Aus: Ausgabe vom 14.03.2018, Seite 5 / Inland

Verleger bieten Reallohnverlust

Keine Bewegung im Tarifstreit bei Tageszeitungen. Weitere Warnstreiks angekündigt

Von Ralf Wurzbacher
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Eine Auswahl der in der BRD erhältlichen Tageszeitungen. Noch sträuben sich die Verleger gegen Verbesserungen im Tarifvertrag

Im Streit um einen neuen Tarifvertrag für die rund 13.000 Redakteure und freien Journalisten bei Deutschlands Tageszeitungen bleiben die Fronten verhärtet. Am Montag war auch die dritte Gesprächsrunde zwischen Gewerkschaften und Unternehmerlager ohne Annäherung zu Ende gegangen. Das minimal verbesserte Angebot des Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) bezeichnete Kajo Döhring, Verhandlungsführer des Deutschen Journalistenverbands (DJV), anschließend als »schlechten Witz«. Die Offerte bedeute eine jährliche Gehaltssteigerung um 1,04 Prozent. Für die Zeit bis zum nächsten Treffen am 9. April kündigte der DJV-Hauptgeschäftsführer weitere Warnstreiks an.

Der BDZV hatte bei der Sitzung in Stuttgart einen Lohnaufschlag um insgesamt 2,6 Prozent in zwei Schritten bei einer Laufzeit von 30 Monaten sowie eine Erhöhung der Einstiegsvergütungen für Jungredakteure – nicht aber für Volontäre – von 120 Euro angeboten. Zusätzlich soll der geltende Manteltarifvertrag, in dem unter anderem Urlaubsgeld und Jahresleistung geregelt sind, bis Ende 2019 verlängert werden. Außerdem pochen die Verleger unverändert darauf, Stufensprünge bei der Vergütung von konkreten Aufgabenzuweisungen mit entsprechender Qualifikation abhängig zu machen.

In letzterem sieht die Gegenseite einen »Sanktionsmechanismus«, der unterstelle, dass sich die Beschäftigten nicht weiterbilden wollten. Tatsächlich bestehe dahingehend ein »dringender Bedarf«, äußerte sich nach dem Scheitern der Gespräche Matthias von Fintel, der für die Deutsche Journalistenunion (dju) in der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi verhandelt. Notwendig sei ein gesonderter Weiterbildungstarifvertrag, wie er auch in anderen Branchen üblich und zeitgemäß sei, der aber nicht an Fragen nach der Bezahlung gekoppelt sein dürfe.

BDZV-Verhandlungsführer Georg Wallraf erklärte am Montag, die Beschäftigtenvertreter hätten »bedauerlicherweise keine Kompromissbereitschaft erkennen lassen«. Man erwarte, dass sich die Gewerkschaften »konstruktiv mit unserem Angebot auseinandersetzen, um bei der kommenden Verhandlungsrunde zielorientiert gemeinsam an einer Einigung arbeiten zu können«. Gegenüber der zweiten Verhandlungsrunde hatte der BDVZ sein Angebot beim Entgelt um lediglich 0,2 Prozent erhöht, was aus Sicht von Fintels »vollkommen ungenügend« sei und auf einen »Reallohnverlust« hinauslaufe. Damit würden die Kollegen von der »allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt werden«, beklagte auch DJV-Vertreter Döhring. DJV und dju fordern dagegen ein Plus bei Gehältern und Honoraren um 4,5 Prozent, mindestens aber um 200 Euro, und dies bei einer einjährigen Laufzeit des zum Jahresausgang 2017 gekündigten Gehaltstarifvertrags.

Hintergrund des Konflikts sind die tiefgreifenden Veränderungen auf dem Zeitungsmarkt, die vor allem mit dem Siegeszug der digitalen Medien zusammenhängen. Die Auflagenzahlen bei den Printmedien sind seit Jahren rückläufig, ebenso die Einnahmen aus dem Anzeigengeschäft. Die Unternehmer fangen dies insbesondere mit höheren Preisen für die Leser, Stellenabbau sowie Einschnitten bei den Personalkosten auf. Laut DJV sind in jüngerer Zeit »immer mehr Verlage dazu übergegangen, die Tarifbindung zu umgehen«. Zu den genutzten Fluchtwegen gehörten das »Outsourcen von Redakteuren in eigenständige, nicht tarifgebundene Gesellschaften, der Einsatz von Leiharbeitnehmern in den Redaktionen sowie die sogenannte OT-Mitgliedschaft im Verlegerverband« – das heißt »ohne Tarifbindung«.


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