Aus: Ausgabe vom 03.02.2018, Seite 6 (Beilage) / Wochenendbeilage

Ist das ein Spiel?

Rituale auf der Nordseeinsel Borkum, beim Kuren und beim »Klaasohm«

Von Anja Röhl
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Auf dem meerumtosten Eiland Borkum scheint die Zeit stehengeblieben. Es gibt noch Telefonzellen und wenig Autos, die fahren nur Handwerker und Polizisten, und das auch nur im Winter. Wer dort hin will, muss zwei Stunden mit dem Schiff fahren. Man sagt, das Inselvolk stamme von Piraten ab.

Es gibt dort endlose Dünenlandschaften und drei Kurhotels. In einem davon war ich kaserniert. Friedlich absolvierte ich mein 40-Wochenstunden-Sportprogramm. Ich sollte Hochseeluft tanken gegen meine Bronchitis und morgens und abends immer die gleichen Cervelatwurststullen essen, die ich aber liegen ließ. An immer demselben Tisch mit drei älteren Männern, die sich meistens anschwiegen. Wenn nicht, dann unterhielten sie sich stockend über ihre Zeit »beim Bund« – angeblich die beste ihres Lebens, da waren sie sich einig. In meinem Kopf summte ich dieses schöne Lied von Tucholsky, gesungen von Ernst Busch, was in meiner Kindheit bei uns zu Hause lief: »Sieh, da steht das Erholungsheim einer Aktiengesellschaftsgruppe, morgens gibt es Haferschleim und abends Gerstensuppe, und die Arbeiter dürfen auch in den Park!«

Kuren ist Arbeit

Hier dürfen sie auch zum Strand runter, Seehunden auf Sandbänken beim Sonnen zugucken. Nur fehlt den Kurgästen hierfür die Zeit. Die raren Sonnenmomente im November konnten wir oft nur durch das Fenster sehen. Denn acht Stunden muss der Arbeiter und Angestellte, sofern er die Kur von der Deutschen Rentenversicherung bezahlt bekommt, kuren. Sportkurse und Anwendungen mitmachen, die vorgeschrieben sind. Beginn morgens 7.15 Uhr mit Nordic Walking, im Wechsel mit Wassergymnastik, Rückenfit, Ausdauerschwimmen, Schlickpackung, Meerwasserinhalation, Atemgymnastik, Massage, Pilates, progressive Muskelentspannung, Asthmavortrag im Wechsel mit Stressvortrag usw. Dazwischen braucht es Pausen zum Umziehen, Duschen, Essen. So geht der Tag um, und man kann das Meer vor der Haustür nur noch ahnen, bzw. hören, es rauscht recht ordentlich, wenn gerade Flut ist.

Für Wanderungen rund um die Insel hat die Rentenkasse nur die Wochenenden vorgesehen. Pech, wenn’s da dann dauerregnet. Oder wenn ein Orkan kommt, als unverhofftes Abenteuer, mit Verdunkelung am helllichten Tag. Trotzdem bin ich jeden Tag mit nackten Beinen im Meer gestanden. Es ist nicht kalt, nur erfrischend. Nachher muss man sich warmrubbeln, drei lange Hosen übereinander anziehen und unter die Bettdecke schlüpfen.

Es gibt auch Kultur, ein Shanty-Chor singt, in der örtlichen Kulturinsel. Ich dachte, na, gehste mal hin, besser als nichts. Und war überrascht. Der Chor trat in Piraten-Walfänger-Verkleidung auf. Souverän und selbstbewusst, man merkte, was ich auch schon aus dem hiesigen Walfängermuseum wusste, die Menschen auf Borkum haben ein ganz besonderes Inselbewusstsein. Vielleicht ist die Insel so etwas wie Irland in klein. Früher wurde Borkum von zahllosen Okkupanten heimgesucht, von der Christianisierung bis zur Marine besetzt, bebaut und bestimmt. Alle Bunker aber sind ins Meer gerutscht.

