Aus: Ausgabe vom 12.02.2018, Seite 10 / Feuilleton

Was erlaube Schuuulz?

Männchen machen mit ohne Jopp

Von Wiglaf Droste
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Na, wo is’ se denn? Ortsvereinsjesus sucht menschliche Größe

Mittags am 9. Februar 2018 schrieb ich nach aktueller Nachrichtenlage einen Kommentar zum nicht einmal mehr erbarmungswürdigen Zustand der SPD. Er war wörtlich folgenden Inhalts:

Die Kriterien meiner Großmutter väterlicherseits für das Kreuzchenmachen an Wahltagen waren einfach und klar: »Der sieht ja verheerend aus« (Strauß, Kohl), und »das ist ein ganz feiner Mann« (Willy Brandt). Was sollte man sagen? Sie lag instinktiv richtig, und über ihre Kommentare zum sozialdemokratischen Karnevalsdreigestirn Gabriel, Scholz und Schulz würde ich mich im Februar 2018 doch sehr freuen.

Was für Quallen, was für Qualen! Sigmar Gabriel wurde von Martin Schulz ausgetrickst, der Gabriel erst die Parteiführung und die Vizekanzlerschaft und dann auch noch den Posten als Außenminister abluchste, und so zog sich Gabriel schmollend in sein Haus in Goslar zurück, wo er ein paar Tage vor sich hin leberwurstete.

Olaf Scholz gibt gern den Hanseaten, obwohl ihn die richtigen Hanseaten nicht mal in den Vorgarten gelassen hätten, aber für einen Sozialdemokraten ist ein Platz am Katzentisch des alten Geldadels ja schon ein so großer Erfolg, dass man dafür Partei und Basis verraten und alle von oben bis unten vollfantern darf. Wenn Scholz sagt, er bleibe Bürgermeister in Hamburg, dann wird eine schöne Wohnung für ihn in Berlin schon entmietet. Da darf er dann mit noch mehr Geld noch mehr anderer Leute herumspielen beziehungsweise es aus ihnen herauspressen. Nur die Hamburger dürfen aufatmen; ein Kämmerer mit Igeln in den Taschen und der Bereitschaft, jeder polizeilichen Gewaltorgie zu huldigen, verlässt die Stadt, immerhin.

Den Posten des abgefeimtesten, hinterhältigsten und verlogensten von allen drei SPD-Eitelpickeln darf Martin Schulz für sich beanspruchen, dessen bevorzugte Mittel die Lüge und die In­trige sind. Was sollte er auch sonst zum Einsatz bringen? Außer Würselen und Sozialdemokratie nichts gelernt, aus Brüssel erfolgreich vergrault, niemand, der sich seiner Gesichtsflusen erbarmt, beim Blick in den Spiegel nichts als Entsetzen und Erbrechen, muss Schulz auf dem Pfad der Falschheit wandeln; ob seine Partei sich damit der Fünf-Prozent-Marke nähert, ist ihm vollkommen egal. Das ist die SPD im Februar 2018: Die Leichen, die sie produzieren, müssen sie auch noch schänden.

»Die brauchen alle einen Jopp«, sagte meine Großmutter auch gerne; sie sprach das englische Wort »Job« nicht »Dschobb« aus, sondern mit »J« wie in Jochen und das »b« wie ein Doppel-»p«, eben »Jopp«, wie Wischmopp.

Den Text schickte ich um 14 Uhr 43 an die Redaktion; zu diesem Zeitpunkt war er, was die Frage des Außenministerpostens anging, schon nicht mehr aktuell. Martin Schulz hatte erklärt, zum Wohle der Partei auf das Amt verzichtet zu haben, und an rhetorischem Grabgebinde war kein Mangel. Dass man ihn aber durch die Mangel gedreht hatte, ist offenkundig; »tiefen« und »großen«, ja »größten Respekt« bekundeten entsprechend seine Absäger und Abmeierer, sogar »geopfert« habe sich Schulz und »beachtliche menschliche Größe« gezeigt; drei Worte, drei Lügen, das ist das Prinzip SPD. Demnächst wird Schulz noch zum Ortsvereinsjesus gesalbt.

Martin Schulz ist nicht nur all das, was ich ihm in gedrängter Form bescheinigen musste, er ist auch ein Nachrichtensicherheitsrisiko. Er verkauft das Fell des Bären, bevor er ihn erlegt hat; Realitätsverlust wäre noch geprahlt. Wenn er sagt, er werde Außenminister, wird er es nicht; wenn er nicht Außenminister zu werden gedenkt, wird er es dann erst recht? Was ist das für ein Mann, der seinen Pferden gleichzeitig »Hü!« und »Hott!« zuruft, die Sporen gibt und die Zügel anzieht? Seine »Parteifreunde« genannten und geübten Hinterrücksler haben sich des Problems Martin Schulz entledigt; wenigstens bringen sie nur noch ihresgleichen um und legen nicht Hand an Leuchtfeuer wie Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht und Tausende andere.

Jedenfalls ist das der Stand der Dinge am 10. Februar 2018, vormittags um 10.21 Uhr Ortszeit.


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