Aus: Ausgabe vom 05.02.2018, Seite 2 / Ausland

Schüsse im Wahlkampf

Rassistischer Anschlag in Italien. Lega-Anhänger feuert auf Migranten

Von Gerhard Feldbauer
Italy_Politics_56167192.jpg
Matteo Salvini sieht keinen Zusammenhang zwischen seiner rassistischen Hetze und der Tat eines Anhängers seiner Lega Nord

Mitten in der Kampagne zu den Parlamentswahlen am 4. März hat ein Anhänger der rassistischen Lega Nord – die sich im Wahlkampf nur Lega nennt – am Sonnabend in der mittelitalienischen Stadt Macerata aus seinem Auto heraus auf afrikanische Migranten geschossen und sechs Personen verletzt. Er passierte auch die Zentrale der Demokratischen Partei (PD) auf dem Corso Cairoli und gab mehrere Schüsse auf das Gebäude ab. Nach einer zweistündigen Verfolgungsjagd wurde der Täter, ein 28jähriger Italiener, von der Polizei gestellt. Er trug eine italienische Tricolore über der Schulter und erhob bei der Festnahme den rechten Arm zum faschistischen Gruß. »Ich habe getan, was ich tun musste, Italien den Italienern«, schrie er.

Der bereits wegen anderer rassistischer und nazistischer Gewaltverbrechen bekannte Täter hatte Medienberichten zufolge im vergangenen Jahr bei Kommunalwahlen für die Lega kandidiert. Er habe den Überfall aus Rassenhass begangen und »bis ins kleinste Detail« vorbereitet, berichtete die Nachrichtenagentur ANSA.

Wenige Tage vor der Attacke war in der Stadt die in zwei Koffern versteckte zerstückelte Leiche einer 18jährigen Italienerin entdeckt worden. Der Tat verdächtigt wird ein aus Nigeria stammender Migrant, der in Untersuchungshaft sitzt. Er bestreitet, das Verbrechen.

Stellungnahmen von Antifaschisten – vom Partisanenverband ANPI, Flüchtlingshilfsorganisationen und sozialen Zentren bis zu Basisorganisationen der PD, Linken und Kommunisten – verurteilten das Gewaltverbrechen als eine Folge des von der ultrarechten Wahlkoalition um Forza-Italia-Chef Silvio Berlusconi und Lega-Führer Matteo Salvini täglich angeheizten Rassismus. Salvini erklärte dagegen »diejenigen, die das Land mit illegalen Einwanderern gefüllt haben« als verantwortlich für »jede Episode von Gewalt, die in Italien passiert«. Er wolle die Wahlen gewinnen, »um für Sicherheit zu sorgen«.

Für den Schriftsteller Roberto Saviano ist Salvini der »moralische Anstifter dessen, was passiert ist«. Er kritisierte die Reaktionen von Politikern wie PD-Chef Matteo Renzi oder des Spitzenkandidaten der Fünf-Sterne-Bewegung, Luigi Di Maio. Diese hätten sich auf Appelle beschränkt, Ruhe zu bewahren. Es müsse aber beim Namen genannt werden, dass dies »ein terroristischer Akt« gewesen sei.


Lesetip abgeben

Artikel empfehlen:

Infos und Verweise zu diesem Artikel:

Ähnliche:

Regio:

Mehr aus: Ausland