Angestrengtes Essen

Im Kurheim ist das Essen schlimm. Hauptsache billig. Morgens und abends immer dieselbe Wurst, derselbe Käse, dieselben Bauernbrotscheiben, abends allerdings trockener. Das Essen wird eingenommen in einer braunroten Halle mit Tischen bei Bahnhofshallenlicht. Keiner darf sich hinsetzen, wo er will, man wird plaziert. Keiner darf seinen einmal zugewiesenen Platz eigenmächtig verändern. Die Essenszeiten sind genau vorgegeben, keiner darf vorher in den Speisesaal. 15 Minuten vor Essensausgabe sammelt sich eine Traube wartender Kurgäste. Wer später kommt, wird persönlich gerügt; wer es wagt, länger sitzen zu bleiben, dem wird der volle Teller weggenommen.

Kam ich nicht zum Essen, weil ich in Strandrestaurants mit Winterbetrieb auswich, machten sich die drei Männer an meinem Tisch Sorgen um mich. Ihr Herzenswunsch: endlich wieder nach Hause. Sie deuteten an, dort ein karges, arbeitsreiches Leben mit nur wenig Freude zu führen. Höhepunkt: Die Ehefrau kocht das Lieblingsessen. Auf Borkum sei nichts los, meinten sie.

Manchmal schaute ich sehnsüchtig zu den anderen Tischen hin, wo auch Frauen saßen. Im Laufe der Zeit lernte ich dann einige von ihnen im »Kreativkeller« kennen. Als ich einmal zwei nette Frauen zu einem Tee in mein Zimmer einlud, um ihnen paar Bilder zu zeigen und gemütlich zu plaudern, fragte die eine: »Darf man denn das, zu den anderen aufs Zimmer? Ich dachte, das sei nicht erlaubt.«

Wer aber rausgeht, dem vermittelt die Landschaft ein Gefühl von Freiheit. Die Insel an sich ist ein Traum: Man kann mühelos acht Stunden allein durch endlos sich zum Horizont hin erstreckende Dünen wandern, die reichen fast bis ans Meer. Bei Ebbe wandert von einer Düne zur nächsten. Die liegen noch im November in voller Sonne, das Wasser ist golfstromwarm, man kann es durchwaten, man kann sich auf einen Dünenhügel setzen, Brote verzehren, lesen, Himmel angucken und sich unter eine Plane ducken, wenn der nächste Hagelschauer kommt. Das ist nicht wie am Atlantikufer oder in St. Peter-Ording, dass da einfach nur Horizont ist und sonst nichts, nein, es sind die Dünengipfel, die Salzwiesen voller Heidekraut, die Priele und kleinen Wasser, die alles umspülen, ein richtiges Wunder an Landschaft.

Wichtiger als Weihnachten

Der Höhepunkt des Insellebens ist »Klaasohm«. Ein Fest, das die Borkumer in der Nacht vom 5. auf den 6. Dezember feiern. Ein Fest, bei dem sich junge Männer ab 14 ihrer Kraft versichern. Sie verkleiden sich, setzen sich Masken auf und blasen wild auf Kuhhörnern, um sich in eine Ekstase hineinzusteigern und dann über die Insel zu jagen, in Häuser und Kneipen einzudringen, dort herumzuspringen, zu toben, auf die Tische zu steigen und«Klaasohm, Klaasohm!« zu schreien. Kindern wird Moppe gereicht, eine Honigkuchensüßigkeit, da sind die Klaasohms lammfromm. Es wird nur ein Gedicht auf Platt verlangt. Die Menschen in den Altenheimen werden besucht und ihnen wird ebenfalls Moppe gereicht. Doch auf den Straßen laufen sie jungen Frauen hinterher, um diesen mit einem Kuhhorn auf den Hintern zu hauen.

