Aus: Ausgabe vom 09.02.2018, Seite 1 / Inland

NATO-Hauptquartier in BRD geplant

Truppen und Material sollen schneller in Richtung Russland bewegt werden können

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NATO-Übung in Orzysz, Polen (Juni 2017)

Im Zuge der Aufrüstung der NATO gegen Russland soll die Bundeswehr ein neues Kommandozentrum für schnelle Truppen- und Materialtransporte aufbauen. Nach dpa-Informationen haben sich die Bündnisstaaten grundsätzlich darauf verständigt, ein entsprechendes Angebot von Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) anzunehmen. Andere Kandidaten für das Planungs- und Führungszentrum gibt es demnach nicht. Die offizielle Entscheidung soll bei einem NATO-Verteidigungsministertreffen in der kommenden Woche verkündet werden. Ein zweites neues Hauptquartier wird den aktuellen Planungen zufolge in den USA aufgebaut.

Um Moskau zu provozieren, wurden zuletzt bereits mehrere tausend NATO-Soldaten im Baltikum und in Polen stationiert, die im Ernstfall von einer schnellen Eingreiftruppe Verstärkung bekommen sollten. Standort für das neue Planungs- und Führungszentrum in Deutschland könnte nach dpa-Informationen die Region Köln-Bonn werden. Dort haben schon heute die Streitkräftebasis und das Streitkräfteamt der Bundeswehr ihren Sitz. Besonderheit des neuen Hauptquartiers in Deutschland soll sein, dass es nicht in die bestehende NATO-Kommandostruktur integriert wird. Dies könnte es ermöglichen, das Personal und die Fähigkeiten auch für nationale Übungen und Einsätze außerhalb des Bündnisses zu nutzen. Offenbar werden mehrere hundert neue Dienstposten geschaffen werden.

Das Bundesverteidigungsministerium wollte sich am Donnerstag lediglich allgemein zu den laufenden Planungen äußern. »Deutschland ist mit Blick auf seine Kompetenzen, seine Anerkennung im Bündnis sowie seine zentrale geografische Lage eine der Nationen, die für die Aufstellung und den Betrieb dieses Kommandos grundsätzlich in Frage kommen«, sagte ein Sprecher. Die Linke forderte die Bundesregierung auf, das Vorhaben nicht umzusetzen. Statt Entspannungspolitik mit Russland zu betreiben, setze sich Deutschland an die Spitze der Säbelrassler und Scharfmacher, kritisierte der Bundestagsabgeordnete Alexander Neu. Das geplante neue Hauptquartier sei »das absolut falsche Signal«. (dpa/jW)


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