Aus: Ausgabe vom 10.02.2018, Seite 5 / Inland

Hinterhältige Bosse

Ledvance-Chefs treten aus Unternehmerverband aus, um Tariferhöhung nicht mittragen zu müssen

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IG-Metaller vor dem Werk in Augsburg (16. November)

Mehr Geld? Nicht mit uns, dachten sich die Konzernchefs. Nach dem Pilottarifabschluss in der Metall- und Elektroindustrie ist der angeschlagene Leuchtmittelhersteller Ledvance nach Gewerkschaftsangaben aus dem Unternehmerverband ausgetreten. Die Konzernspitze habe den Austritt am Mittwoch erklärt, am Freitag sollten die Beschäftigten an den verschiedenen Stadtorten informiert werden, sagte die Unternehmensbeauftragte der IG Metall, Angela Steinecker. Von Ledvance selbst war keine Bestätigung für den Schritt zu erhalten. Zunächst hatten mehrere Medien über den Austritt des Konzerns aus dem Unternehmerverband berichtet.

Erst am Donnerstag hatten die bayerischen Tarifparteien den zuvor in Baden-Württemberg ausgehandelten Pilotabschluss übernommen. Damit erhalten die tarifgebundenen Metallarbeiter im Freistaat ab April 4,3 Prozent mehr Geld und nächstes Jahr Zusatzzahlungen. Für die Ledvance-Beschäftigten wirkt nun zunächst einmal der alte Tarifvertrag weiter. »Es ist kein gutes Zeichen für die Mitarbeiter, es ist ein Schlag ins Gesicht«, meinte Steinecker zu dem Schritt der Firmenzentrale in Garching bei München. Die Gewerkschaft hoffe nun auf ein Umdenken und eine Rückkehr des Unternehmens in den Verband.

Ledvance hatte angekündigt, den größten deutschen Standort in Augsburg sowie das Werk in Berlin schließen zu wollen. In weiteren Fabriken ist ein Personalabbau geplant. Insgesamt würden damit rund 1.400 von etwa 2.300 Mitarbeitern in Deutschland ihren Job verlieren. Der Lampenhersteller hat insbesondere damit zu kämpfen, dass das Unternehmen noch viel herkömmliche Produkte wie Leuchtstoffröhren anbietet und am Markt fast nur noch moderne Leuchtdioden (LED) gefragt sind.

Im November hatte Ledvance angekündigt, mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze in Deutschland streichen zu wollen. Augsburg ist mit 700 Beschäftigten der größte betroffene Standort. Das Werk in Eichstätt soll demnach zwar erhalten bleiben. Bis 2021 sollen dort aber 250 Arbeitsplätze der rund 500 Arbeitsplätze wegfallen.

Der Konzern wurde im Juli 2016 von einem chinesischen Konsortium für 400 Millionen Euro aufgekauft, an dem der Leuchtenhersteller MLS sowie die Finanzinvestoren Yiwu und IDG beteiligt sind. Weltweit hat das Unternehmen etwa 9.000 Mitarbeiter an 17 Standorten. (dpa/jW)


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