»Da werden Frauen verprügelt?« frage ich entsetzt die Frau, die mir diese Tradition zu erklären versucht, »bestimmt doch nur symbolisch oder?« Sie lacht: »Nein, nein, das kann auch manchmal ganz schön weh tun, wer es nicht mag, muss ja nicht rausgehen«. Dabei tut sie sehr geheimnisvoll. »Also haben an diesem Tag die Frauen Ausgehverbot?« frage ich. »Nein, nein, es sind viele Frauen unterwegs«, sie lacht wieder, »sie lieben es, die Klaasohms zu necken und um die Häuser zu jagen und gejagt und aufgegriffen zu werden!« – »Es ist also ein Spiel?« frage ich. »Nein, es ist unser Brauch! Wir hängen daran, alle, die hier geboren wurden, kommen an diesem Tag auf die Insel!«

Die Frau hält inne. Die Inselbewohner, sagt sie dann, sprechen nicht gern darüber, weil sie nicht als Barbaren angesehen werden wollen. Man hat auch schon drüber geschrieben, im Spiegel zum Beispiel und auch in der jW stand es: Die Borkumer seien frauenfeindlich, hätten barbarische Bräuche, auch Journalistinnen wurden schon erwischt. Aber das stimme alles nicht, es sei nicht so, außerdem sei es ihre eigene Sache, was sie auf ihrer Insel machten. »Dann ist es also doch ein Spiel?« – »Nein, es ist uns ernst damit. Wichtiger als Weihnachten!« Ich denke: Spinnen die? Sie aber erzählt weiter. Sie habe mal den Fehler gemacht, sich zu wehren, schon hatte sie den Arm gebrochen. Ich fasse es nicht und bin empört. Sie aber lacht schon wieder und erklärt: »Die Klaasohms sehen ja nichts, wegen der Masken, deshalb haben sie ja Begleiter, die jagen herum, suchen die Frauen und führen sie ihnen zu!« Das sei der Reiz, dieses Jagen und Gejagtwerden, das könne man nicht richtig erklären. Aber frauenfeindlich sei es ganz sicher nicht, meint sie. »Wir Inselfrauen backen meist Plätzchen an dem Tag und bleiben zu Hause, aber meine 12jährige Tochter, die konnte ich beim letzten Klaasohm nicht zu Hause halten, sie hat sich drum gerissen, von einem der Klaasohms erwischt zu werden!«

Bewaffnete Frauen

Ich staune und lese nach: Das Fest der Klaasohms kommt aus Walfängerzeiten, ein jahrhundertealter Brauch. Es wird gefeiert, dass die Männer wieder auf die Insel zurückkommen und sich freuen, dass sie noch am Leben sind. Sie waren von März bis November weg, in der Arktis Wale fangen, das war für die Frauen eine lange Zeit. Und ob sie je zurückkommen würden, blieb ungewiss. Die Frauen der Insel mussten nun alles selber machen und für ihre Familien sorgen. Und sie mussten auch die Insel verteidigen. Sie bewaffneten sich gegen Piraten, Missionare und Eroberer. Sie wurden also stark. Und wenn die Männer zum Winter auf die Insel zurückkehrten, hatten sie keinen leichten Stand. Ihre Frauen ließen sich nichts mehr gefallen. Um diese weibliche Kraft zu bändigen, um als Männer bestehen zu können, wurde Klaasohm gefeiert. Ein Fest, das sich ausschließlich der Wiederherstellung männlicher Macht widmet. Auf streng ritualisierte Weise. Da gibt es auch eine Sage, die geht so:

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Im lichten Dünengras lässt Klaasohm das Meer hinter sich. Ein Jahr lang war er den Grund am Schelf entlanggewandert, hatte Ruhe gesucht in den versunkenen Gehöften. Nun aber ist sein Tag. Er hievt sich aus dem Sandboden, schüttelt seinen gefiederten Kopf, sticht seine ellenlangen Hörner ins Nachmittagsgrau. Westwind kommt überm Großen Kaap auf. Der Klinker des Seezeichens funkelt rot, als Klaasohm eine Unrast packt. Zorn. Dann läuft er los.

