Aus: Ausgabe vom 03.03.2018, Seite 11 / Feuilleton

Der Meisterlehrer

Dem Dichter und Zeichner Fritz Weigle alias F. W. Bernstein zum 80. Geburtstag am 4. März 2018

Von Wiglaf Droste
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Wenn Engel, dann solche: Fritz Weigle alias F. W. Bernstein

Wer schreibt so etwas:

»Kafka liebt die Sprache und

hat dazu auch allen Grund«?

Oder:

»Wichtig ist das Kleinformat

Weil's uns was zu sagen hat«?

Und wozu schreibt er das? Um die öd-und-blöde Frage nach dem Zweck, der laut General Auffassung die Mittel heiligt, außer Kraft zu setzen?

Ich weiß nicht wie, wodurch und warum

Der Mann, der das tut, ist ein Uni-Vers-haut-mich-um.

Ich sage es, so gut ich es kann:

Fritz Weigle Bernstein heißt dieser Mann.

An der Uni war er tatsächlich, und er ist ein geborener Meisterlehrer. Jedes Lob von ihm kitzelt das Möglichste aus seinen Schülerinnen und Schülern heraus, ob sie nun dichtend oder zeichnend sich mühen. Von Göppigen aus, wo er im Jahr 1938 zu einer besonders rüde sich präsentierenden Zeit zur Welt kam, zieht es ihn – Zufall oder doch die Liebe zum Spiel mit der Sprache? – nach Göttingen. Dort lehrte und ehrte und lernte und besternte die Welt, immerzu. Keinen geduldigeren Sich-selbst-und damit-dir-etwas-Beibringer kenne ich; ein Lob von Fritz Weigle ist »weitermachen!« auf unsoldatisch. Nur so geht das, und dann macht man es, weil man sich Größe fügt, so man’s vermag.

Öffentliche Meriten für Fritz Weigle gibt es viele. Er hat, weit über Ehrungen hinaus, mit seinen nicht mehr sterblichen Freunden Robert Gernhardt und F. K. Waechter die Welt zu einem Ort gemacht, dem es sich – »trotz alledem und alledem« – neu und neugierig zu nähern lohnt. Um dann mit Zeilen wie diesen all und alles zu runden:

»Der Untergang des Abendlandes:

Grad war’s noch da, und dann verschwand es.«

Das ist Bernstein, an weniger kommen wir nicht vorbei. Eins seiner Bücher, die ich am liebsten habe, heißt »Wenn Engel, dann solche«. Fritz Weigle hat, wie es seiner zurückhaltenden Art entspricht, nicht erwähnt, dass er solch ein Engel ist.


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