Aus: Ausgabe vom 15.02.2018, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Verdammte Krimis

»Drei nach neun« | 1987, Youtube

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Ernest Mandel, ein Jugendbildnis aus dem Jahre 1970, als die Revolution noch in Ordnung war

Krimis, Krimis... gibt es nichts anderes mehr? Die Schauspielerin Katrin Sass, die gerade die achte Folge des »Usedom-Krimis« dreht, beklagt gegenüber dpa eine Inflation von Krimis im deutschen Fernsehen: »Ich finde, es reicht«. Es gebe keinen freien Krimitag mehr. Sie wisse nicht genau, ob die Leute das wirklich noch sehen wollen, einen Krimi nach dem anderen. Der »Usdeom-Krimi« sei jedoch etwas Besonderes. Jaja, natürlich, eh’ klar.

Was sollen Krimis überhaupt im Spätkapitalismus? Der Trotzkist und Wirtschaftswissenschaftler Ernest Mandel hat dazu 1987 »Ein schöner Mord«, eine »Sozialgeschichte des Kriminalromans« verfasst. Kann man sich in Kurzfassung auf Youtube anschauen, da ist Mandel Gast in der Talkshow »Drei nach neun« und erklärt dem Moderator Dagobert Lindlau, wie das Verbrechen der Wirtschaft ähnelt, ja mit ihr verschmelze, zum Beispiel bei Offshore-Banken. Und doch ziehe er »Mozart und Bach« Krimis als »Entspannungsmittel« vor. (cm)

https://kurzlink.de/3nach9


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