Aus: Ausgabe vom 15.02.2018, Seite 15 / Medien

Vergiftete Liebe

US-Milliardär Peter Thiel will jenes Portal kaufen, das ihn einst outete

Von Dieter Schubert
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Erklärt auch gern die Welt: Milliardär Peter Thiel vor Schülern in Paris 2016

Medienbesitzer zu sein ist heute nicht mehr so attraktiv wie noch vor Jahren. Kein Wunder. Auflagen sinken, im Netz greifen Facebook, Google und Konsorten die Werbeeinnahmen ab. Das lässt es immer schwerer werden, das tatsächliche Hauptgeschäft, Meinung machen, zu finanzieren. Allerdings trifft das nicht auf Milliardäre aus Kalifornien und New York zu, also die gefühlte Elite des Universums. Hier scheint es angesagt, dass die sich »ihre« Zeitung bzw. »ihren« Sender zulegen, wie Bauern ihre Hofhunde. Amazon-Lenker Jeffrey Bezos hat sich die Washington Post geleistet, jetzt zieht womöglich auch Peter Thiel nach.

Der in Frankfurt am Main geborene US-Amerikaner hat sich angeblich in das Internetnachrichten- und Klatschportal Gawker verliebt und möchte es besitzen, wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zu Wochenbeginn schrieb. Allerdings ist diese Liebe vergiftet.

Das von einem britischen Journalisten gegründete Blog hatte den Oligarchen gegen seinen Willen als homosexuell geoutet. Thiel, ein Man mit dem richtigen Riecher und dem nötigen Kleingeld, war 2004 erster Großinvestor von Facebook. Mit einer halben Million Dollar eingestiegen, verkaufte er bis 2012 Facebook-Aktien für gut eine Milliarde Dollar. Gute Rendite. Das hat den Mitbegründer und langjährigen Chef des globalen Finanzdienstleisters Paypal wohl nicht vergessen lassen, an Gawker Vergeltung zu üben.

Als Jahre später der populäre Wrestler und Hollywood-Akteur Hulk Hogan den Internetdienst wegen der Veröffentlichung eines privaten Sexvideoclips verklagte, unterstützte Thiel den Ringkämpfer und übernahm laut Wikipedia zehn Millionen Dollar Anwaltskosten. Das Gericht verurteilte Gawker Media 2016 zu 140 Millionen Dollar Schadensersatz – das Portal musste dicht machen.

Wenn Thiel jetzt die Reste davon kauft, dürfte er wieder ein Schnäppchen machen. Allerdings ist bisher nicht bekannt, was der IT-Milliardär tatsächlich mit dem Portal anzufangen gedenkt – möglich wäre ja auch eine »Lösung« à la Senator Cato dem Älteren aus Rom vs. Karthago.

Wahrscheinlicher ist, dass der Tycoon den Laden aufbrezelt, um ein persönliches Sprachrohr zu haben. Politisch zeigt sich der Mann ambitioniert und widersprüchlich. So unterstütze er einst den populären Republikaner Senator Ron Paul bei dessen Präsidentschaftskandidatur 2012. Vier Jahre später war er Fan von Donald Trump. Bei solchen Hobbys lässt sich ein einflussreiches Internetportal gut »einbringen«. Falls sich der Umgang mit Bloggern und Journalisten für Thiel als zu mühsam erweisen sollte, kann er den Laden ja wieder gewinnbringend verkaufen.


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