Aus: Ausgabe vom 15.02.2018, Seite 8 / Ansichten

Weinpanscher des Tages: Silvio Berlusconi

Von André Scheer
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Geschmiert, geliftet und immer noch ekelhaft: Silvio Berlusconi am Dienstag in Rom

Es ist ein Spruch, nach dem man dem Alkohol abschwören könnte: Italiens früherer Ministerpräsident Silvio Berlusconi verkündete am Mittwoch über Twitter, er sei »wie guter Wein, mit dem Alter werde ich besser und jetzt bin ich perfekt«. Das weckt Erinnerungen daran, wie einem gelegentlich von billigem Fusel übel wurde, oder an den heftigen Kater nach einer durchzechten Nacht.

Wenn die Vorstellungskraft nicht ausreicht, um sich direkt über die Porzellanschüssel zu beugen, hilft das gruselige Porträtfoto weiter, das Berlusconi zu diesem Posting verbreitete. Es zeigt seine von unzähligen Schönheitsoperationen entstellte Visage während seines Auftritts am Mittwoch beim Kongress der Agrarvereinigung Coldiretti. Falten, die den 81jährigen menschlich erscheinen lassen würden, gibt es in diesem Gesicht nicht.

Kein Wunder also, dass manche Italiener von seinem Vergleich inspiriert werden. Einer antwortete Berlusconi ebenfalls auf Twitter, dieser Wein rieche verdammt nach Essig, ein anderer teilte mit, Berlusconi habe ihn überzeugt: »Ich werde fünf oder sechs Dreiliterflaschen auf nüchternen Magen trinken, um zu vergessen.« Ein dritter vermutete, das Foto Berlusconis sei im Wachsfigurenkabinett aufgenommen worden.

In einem Museum oder in der Geisterbahn wäre dieser Herr tatsächlich besser aufgehoben. Der Medienmogul und Multimillionär verstieg sich in seiner Ansprache bei dem Kongress am Mittwoch dazu, den versammelten Landwirten zu versichern, er sei einer von ihnen, »weil ich während des Krieges auch in der Landwirtschaft gearbeitet habe«.

Wir wissen nicht, wie Berlusconis Terminkalender morgen aussieht. Vielleicht besucht er die Mafia und verkündet dort, dass er zu ihr gehöre, weil er sich ja 1978 der kriminellen Geheimorganisation »Propaganda Due« (P2) angeschlossen habe. Aber dort wäre er vermutlich nicht als Gast eingeladen.


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