Aus: Ausgabe vom 05.04.2018, Seite 1 / Ausland

London wittert »Ablenkungsmanöver«

Großbritannien lehnt eine gemeinsame Untersuchung des Nervengiftanschlages mit Moskau ab

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Moskau bestätigte am Mittwoch noch einmal seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit: Soldaten in Schutzanzügen während der Ermittlungen zum Nervengiftanschlag (Gillingham, 14. März 2018)

Großbritannien lehnt den Vorschlag Russlands für eine gemeinsame Untersuchung des Nervengiftanschlags von Salisbury ab. Es handle sich um ein »Ablenkungsmanöver«, twitterte die britische Delegation bei der Krisensitzung der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) am Mittwoch in Den Haag. London beharrte auf der Einschätzung, dass Moskau für die Attacke verantwortlich sei, und bezeichnete den Vorschlag Russlands als »pervers«.

Die Ergebnisse der nach dem Anschlag genommenen Proben sollen in der kommenden Woche vorliegen, wie die OPCW am Mittwoch mitteilte. Die Experten des britischen Bio- und Chemiewaffenlabors in Porton Down kamen bislang zum Schluss, dass es sich bei dem verwendeten Nervengift um eine Substanz aus der in der Sowjetunion entwickelten Nowitschok-Gruppe handelt. Ob das Gift in Russland hergestellt wurde, konnte nicht ermittelt werden.

Moskau bestätigte am Mittwoch noch einmal seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Die Sprecherin des russischen Außenministeriums, Maria Sacharowa, bedauerte zudem, dass Russland bislang keine Antwort auf die Frage bekommen habe, ob in der Vergangenheit auch in Porton Down das Nervengift der Nowitschok-Gruppe hergestellt worden sei.

Die Bundesregierung wies russische Unschuldsbeteuerungen erneut zurück. »Es werden doch hier auch bewusst Nebelkerzen geschmissen, die einen Teil der Ergebnisse von gestern berücksichtigten«, dass nämlich keine eindeutige Bestimmung der Herkunft möglich sei, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amts. Über welche weiteren Erkenntnisse die Bundesregierung verfüge, um Russland die Verantwortung zuzuweisen, wollte der Sprecher nicht sagen. »Da ist eine Vertraulichkeit zu wahren, auch zum Schutze der Betroffenen«, sagte er.

Der russische Präsident Wladimir Putin sagte am Mittwoch in Ankara, er erwarte keine Entschuldigung aus London. »Wir wollen, dass der gesunde Menschenverstand am Ende triumphiert und die internationalen Beziehungen keinen Schaden nehmen.« (Reuters/TASS/dpa/jW)


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