Diese Legende erzählen die Borkumer ihren Kindern, offenbar ist Klaasohm ein Mischwesen zwischen Tier und Mensch, die Masken zeugen davon, sie sind riesig, bis zu einem Meter hoch, mit Fell bespannt und mit schwarzen Federn dort geschmückt, wo man die Augen vermutet. Jedes Jahr, wenn es auf Nikolaus zugeht, werden die Klaasohms ausgegraben. Das wird von Hunderten sehr laut auf Kuhhörnern blasenden Menschen begleitet. Es ist etwas, was nur auf dieser Insel gefeiert wird, ein Alleinstellungsmerkmal, nur für geborene Borkumer, nicht im Fremdenführer vermerkt.

Ich beschließe, noch zu bleiben, nehme mir ein Hotelzimmer mit Blick auf die Halle, in der alles beginnt. Eine Woche vorher höre ich eines Nachmittags lautes Kuhhörnerblasen, es vermischt sich mit dem Heulen des Windes zu einer die Insel umkreisenden wunderschönen Melodie. Es klingt nicht unheimlich und nicht grausam, es klingt schön. Das ist Kinderklaasohm heißt es, die Kinder bis zum 14. Lebensjahr feiern ihn bis zum Erwachsenenfeiertag jeden Nachmittag von 15 bis 18 Uhr, eine Woche lang. Ich fahre hin. Nun sehe ich das erste Mal die Masken, es sind gigantische Aufbauten, die auf Kopf und Schultern ruhen, einige Kinder trafen sie, andere begleiten sie, sie rufen und schreien und blasen durch die Hörner, und überall in der kleinen Stadt ohne Autos rasen Mädchengruppen herum und lassen sich nicht fangen. Alle Kinder haben rote Wangen, und zwischendurch sammeln sie sich und springen von einer kleinen Steinempore herab, nicht in die Menge, wie die Großen, nur auf den Rasen.

Ich frage die in Kleingruppen herumstehenden Mädchen, was ihnen daran Spaß macht? Alles, antworten sie, es sei das Tollste, was die Insel zu bieten habe und sie freuten sich das ganze Jahr auf diese eine Woche. Ob sie auch Prügel bekämen? Sie schreien und lachen und rennen weg, wie der Windorkan, der durch die Häuserschluchten fährt.

Kinderklaasohm hört genau einen Tag vor dem Erwachsenenklaasohm auf. An dem Tag bevölkert sich die ganze Insel. Die letzten Touristen haben die Insel verlassen, und aus aller Herren Länder kehren gebürtige Borkumer auf die Insel zurück und füllen den Zurückgebliebenen die Häuser. Mittags wird gemeinsam Grünkohl gegessen, und dann ziehen die Männer los, Richtung Eisenbahnhalle.

Stundenlange Kämpfe

Dort finden Rituale statt, die zunächst entscheiden, welche Männer ausgewählt werden. Es werden nämlich nur die sechs stärksten aus drei Altersgruppen ausgewählt. Das wird durch Ringen untereinander festgestellt, wer wen auf den Boden kriegt, hat gewonnen. Die Altersgruppen gehen so: Ab 14, ab 16 und ab 18, ein Jugendlichenfest. In der Eisenbahnhalle bekommen die Kandidaten die vierkantigen Ganzkopfmasken auf. Sie sind kunstvoll mit Schaffell bespannt und mit Muscheln und Federn benäht und beklebt. Sie wiegen nicht wenig und verdecken Kopf und Schultern. Die Jugendlichen müssen mit diesen Masken gegeneinander kämpfen. Das dauert Stunden. Unterdessen wird die Menge draußen immer größer, es versammeln sich Menschen aller Altersgruppen. Und dann gehen die torkelnden Klaasohm los, geführt von Begleitern, die ihr Alter haben. Sie kommen erst langsam in Fahrt, denn die durch den Kampf Ermüdeten müssen sich erst mal sammeln. Dann geht’s im Pulk über die Insel.

Das Ganze wird seit hundert Jahren begleitet, bewacht und organisiert, auch kontrolliert von einem Verein: Borkumer Jungens. Mitglieder dürfen nur unverheiratete Männer sein. Mit Verheiratung muss man den Verein verlassen und darf nicht mehr mit in die Eisenbahnhalle rein, in der das Anfangsritual stattfindet. Die Ältesten in dem Verein aber sind 80, die haben einfach nie geheiratet.

