Aus: Ausgabe vom 20.01.2018, Seite 4 (Beilage) / Wochenendbeilage

Amandla! Awethu!

Fotoimpressionen von der XXIII. Internationalen ­Rosa-Luxemburg-Konferenz 2018

Von Arnold Schölzel
Warteschlange an der Rolltreppe zum Einlass
Konferenzeröffner: Berliner Ingoma-Trommler aus Burundi
Konferenzmoderatoren: Gina Pietsch und Dr. Seltsam
Nnimmo Bassey, Nigeria
Jörg Kronauer, Bundesrepublik
Clotilde Ohouochi, Côte d’Ivoire
Adel Amer, Israel
Mamadou Saliou Diallo, Bruder Oury Jallohs
Fast zehn Stunden Andrang im Saal
Ding Xiaoqin, Volksrepublik China
Enrique Ubieta, Kuba
Eine Etage über dem Konferenzsaal: Buchmarkt
Susanne Jansen in »Rosa – Trotz alledem« von Anja Panse
Susann Witt-Stahl und Ibrahim Mahama, Ghana
Achille Mbembe, Kamerun
Faten El-Dabbas, Bundesrepublik/Palästina
Fotograf Idona Asamoah, Ghana
Gefragt: jW
Solidarität mit Venezuela!
Podiumsdiskussion mit Canan Bayram, Lorenz Gösta Beutin, Stefan Huth, Selma Schacht und Günter Pohl (von links nach rechts)
Sind am 21. Februar bei der Hommage für Daniel Viglietti in der Berliner »Wabe« dabei: Nicolás Miquea (l.) und Tobias Thiele

Afrika war ein »Kontinent ohne Grenzen«, bevor die europäischen Kolonialmächte kamen. Massenhafte Migration war und ist daher zwischen Mittelmeer und der Südspitze am Indischen Ozean eine Selbstverständlichkeit. Wenn heute EU und USA wieder einmal von rassistischer Hysterie geschüttelt werden und das Errichten neuer Grenzen – auch mitten in Afrika mit Hilfe deutscher, französischer oder US-Truppen – mit Vorrang betreiben, dann ist das vor allem propagan­distische Begleitmusik zu der Rekolonisierung, die seit dem Ende der Sowjetunion und der europäischen sozialistischen Länder vom Westen mit Bomben, Giftgas und Terrorgruppen vorangetrieben wird. Die Kriege und neuen Grenzregime gelten dem Nieder- und Fernhalten der »Subalternen« weltweit, die erneut zu Menschen minderen Rechts erklärt werden, zu »Überflüssigen«. Es handelt sich um globalen Klassenkampf von oben. Die bei Rechten und Neonazis bestellte Hysterie wegen Zuwanderern ist dabei so verlogen wie die sozialliberalen Abschiebegesetze: Von den neokolonialen Kriegen schweigen beide politischen Lager.

Aber die Verhältnisse ändern sich: »Afrika ist eine chinesische Frage«, formulierte der in Johannesburg lehrende Philosoph und Historiker Achille Mbembe in seinem Referat auf der diesjährigen Rosa-Luxemburg-Konferenz. Gemeint war: Der Aufstieg Chinas zur wirtschaftlichen Weltmacht wirkt sich insbesondere in den Staaten südlich der Sahara merklich aus, schafft Spielraum im Verhältnis zu den westlichen Eroberern und fördert offenkundig ein neues, antikoloniales Bewusstsein. Wer am 13. Januar im Berliner Mercure-Hotel MOA dabei war, konnte insbesondere von den afrikanischen Referenten erfahren, was das bedeutet.

Es war höchste Zeit, meinten viele der – laut abschließender Zählung – mehr als 2.900 Besucherinnen und Besucher, Afrika zum Schwerpunkt zu machen – auf der Konferenz wie im von jW-Verlag herausgegebenen Magazin für Gegenkultur M&R. Dessen Chefredakteurin Susann Witt-Stahl fasste im aktuellen Heft zusammen: »Es geht um ein radikales, universalistisches Verständnis von Humanismus und Befreiung«. Das war das Thema der Rosa-Luxemburg-Konferenz 2018.


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