Aus: Ausgabe vom 12.04.2018, Seite 5 / Inland

In der Warteschleife

Am Mittwoch streikten 14.000 Beschäftigte der Telekom-Servicebereiche

Von Stefan Thiel
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Im Ausstand: Beschäftigte der Deutschen Telekom (hier bei einer Streikkundgebung am Montag in München)

Wer gestern ein Problem mit seinem Festnetz- oder Internetanschluss hatte und deshalb die Kundenhotline der Deutschen Telekom zu erreichen versuchte, hatte vermutlich Pech oder landete in einer langen Warteschleife. Anlässlich der am Mittwoch begonnenen vierten Runde der Tarifverhandlungen hatte die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Mitarbeiter des Telekommunikationsunternehmens dazu aufgerufen die Arbeit niederzulegen.

Bestreikt wurden insbesondere die Service- und Technikbereiche des Konzerns wie etwa der Kundenaußendienst, der Dispositionsbereich und die Servicehotline. Bundesweit befanden sich nach Angaben der Gewerkschaft mehr als 14.000 Beschäftigte im Ausstand.

In Berlin zogen am Vormittag rund 1.000 Telekom-Mitarbeiter vom Bahnhof Friedrichstraße bis zum Neptunbrunnen vor dem Roten Rathaus. Nach Angaben des zuständigen Verdi-Landesfachbereichsleiters für Berlin und Brandenburg, Mike Döding, beteiligten sich in den beiden Bundesländern mehr als 1.500 Angestellte am Warnstreik. So sei es etwa auch an den Standorten in Cottbus und Frankfurt an der Oder zu Arbeitsniederlegungen gekommen, sagte Döding gegenüber jW. Für die am Mittwoch bestreikten Servicebereiche arbeiten in der Hauptstadt rund 3.000, in Brandenburg circa 500 Beschäftigte.

Verdi fordert in der laufenden Tarifrunde für die bundesweit rund 62.000 Mitarbeiter des Dax-Konzerns eine Entgelterhöhung von 5,5 Prozent bei einer zwölfmonatigen Laufzeit. Die Vergütungen der Auszubildenden und der dual Studierenden sollen jeweils um 75 Euro im Monat angehoben werden. Nach Angaben von Verdi-Mann Döding bietet die Kapitalseite bisher lediglich eine Erhöhung um zwei Prozent nach fünf Monaten ohne Lohnsteigerung an – bei einer Laufzeit von zwei Jahren. In einer zweiten Stufe wolle der Konzern dann nur noch 1,7 Prozent mehr bezahlen. Auf das Jahr umgerechnet, liege das »Angebot« somit unter der Inflationsrate.

Bei der Berliner Streikkundgebung sprachen auch Kollegen der Feuerwehr. Letztere halten nunmehr die dritte Woche in Folge rund um die Uhr eine Mahnwache vor dem Roten Rathaus ab, um auf den gravierenden Personal- und Ausrüstungsmangel bei den Feuerwachen aufmerksam zu machen (siehe jW vom 9. April). Wie Gewerkschaftssekretär Döding betonte, habe man den Kollegen einen Auftritt bei der Kundgebung angeboten, um ihnen zu zeigen, dass sie nicht alleine dastehen.

Sollten die Verhandlungen mit der Deutschen Telekom zu keinem Ergebnis führen, werde man in der kommenden Woche auch »über Erzwingungsstreiks nachdenken«. Grundsätzlich versuche Verdi verschiedene Streikbewegungen miteinander zu koordinieren, erläuterte Döding gegenüber jW. So hätten zum Beispiel am Dienstag in Köln Beschäftigte der Telekom und des öffentlichen Dienstes gemeinsam demonstriert. »Die Arbeitgeber sollten sich genau überlegen, ob sie die Mitarbeiter von Telekom, Feuerwehr und Stadtreinigung gleichzeitig auf der Straße haben wollen«, sagte der Gewerkschafter.


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