Aus: Ausgabe vom 23.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Kinderfreund des Tages: Die Bundeswehr

Von Sebastian Carlens
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Die deutsche Bundeswehr ist bislang vollständig verkannt worden. Von allen eigentlich – Kritikern wie Freunden. Denn es handelt sich in Wahrheit um gar keine echte Armee. Also keine, die kämpft, schießt und tötet. Nein, die Bundeswehr ist vor allem dazu da, um die Jüngsten, die Allerkleinsten zu beglücken.

Im Rahmen von mehr als hundert Kooperationen mit Schulen und Kindergärten alleine in den letzten zwei Jahren zum Beispiel. »Die Aktivitäten reichen von der Mitbenutzung einer Schwimmhalle, Fußballtrainings und Vorlesetagen bis zu Lampionumzügen durch die Kaserne«, heißt es in einer Antwort der Regierung auf eine Anfrage der Linksfraktion.

Ja, wenn der Uffz. und der Schütze Arsch abwechselnd aus dem »Landser«-Heftchen vorlesen, dann bleibt kein Auge trocken. Falls den Rackern langweilig wird, dann ab in den Panzerwagen und eine Runde über den Kitaparkplatz gebrettert. Und wenn Klein Paulchen weint: Der nette Feldjäger hat immer Panzerschokolade dabei.

Warum die Bundeswehr das macht? Es gehe um »soziales Engagement« und »gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung«, so das Verteidigungsministerium. Die ganzen Uniformen, Splitterschutzwesten und Stahlhelme sind nur Tarnung – damit niemand das gute Herz dahinter sieht.

Es gibt noch eine zweite, eine ganz andere Bundeswehr. Die in Afghanistan und in Mali. In Kundus hat eine deutsche Patrouille zum Beispiel in ein Auto geballert, Frau und zwei Kinder: tot. Nachschauen, ob die Leute gefährlich waren, kann man auch hinterher. Nicht tot, aber sicher zu Tode erschreckt war der Junge, an dem die Bundeswehr in Kabul mit scharfen Waffen eine »Scheinhinrichtung« vornahm.

Aber beides hat selbstverständlich nichts miteinander zu tun. Eine zufällige Namensgleichheit unserer kinderlieben Bundeswehr mit dieser anderen, mordenden Armee.


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