Aus: Ausgabe vom 08.02.2018, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Kein Vergleich

Zu jW vom 13. Januar: »Das Recht auf Rechte«

(…) Wenn die These von der »Afrikanisierung« aller Arbeitenden stimmen würde, müssten diese, wenn sie streiken (…), von konzerneigenen »Todesschwadronen« verschleppt und erschossen werden (…). Sie wären ohne Schutzkleidung und sonstige Schutzvorkehrungen den Giften und Schadstoffen an ihren Arbeitsplätzen ausgesetzt (…). Es würden für einen Dollar pro Tag natürlich auch Kinder (…) eingesetzt. Und bei (…) Unfällen mit Todesfolge würden die Leichname einfach irgendwo verscharrt. Der eigene Grund und Boden der Landarbeitenden würde enteignet oder (…) über Jahrhunderte hin verseucht. Die Arbeiter würden in den Häusern der »Konzerne« wohnen, in den Supermärkten der »Konzerne« einkaufen (…), und wenn dann ein Mensch aufbegehrt oder sich »zuviel« Solidarität entwickelt, sorgen die »Herrschenden« für Konflikte (…), liefern Waffen für die Selbstzerstörung oder »bomben einfach alles weg«. Auch sollte nicht vergessen werden, dass natürlich alle Arbeitenden die Religion der »Herrschenden« annehmen müssten und solange gefoltert würden, bis sie es tun. (…)

Flora E. Bernhagen, Berlin

Skandalöse Bewertung

Zu jW vom 2. Februar: »Победа! Sieg!«

Noch im Sommer 2012 konnte das Stabsmusikkorps der Bundeswehr auf dem Roten Platz in Moskau aufspielen. Mehr ausgestreckte Hand von russischer Seite geht nicht. Und wie war die Antwort? Deutsche Regierungsmitglieder waren aktiv in den Kiewer Putsch 2014 verwickelt (…). Jetzt verhöhnt die Bundesregierung das russische Volk mit ihrer skandalösen Bewertung des rassenideologischen Vernichtungskriegs Hitlers gegen die Sowjetunion als »militärische Handlungen«. Mit einer Dreistigkeit, die gefährliche Soziopathen in der Politik verrät, wischt sie die systematischen Greuel der Wehrmacht beiseite und wirft die Demut und Dankbarkeit hinter sich, die wir den Russen für die Wende von Stalingrad schulden: Vor allem Russland erlöste die Welt vom Alptraum ihres tiefen Absturzes in rassistische Barbarei. In Verachtung auch des ebenso russischen Geschenks der deutschen Wiedervereinigung zersetzen Merkel und Co. unser Gewissen, das uns an unsere besondere Verantwortung für den Weltfrieden gemahnt. Durch glatte Geschichtsfälschung schwächen sie unseren Widerwillen gegen ihre Kriegsvorbereitungen: gegen die massivsten Militärbewegungen der NATO seit dem Kalten Krieg hin zur Westgrenze Russlands. (…) Vergessen sollen wir, dass Putin 2001 im Bundestag um Partnerschaft warb.

Uwe Brauner, per E-Mail

Wie eine Orange

Zu jW vom 20. Januar: »Von Kaisers Gnaden«

Die Zerstückelung Russlands war bereits 1914 Teil der deutschen Kriegsstrategie und wurde als »Orangentheorie« (Paul Rohrbach) bezeichnet. In einem Erlass des Reichskanzlers vom 11. August 1914 ist die Rede von der »Insurgierung nicht nur Polens, sondern auch der Ukraine« als »Kampfmittel gegen Russland«. (…) Auch Hitler und Adenauer verfolgten diese (Kriegs-)Strategie nach dem alten Prinzip »Divide et impera!« und heuerten dazu Nazikollaborateure wie Stepan Bandera an. Merkels völkerrechtswidrige Unterstützung für die ukrainischen Faschisten hat eine lange Tradition.

Michael Schmidt, per E-Mail

Vergessene Sorben

Zu jW vom 2. Februar: »Stalingrad: Neues Vergessen«

Der Sieg der Roten Armee in Stalingrad hat auch den Sorben, einer slawischen Nation, die heute noch in Brandenburg und Sachsen lebt, damals vielleicht 100.000 Menschen, das Leben gerettet. SS-Führer Himmler hatte am 15. Mai 1940 Hitler im Dokument »Behandlung der Fremdvölkischen im Osten« vorgeschlagen, die Sorben in das »Generalgouvernement« (damals Bezeichnung für Polen) zu deportieren, sie sollten »als führerloses Arbeitsvolk unter der strengen und gerechten Leitung des deutschen Volkes berufen sein, an dessen ewigen Kulturtaten und Bauwerken mitzuarbeiten«, und schließlich ausgerottet werden. Die Erfassung aller Sorben, die bereits auf Hochtouren lief, musste jedoch mit dem Sieg der Sowjetarmee von Stalingrad unterbrochen werden, und dank des Vormarsches und schließlich Sieges der Sowjetarmee blieben die Sorben am Leben. Im Geschichtsbuch z. B. in Brandenburg für die 9./10. Klasse und in der gesamten Politik von heute wird dieser angestrebte Massenmord (…) verschwiegen.

Gerhard Ulbrich, per E-Mail

Erschütterndes Unwissen

Zu jW vom 3./4. Februar: »Eine humanitäre Katastrophe«

(…) Ausgerechnet eine Veranstaltung der CIA-Vorfeldorganisation »Internationale Gesellschaft für Menschenrechte« (IGFM) wird von der jungen Welt als berichterstattungswürdig erachtet. Kein Wort über die Scharnierfunktion der IGFM zwischen Konservativen und Faschisten und die Propaganda gegen Kuba, Russland, Iran, Syrien oder China. (…) Bis heute arbeitet die IGFM nach dem Motto ihres ehemaligen Vorsitzenden Hellmuth Nitsche, »das Mittel Menschenrechte« als Kampfmittel einzusetzen. Schon in den 1980er Jahren stand sie treu zum Apartheidregime in Südafrika, ergriff Partei für die von der CIA finanzierten Contras im Kampf gegen die revolutionären Sandinisten in Nicaragua und hetzte gegen die SWAPO, die damals bewaffnet für die Befreiung Namibias kämpfte. (…) Kuratoriumsmitglieder der IGFM galten dem chilenischen Diktator Augusto Pinochet als »bewährte Freunde«. (…) Die antikommunistische Propagandalinie beginnt mit der Gründung der IGFM 1972 durch den russischen Emigranten Iwan Agrusow. Während des Zweiten Weltkrieges stand er auf seiten der Nazis und beteiligte sich an Kriegsverbrechen. Später arbeitete er als Agent des britischen SIS und der CIA. IGFM-Sprecher Martin Lessen­thin führt treu das ideologische Erbe weiter (…). Persönlich setzt er sich für Guillermo Fariñas ein, einen von den USA geförderten kubanischen »Verteidiger der Menschenrechte« und persönlichen Freund des Terroristen Luis Posada Carriles (…). Es ist erschütternd, dass die Autorin offenbar keine Ahnung hat, wen sie da hofiert (…).

Horst Schöppner, per E-Mail

Durch glatte Geschichtsfälschung schwächt die Bundesregierung den Widerwillen gegen die massivsten Militärbewegungen der NATO seit dem Kalten Krieg hin zur Westgrenze Russlands.