Aus: Ausgabe vom 14.03.2018, Seite 8 / Ansichten

Gegenddarstellung: Christof Meueler

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Wenn man dem Chef des Sportressorts dieser Zeitung mit »Neymar gegen Ronaldo« kommt, fragt er: Sind wir hier beim Fußball oder bei Playstation? Als ehemaliger Verteidiger der TSG Messel (F2-Jugend) hält er zum SV Darmstadt 98, der nach der Auflösung der Profiabteilung ohne Grund direkt in die Bundesliga gespült wurde und nun auf dem Rückweg nach unten ist. Seit 2001 in Doppelfunktion Chef des Feuilletons, nimmt Christof Meueler es an guten Tagen mit der gesamten Kulturindustrie auf. An schlechten auch, z. B. exorzierte er neulich Leni Riefenstahls »Ästhetik, Theatralik, Hitleristik und Langweileristik – das ist der Krempel, über den die bundesdeutschen Feuilletons an geistig windstillen Tagen gerne brüten, wenn sie den Faschismus politisch kleinreden und ihn dabei groß in Form bringen«. Seine Texte erkennt man sofort: Dieser entspannte Sound, aber immer tight, immer on point. Das lernt man auf keiner Journalistenschule. Meueler hat es aus den Fanzines und der politischen Musikpresse der 80er, er ist der letzte große Poplinke.

Was leicht anmutet, ist harte Arbeit, und da ist Meueler bei allem Anschein von Gemütlichkeit Normbrecher par excellence. Eine jW-Woche hat bei ihm an die 50 Stunden, nachts schreibt er Bücher. Dem GdL-Streikführer Manfred Schell ging er bei der Autobiographie zur Hand. Mit Bommi Baumann plauderte er über die Schönheit der unbeugsamen »Tribal areas« zwischen Afghanistan und Pakistan. Zuletzt machte er Bücher über die Indie-Legende Alfred Hilsberg und das Münchner Trikont-Label. Alles Material für eine radikale Linke mit Massenanschluss.

Meueler hat es sich zur Angewohnheit gemacht, Zumutungen wegzulachen. Manchmal redet er so schnell und undeutlich, dass nur die ihn verstehen, die das wirklich wollen. Heute wird er 50. Seit Juni ’97 ist er bei dieser Zeitung. Auch wenn sonst wenig danach aussieht: Mit Leuten wie ihm können wir nur gewinnen.

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