Aus: Ausgabe vom 09.04.2018, Seite 1 / Ausland

Lula Livre!

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Lula verlässt am 7. April das Gewerkschaftshaus in São Bernardo do Campo und tritt den Weg ins Gefängnis an

»Lula Livre« (Freiheit für Lula) und »Eu sou Lula« (Ich bin Lula) – so lauten die Parolen, unter denen die linken und andere demokratische Kräfte in Brasilien – die Arbeiterpartei (PT), die Kommunisten, die sozialistische PSOL, die Gewerkschaften und die großen sozialen Bewegungen des Landes – den Kampf um die Freilassung des früheren Präsidenten aufgenommen haben. Seit Samstag abend sitzt Luiz Inácio Lula da Silva im Gefängnis in Curitiba, der Hauptstadt des Bundesstaates Paraná. Viele tausend seiner Anhänger hatten zuvor tagelang die Zentrale der Metallarbeitergewerkschaft in São Bernardo do Campo im Industriegürtel von São Paulo, wo Lula sich zuletzt aufhielt, umringt, um ihre Solidarität zu zeigen und einen Zugriff der Polizei unmöglich zu machen. Als er den Weg in die Haft antrat – eine erste Frist seines Richters am Freitag hatte er verstreichen lassen – musste ihm dieser durch eine Schar von Demonstranten erst gebahnt werden (Foto).

Der Politiker der Arbeiterpartei war in einem Prozess mit falschen Anklagen zu zwölf Jahren Haft verurteilt worden. Der Favorit für die Präsidentschaftswahlen wird von Teilen der Justiz im Zusammenspiel mit konservative Medien zum Verbrecher gestempelt. Mit seiner Freiheit soll ihm auch das Recht zur Kandidatur genommen werden. Damit wird der kalte Putsch von 2016 fortgesetzt, der Brasiliens Politik eine scharfe Wendung nach rechts nehmen ließ. (pst)


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