter beschäftigen: Die Manager Herbert Diess (r.) und Hans Dieter Pötsch am Donnerstag in Wolfsburg

Die Überschrift im gewöhnlich gut unterrichteten Manager-Magazin lautete: »Volkswagen beschließt größten Umbau der Geschichte.« Der Aufsichtsrat des Konzerns hatte am Donnerstag abend getagt. Aber schon tagsüber war die Börse erregt von den großartigen Beschlüssen, die durch alle Ritzen drangen. Wirklich ein Weltereignis. Immerhin wird der bisherige Vorstandschef Matthias Müller durch einen anderen, einen gewissen Herbert Diess ersetzt.

Die Vorstände eines Unternehmens werden vom Aufsichtsrat bestimmt. Bei Volkswagen ist der Vorsitzende des Aufsichtsrates ein Österreicher namens Hans Dieter Pötsch. Der sagte bis vor kurzem Sätze wie: »Der Volkswagen-Konzern ist in einer sehr guten Verfassung«. Wer wollte ihm widersprechen? Das Unternehmen hat 2017 den Gewinn nach Steuern auf 11,6 Milliarden Euro mehr als verdoppelt. Dabei sind gewinnschmälernde Rückstellungen wegen der leidigen Dieselaffäre in Höhe von 3,2 Milliarden Euro schon berücksichtigt. Die Dividende kann am 3. Mai zur Hauptversammlung auf 3,90 Euro je Aktie heraufgesetzt werden. Sogar die VW-Arbeiter – nicht die Leiharbeiter natürlich – erhalten eine von knapp 3.000 auf 4.100 Euro heraufgesetzte Jahresprämie. Und der bisherige Konzernchef Müller bekommt erfolgsbedingt mit 10 Millionen Euro die höchste Vergütung, die nach neu erfundener VW-Regel möglich ist.

Vielleicht hätte sich Müller über die kleinliche Obergrenze nicht beschweren sollen. Die Mäkelei kam bei den Mehrheitseigentümern vielleicht nicht gut an. Auch diese sind mehrheitlich Österreicher (was kein fremdenfeindlicher Zungenschlag sein soll), gehören den Clans der Porsches und Piëchs an und haben ihr Eigentum von 52 Prozent am Volkswagenkonzern in einer kleinen netten Holding-Firma, der Porsche S. E. in Stuttgart gebündelt. Dank des kräftig gestiegenen Gewinns wird VW am 4. Mai nicht nur 300 wie im Vorjahr sondern 600 Millionen Euro nach Stuttgart überweisen, damit das Geld an die P&P-Familienmitglieder weiterverteilt werden kann. Solche Eigentümer, nennen wir sie der Klarheit wegen Kapitalisten, legen Wert darauf, dass die Jahresprämie von bloßen Managern um einen Faktor von vielleicht 50 bis 100 unter der Ausschüttungssumme bleibt. Noch wichtiger ist ein anderer Vergleich. Die Stuttgarter Firma Daimler hat aus dem Rekordgewinn des vergangenen Jahres das hübsche Sümmchen von 3,9 Milliarden Euro an ihre Aktionäre ausgeschüttet. Das, so werden die VW-Mehrheitseigentümer im Innern empfinden, muss auch für den größten Autohersteller der Welt das Vorbild sein.

Das ist dann schon einen größten Umbau der Geschichte wert. Er sieht neben einigen Personalveränderungen – unter anderem darf ein IG-Metaller in den Vorstand – vor, dass Audi künftig »Premium«- und Porsche, Bugatti, Bentley und Lamborghini zusammen »Superpremium«-Bereich heißen sollen. Müllers alter Plan, die zusammengekauften Lastwagenfirmen an die Börse zu bringen, gehört auch zum riesigen Konzernumbau.

Manager haben es generell nicht leicht. Sie müssen im Tagesgeschäft triviale Sätze sprechen und durch fortdauerndes Umorganisieren des Betriebs (das Managen eben) die mittleren und unteren Chargen in den Konzernen auf Trab halten. Durch Umorganisieren erhöht sich die Unsicherheit in der Hierarchie. Andererseits entstehen dadurch Aufstiegschancen. Ganz so gehen erfolgreiche Kapitalisten mit ihren Managern um.

Unser Autor ist Finanzjournalist und Publizist. Er lebt in Frankfurt am Main


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