Aus: Ausgabe vom 29.01.2018, Seite 2 / Ausland

Hernández vereidigt

Proteste in Honduras gegen Wahlmanipulationen halten an

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Demonstranten und Einsatzkräfte während der Vereidigung des neuen Präsidenten Juan Orlando Hernandez in Tegucigalpa, Honduras (27. Januar 2018)

Begleitet von Protesten gegen die Manipulation der zurückliegenden Wahl, hat der konservative Präsident Juan Orlando Hernández in Honduras seine zweite Amtszeit angetreten. Der 49jährige Hernández legte am Samstag vor Tausenden Anhängern im schwer gesicherten Stadion der Hauptstadt Tegucigalpa seinen Eid ab. Im Umkreis von einem halben Kilometer waren Demonstrationen verboten. Hernández’ Wiederwahl im November wird von der Opposition nicht anerkannt. Der Kandidat der linksgerichteten »Oppositionsallianz gegen die Diktatur«, Salvador Nasralla, forderte am Samstag erneut Neuwahlen für das Präsidentenamt und das Parlament. Er kündigte eine Fortsetzung der Proteste an.

Die Vereidigung fand unter strengen Sicherheitsvorkehrungen statt. Polizisten und Soldaten hatten das Stadion abgeriegelt. In Hunderten Metern Entfernung vom Stadion warfen Demonstranten unterdessen Steine auf einen Bus mit Anhängern des Präsidenten. Die Polizei fuhr mit Panzerfahrzeugen vor und setzte Tränengas ein. In San Pedro Sula, der zweitgrößten Stadt von Honduras, gingen rund 10.000 Menschen auf die Straße. Bereits am Freitag war die Polizei mit Tränengas gegen Nasrallas Anhänger vorgegangen, die mit Hunderten Autos und Motorrädern durch Tegucigalpa fuhren und mit Hupkonzerten gegen die Manipulation der Wahlen demonstrierten. Honduras steuere auf einen »Volksaufstand zu«, warnte Expräsident Manuel Zelaya, der Koordinator der »Oppositionsallianz«. »Wir sind bereit, dafür zu kämpfen, dass der Wille des Volkes durchgesetzt wird«, fügte Zelaya hinzu.

Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wurden bei den Protesten seit der Wahl mehr als 30 Menschen getötet und mehr als 800 festgenommen. Der Politikwissenschaftler Juan Ramón Medrano warf den USA und der Organisation Amerikanischer Staaten vor (OAS), die »politische Krise« in Honduras mit anderem Maßstab zu messen als in Venezuela. Zwar hatte die OAS aufgrund von Zweifeln einer Beobachtermission an dem Wahlergebnis zunächst Neuwahlen vorgeschlagen. Vor kurzem erklärte sie sich dann aber zur Zusammenarbeit mit den »gewählten Behörden« von Honduras bereit. Auch die USA unterstützen den rechtsgerichteten Präsidenten. (AFP/jW)


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