Aus: Ausgabe vom 11.04.2018, Seite 1 / Titel

Airports lahmgelegt

Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Tausende Flüge gestrichen. Staatliche Sicherheitsfirma zahlt Streikbrechern Prämie

Von Stefan Thiel
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Sorgten am Dienstag in Frankfurt am Main dafür, dass Hunderte Flugzeuge am Boden bleiben mussten: Die Beschäftigten der Sicherheits- und Kontrolldienste

Wenn die Kollegen der Sicherheitskontrolle an den Flughäfen streiken, geht im Luftverkehr wenig bis nichts mehr. So auch am Dienstag, nachdem die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft Verdi die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes bei Bund und Kommunen erneut zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen hatte.

Der Flughafen Köln-Bonn stellte den Flugverkehr am Morgen stundenlang komplett ein, weil sich auch die Feuerwehrleute des Airports am Ausstand beteiligten. Auch am internationalen Drehkreuz in Frankfurt am Main sowie in Bremen und München mussten Hunderte Flüge gestrichen werden. In der Folge kam es auch in Berlin und am Flughafen Leipzig-Halle zu Ausfällen.

Der Verdi-Bezirk München verbreitete am Dienstag via Facebook ein Schreiben der Sicherheitsgesellschaft am Flughafen München mbH (SGM). Darin fordert das Unternehmen die Mitarbeiter im Kontrolldienst ganz offen zum Streikbruch auf und offeriert eine entsprechende Prämie. Beschäftigten, die die Arbeit nicht niederlegten, wurde eine doppelte Gutschrift ihrer während des Ausstands geleisteten Stunden angeboten. Als kleines Zuckerl gab es auch noch 20 Euro auf die Tankkarte. Bei der SGM handelt es sich um eine hundertprozentige Tochter des Freistaates Bayern. Sie ist am Münchner Flughafen für die Personen- und Gepäckkontrollen zuständig.

Neben den Airports wurden gestern auch der öffentliche Personennahverkehr, städtische Kindertagesstätten, Stadtreinigungen, Hallenbäder und Krankenhäuser bestreikt. In Köln sowie in etlichen Städten im Ruhrgebiet traten Beschäftigte der kommunalen Verkehrsbetriebe in den Ausstand. Vielerorts, wie etwa in Berlin, München und Nürnberg, versammelten sich jeweils Tausende zu zentralen Kundgebungen. Nach Angaben von Verdi beteiligten sich insgesamt mehr als 60.000 Beschäftigte in acht Bundesländern am Warnstreik.

Der Vorsitzende der Gewerkschaft Verdi, Frank Bsirske, bekräftigte am Morgen am Frankfurter Flughafen die Lohnforderung der Gewerkschaften: »Wann, wenn nicht jetzt, kann es deutliche Sprünge nach oben für alle Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer geben, auch für die im öffentlichen Dienst? Und wir sind entschlossen, das durchzusetzen«, sagte er laut dpa unter Verweis auf die ökonomische Lage und die Haushaltsüberschüsse vieler Kommunen. Davon müssten endlich auch die Beschäftigten im öffentlichen Dienst profitieren, um den Unterschied zur Privatwirtschaft nicht noch größer werden zu lassen. Wenn die nächste Runde der Tarifverhandlungen am 15. und 16. April zu keinem vernünftigen Ergebnis führe, »dann werden wir mit Eskalationen noch ganz anderen Ausmaßes rechnen müssen«, so Bsirske.

Die im öffentlichen Dienst vertretenen Gewerkschaften Verdi, Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Deutscher Beamtenbund (DBB-Tarifunion), Gewerkschaft der Polizei (GdP) und die Industriegewerkschaft Bauen, Agrar, Umwelt (IG BAU) fordern für die rund 2,4 Millionen Tarifbeschäftigten bei Bund und Kommunen eine Gehaltssteigerung um sechs Prozent, mindestens aber 200 Euro mehr im Monat. Zudem sollen die Ausbildungsvergütungen erhöht und eine Übernahmeregelung für die Azubis erreicht werden. Am 15. und 16. April findet in Potsdam die nächste Runde der Tarifverhandlungen statt. Auch für Mittwoch und Donnerstag kündigten die Gewerkschaften bereits weitere Warnstreiks an.


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