Aus: Ausgabe vom 09.02.2018, Seite 1 / Titel

US-Bomben auf Syrien

Schwerster Angriff der USA auf syrische Truppen seit fast einem Jahr. Zum Hintergrund bleiben die Offiziellen vage

Von Knut Mellenthin
US_amerikanischer_Ka_20436052.jpg
»Akt der Selbstverteidigung«: USA verstärken ihre militärischen Aktivitäten gegen Syrien

Die USA und Israel verstärken ihre militärischen Aktivitäten gegen Syrien. Kampfflugzeuge beider Länder griffen am Mittwoch Streitkräfte der syrischen Regierung oder mit diesen verbündete Truppen an. Während die israelische Regierung wie üblich jeden Kommentar verweigerte, gab die offiziell für die Terrorismusbekämpfung im Nahen Osten zuständige US-Kommandostelle »Combined Joint Task Force – Operation Inherent Resolve« (CJTF-OIR) eine magere Presseerklärung ab.

Nicht näher bezeichnete »syrische Pro-Regime-Kräfte« hätten am Mittwoch einen »nicht provozierten Angriff« gegen das Hauptquartier der mit den USA verbündeten und von ihnen unterstützten »Syrischen Demokratischen Kräfte« (SDK) in Nordostsyrien unternommen. In dem acht Kilometer östlich des Flusses Eu­phrat gelegenen Gebiet hätten sich auch »Angehörige der Koalition«, vermutlich US-Soldaten, aufgehalten. Die »Koalition« habe »in einem Akt der Selbstverteidigung« nicht näher bezeichnete »Schläge gegen die angreifenden Kräfte« durchgeführt, »um die Aggression abzuwehren«.

US-amerikanische Militärsprecher, die auf Anonymität bestanden, teilten den Medien darüber hinaus mit, dass es sich um Luftschläge gegen bis zu 500 »Angreifer« gehandelt habe. Ungefähr 100 von ihnen seien getötet worden. US-Soldaten seien nicht zu Schaden gekommen, ein Mitglied der SDK sei verletzt worden. Wer die »Angreifer« waren, wollten auch diese Militärsprecher nicht genau sagen. Nach ihren Aussagen habe man schon in der vorigen Woche einen »langsamen Aufbau« von »Pro-Regierungs-Kräften« in der Gegend bemerkt und die russische Seite warnend darauf hingewiesen. In der gesamten Zeit vor, während und nach den Luftangriffen am Mittwoch habe Kontakt zu den in Syrien stationierten russischen Kräften bestanden.

Es muss sich, wenn diese Angaben stimmen, um den schwersten Angriff auf syrische Truppen seit April 2017 gehandelt haben. Damals hatte Donald Trump von US-Kriegsschiffen im Mittelmeer aus 59 Marschflugkörper gegen den Luftwaffenstützpunkt Al-Schaairat im Südwesten Syriens starten lassen. Der Überfall war mit einem angeblichen Giftgaseinsatz begründet worden, bei dem rund 100 Zivilpersonen getötet worden seien.

Zum israelischen Luftangriff liegt bisher nur die offizielle syrische Darstellung vor. Dieser zufolge hätten israelische Kampfflugzeuge in der Nacht zum Mittwoch vom libanesischen Luftraum aus mehrere Raketen auf eine nicht näher bezeichnete Militärstellung in einem ländlichen Gebiet in der Umgebung der Hauptstadt Damaskus gefeuert. Die syrische Luftabwehr habe »mehrere« Raketen zerstören können. Von eigenen Verlusten und Schäden war in dieser Pressemitteilung nicht die Rede.

Die US-Regierung hat in den letzten Tagen mehrfach behauptet, dass die syrischen Streitkräfte chemische Kampfstoffe gegen die bewaffnete Opposition und gegen die Zivilbevölkerung einsetzen würden. Die Pressesprecherin des State Department, Heather Nauert, warf der syrischen Regierung am Montag vor, in der nordwestlichen Provinz Idlib »unschuldige Zivilisten« mit Chlorgas angegriffen zu haben. Das sei bereits die sechste gemeldete Attacke innerhalb von 30 Tagen gewesen. Verteidigungsminister James Mattis hatte Syrien schon am vorigen Freitag mit militärischen »Reaktionen« der USA gedroht.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche: