Aus: Ausgabe vom 15.02.2018, Seite 15 / Medien

Harte Nuss

Eine publizistische Erfolgsgeschichte: 20 Jahre Monatszeitschrift Rotfuchs

Von Arnold Schölzel
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Protest gegen NPD in Berlin: Antifaschismus hat viele Gesichter. Rotfuchs bietet den sozialökonomischen Kontext

Vor 20 Jahren, im Februar 1998, erschien die erste Ausgabe der Zeitschrift Rotfuchs. Mit einer Auflage von heute fast 11.000 Exemplaren ist sie das am weitesten verbreitete deutschsprachige marxistisch-leninistische Monatsperiodikum. Das bedingt, dass sie vom Mainstream, aber auch von vielen sich links oder »alternativ« gebenden Medien ignoriert oder mit Geringschätzung bedacht wird, als etwas, das sich aus biologischen Gründen von selbst erledigt oder Zirkular von im Gestern steckengebliebenen Zeitgenossen, »Ewiggestriger«, ist. Daran ist soviel wahr: Diese Zeitschrift ist eine harte Nuss. Sie hat es sich von der ersten Ausgabe an auf ihre Fahnen geschrieben, unbestechlich den Kampf gegen imperialistischen Krieg und Ausbeuterei zu führen, über den Sozialismus und die Konterrevolution, die ihn in Europa zurückwarf, aufzuklären. Grundlage ihrer Weltsicht war von Anfang an: Solange die DDR und die Sowjetunion existierten, waren dem Imperialismus Schranken gesetzt. Die sozialistischen Länder Europas wurden, begünstigt durch eigene Fehler und eigenes Versagen, mit Hilfe einer Konterrevolution von innen und von außen zerstört, damit imperialistischer Krieg und hemmungsloser Klassenkampf von oben wieder möglich wurden. Das ist einer der Gründe, warum der Rotfuchs die These vertritt, dass die DDR trotz ihrer Defizite die größte Errungenschaft der deutschen Arbeiterbewegung war, weil sie für vier Jahrzehnte dem deutschen Kapital die politische Macht und das Eigentum an Produktionsmitteln entzog. Diese Auffassung stieß seinerzeit weder in der damaligen PDS noch in Teilen der DKP auf viel Gegenliebe, im Gegenteil. Das hat sich bei nicht wenigen mittlerweile geändert.

Nicht sehr viele waren 1998 bereit, öffentlich für die politischen Gefangenen, die damals wegen ihrer Tätigkeit für die DDR inhaftiert bzw. gerade entlassen waren, einzutreten. Der Rotfuchs machte das zu einem seiner Hauptanliegen und rief z. B. in seinem ersten Heft zur Solidarität mit den Generälen Klaus-Dieter Baumgarten (1931–2008, Chef der Grenztruppen der DDR), Heinz Keßler (1920–2017, Minister für Nationale Verteidigung der DDR), Karl Leonhardt (1929–2007), mit dem Oberst des Ministeriums für Staatssicherheit Erich Gaida (1928–2015), mit General Gerhard Lorenz (1930–2015), mit den Kundschaftern Karl Gebauer (1931–2002), Rainer Rupp (geb. 1945), Klaus Kuron (geb. 1936) und Ulrich Steinmann (geb. 1944) sowie den Generälen Dieter Teichmann (geb. 1930) und Heinz-Ottomar Thieme (geb. 1926) auf.

Internationalistischer Kampf gegen den Imperialismus und konkrete Solidarität bestimmen das Profil des Rotfuchs auch heute. Programmatisch war der Text, den der Journalist und frühere Staatsanwalt Klaus Steiniger, der die Zeitschrift gründete und bis zu seinem Tod im April 2016 leitete, auf Seite eins der ersten Ausgabe veröffentlichte: »Die Lunte ist längst angezündet, die zu einem Weltbrand führen kann. (…) Imperialistische Politiker und Militärs sprechen vom geplanten Massaker in Irak, als handle es sich um ein Golfspiel oder einen Immobilienhandel. In Washington zündeln Artgenossen der in Nürnberg gerichteten Aggressionsvorbereiter und treffen letzte Vorbereitungen für das zweite Inferno am Golf.«

Die Zeitschrift wird von ihren Lesern und Unterstützern getragen. Der Bezug des Rotfuchs ist kostenlos, die Arbeit in Redaktion und Versand wird ehrenamtlich geleistet. Druck und Vertrieb sind durch Spenden finanziert. Die Redakteure Bruni Steiniger und Wolfgang Metzger, der nach dem Tod Klaus Steinigers die Leitung der Zeitschrift übernahm, sind seit 1998 dabei. Der Autor dieses Textes kam 2016 hinzu.

Alle Ausgaben des Rotfuchs seit 1998 können auf der gemeinsamen Internetseite der Zeitschrift und des Vereins nachgelesen werden, längst ist so ein Archiv marxistisch-leninistischer Publizistik entstanden, zu dem Historiker, Ökonomen, Schrifstellerinnen wie Gisela Steineckert oder Christa Kozik, Autoren wie Theodor Weißenborn oder Lutz Jahoda und viele andere regelmäßig Beiträge liefern.

Vor 20 Jahren startete der Rotfuchs als Kleinzeitung der DKP-Gruppe Berlin-Nordost. Der von Parteien unabhängige, im Sommer 2001 gegründete Rotfuchs-Förderverein übernahm später die Herausgeberschaft. Seit Oktober 2001 erscheint die Zeitschrift mit dem Untertitel »Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland«. Auch der Förderverein wuchs rasch, ihm schlossen sich namhafte Autoren, Künstler und Wissenschaftler an wie Peter Hacks, Dieter Noll, Armin Stolper, Gerhard Bengsch, Rudi Kurz, Manfred Wekwerth, der Philosoph Manfred Buhr oder der Antifaschist Fritz Teppich. Der Verein stützt sich heute auf zahlreiche Regionalgruppen und erreicht mit seinen Vortragsveranstaltungen zu politischen und theoretischen Themen in vielen ostdeutschen Städten weit mehr als seine fast 1.500 Mitglieder. In nicht wenigen Orten ist er das einzige Forum, das Veranstaltungen dieser Art anbietet und Parteilose, Mitglieder von DKP, der Partei Die Linke, der KPD und anderen Organisationen zusammenführt.

Kurz vor seinem Tod konstatierte Klaus Steiniger, dass aus der Konterrevolution von 1990 eine »Flut der große Teile Europas überschwemmenden Faschisierung« geworden war. Er meinte, für ein »Wehret den Anfängen!« sei es schon zu spät, zu übernehmen sei der Schlachtruf aus dem Abwehrkampf gegen Franco, Hitler und Mussolini im Spanischen Krieg: »Keinen Fußbreit den Faschisten!«. Dieser Maxime folgt der Rotfuchs.

www.rotfuchs.net


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