Aus: Ausgabe vom 04.04.2018, Seite 15 / Antifa

Skulptur zum sechsten Todestag

»Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle« wird in Berlin-Neukölln aufgestellt

Mord_an_Burak_B.56835473.jpeg

Sechs Jahre nach dem ungeklärten Mord an Burak Bektas in Berlin-Neukölln wird am Sonntag eine Bronzeskulptur zum Gedenken an den türkischstämmigen Berliner aufgestellt. Die fast zwei Meter hohe Figur soll in Tatortnähe an der Rudower Straße stehen. Bezahlt wird die spiralförmige Skulptur von der »Initiative für die Aufklärung des Mordes an Burak Bektas«. Sie sammelte nach eigenen Angaben 40.000 Euro Spenden und will die Erinnerung an das Verbrechen wachhalten. Zugleich stellt sie die Frage, ob Rassismus das Mordmotiv war. Die Skulptur trägt den Titel »Algorithmus für Burak und ähnliche Fälle«. Ein Algorithmus ist ein Handlungs- oder Lösungsverfahren. Die inzwischen gestorbene Künstlerin Zeynep Delibalta schrieb über ihre Titelgebung: »Ein Algorithmus zum Lösen von Fällen wie dem Mord an Burak ist noch nicht gefunden. Es braucht dafür die Veränderung von Ermittlungsmethoden, ein öffentliches Bewusstsein und den politischen Willen.«

Ein Unbekannter hatte am Abend des 5. April 2012 in eine Gruppe junger Männer geschossen, zu der auch Burak Bektas gehörte. Er wurde tödlich getroffen, zwei seiner Begleiter wurden lebensgefährlich verletzt.

Angehörige, Anwälte und die Initiative kritisieren seitdem die Polizei. Sie werfen ihr vor, zu wenig in Richtung eines rassistischen Tatmotivs ermittelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft wies die Vorwürfe mehrfach zurück. Die Ausgangslage sei sehr schwierig, der Täter sei wort- und spurlos verschwunden, die Beschreibungen der Person schlecht, hieß es immer wieder. Den damals verletzten Begleitern von Burak Bektas wurde allerdings eine Gegenüberstellung mit dem rechten Waffenfreak Rolf Z. verweigert, der im Juli 2016 wegen eines Mordes nach ähnlichem Muster in Berlin verurteilt wurde. (dpa/jW)

Demonstration ab U-Bahn Britz-Süd zum Gedenkort für Burak Bektas: Sonntag, 8. April, 14 Uhr


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Mehr aus: Antifa
  • Für eine Undercover-Reportage in Buchform hat sich Tobias Ginsburg als Jude unter Reichsbürger und »Souveränisten« begeben
    Claudia Wangerin