Das Jagen und »Hintern-versohlen« gilt ausschließlich kinderlosen jungen Frauen und Mädchen und ist immer Brautschau. Wo andere tanzen, wird hier gejagt und gegriffen, wo andere sich küssen, wird hier auf den Hintern gehauen. Befremdlich, aber wahr: Was auch immer die Auswärtigen sagen mögen, die Borkumer Frauen und Männer, klein und groß, lieben dieses Fest, denn sie überwinden am Ende das Böse, bändigen es.

Die ältesten Männer der Insel werden zu Kindern, wenn Klaasohm kommt, die Verkleideten werden bejubelt und im wahrsten Sinne auf Händen getragen. Das Anfangsritual gleicht einer Krönung, das Abschlussritual ist bemerkenswert: Auf eine verklinkerte, mindestens zwei Manns hohe Litfasssäule klettern sechs Männer mit Masken, zwei sind über 14, zwei über 16 und zwei über 18. Wer sie sind, weiß man nicht, aber hinterher erfährt man es meistens doch.

Überwindung und Versöhnung

Dazu kommt »Wiefke«, eine entfernt an den Nikolaus erinnernde weibliche Figur, die ein verkleideter Mann ist. Sie klettert auch noch auf die Litfasssäule, wo sie Unsinn macht und den Männern eine Nase dreht. Die Klaasohms aber hopsen, springen, ziehen Schuhe und Strümpfe aus und werfen sie in die Menge. Sie streuen auch Sand über die Menschen, die unter ihnen johlen. Das alles geschieht zu siebt auf einer Litfasssäule, was witzig aussieht. Zu diesem Zeitpunkt stehen die Leute dicht gedrängt bis in die Nebenstraßen.

Dann geschieht es: Die Klaasohms springen. Von der Litfasssäule mitten hinein in die Menge, die sie auffängt. Sie springen mit Schwung, sie fliegen mit hochgereckten Beinen, sie geben sich der Menge hin, lassen sich in sie fallen, tauchen in sie ein, ein ritualisiertes Wiedersehensfest, durch das die Männer symbolisch wieder in die Inselgemeinschaft der bewehrten Frauen aufgenommen werden. Wiefke bleibt auf der Litfasssäule stehen. Ein Fest der Überwindung und Versöhnung. Für Fremde frauenfeindlich, für die Insulaner ein Fest, das sie nicht gern anderen erklären. Danach tun die Klaasohms dann keinem mehr etwas, gehen friedlich noch einmal durch die Stadt oder nach Hause, weil sie müde sind. Viele trinken noch einen, singen, tröten, und erst morgens ebbt das allgemeine, dann nur noch private Feiern ab.

Wann immer dieser Brauch angegriffen wurde, haben sich die Inselfrauen gemeldet und ihn verteidigt. Es macht manchen von ihnen Freude, an diesem einen Abend zu fliehen, zu necken, sich fangen zu lassen, es machen diejenigen mit, die es wollen, sie werden nicht gedrängt. Sie werden nicht beleidigt, ausgezogen, gedemütigt oder gequält, nein, dies hier ist ein Spiel der Leidenschaften, der gegenseitigen Überwindung. Ein Männerfest, aber man muss keine Angst davor haben. Ein heidnischer Brauch, der sich bis heute erhalten hat. Die Borkumer fühlen sich dadurch freier, als Nachfahren von Piraten und Eismeer-Walfängern.

Anja Röhl, Jahrgang 1955, arbeitet als freie Dozentin und Theaterkritikerin dieser Zeitung. 2013 erschien »Die Frau meines Vaters« (Edition Nautilus), Anja Röhls Kindheitserinnerungen an Ulrike Meinhof, die zweite Ehefrau ihres Vaters. 2015 veröffentlichte sie die Reisereportage »Granny in New York« (Verlag Wiljo Heinen)


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