Aus: Ausgabe vom 30.01.2018, Seite 8 / Ansichten

In Stellung gebracht

Bundespräsident Steinmeier in Jordanien

Von Jörg Kronauer
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Der Bundespräsident ist auf Truppenbesuch. Am Montag hat Frank-Walter Steinmeier (SPD) auf dem Luftwaffenstützpunkt Muwaffak Al-Salti im jordanischen Al Asrak deutsche Militärs getroffen, die dort im Rahmen des Kriegs gegen den IS stationiert sind. Berliner Politiker, die nach Nahost reisen, sind nicht nur allgemein in einer Krisen- und Kriegsregion unterwegs, sondern in einer, in der die Bundesrepublik militärisch intensiv mitmischt.

Dabei wird Al Asrak in Zukunft womöglich an Bedeutung gewinnen. Dass deutsche Soldaten auf der Basis stationiert sind, die auch von der niederländischen und vor allem von der US-Luftwaffe genutzt wird, ist einem politischen Unfall geschuldet: Die Bundeswehr hatte sich mit vier Aufklärungsjets und einem Tankflugzeug, mit denen sie am Krieg gegen den IS teilnimmt, langfristig im türkischen Incirlik niederlassen wollen. Der Plan scheiterte am Streit mit Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan. Jetzt pflastern Bautrupps auf der Muwaffak Al-Salti Air Base solide Wege. Insider mutmaßen, die Stationierung sei auf lange Zeit angelegt.

In der Tat dürften IS-Zellen im Irak der Bundeswehr noch auf Jahre hin die Chance bieten, ihre Präsenz in Al Asrak öffentlichkeitswirksam zu legitimieren. Schon heißt es, man könne von dem jordanischen Stützpunkt aus Trainingsmaßnahmen für irakische Militärs steuern sowie Ausbilder und Berater in weitere Länder der Region entsenden. Musste die Bundeswehr vor fünf Jahren noch ein Spionageschiff vor die syrische Küste schicken, um aus erster Hand Klarheit über den Verlauf des Syrien-Kriegs zu gewinnen, so liefern heute die »Tornado«-Aufklärer exklusive Erkenntnisse über weite Teile des Kampfgebiets. Und auch wenn deutsche Militärs berichten, sie seien zur Zeit vor allem über irakischem Gebiet im Einsatz: Wer will schon seine Hand dafür ins Feuer legen, dass nicht die eine oder andere Aufklärungsoperation sie nach Nordsyrien treibt, wo der NATO-Partner Türkei seinen jüngsten Krieg führt?

Zahlreiche Möglichkeiten im gesamten Nahen Osten bietet die Nutzung der Muwaffak Al-Salti Air Base. Die Beteiligung an UNIFIL eröffnet weitere: Sie dient nicht nur der Eindämmung unerwünschten Waffenhandels übers Meer, sondern auch – das wird heute relativ offen eingeräumt – der Kontrolle der Seewege im östlichen Mittelmeer unweit der Zufahrt zum Suezkanal. Unter dem Vorwand, Terror zu bekämpfen, bringt sich die Bundeswehr im Nahen Osten konsequent auf geostrategisch zentralen Positionen in Stellung – womöglich dauerhaft.


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