Aus: Ausgabe vom 12.01.2018, Seite 2 / Inland

Immer häufiger Land unter

Klimaforscher: Auch BRD muss viel in Hochwasserschutz investieren

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Hochwasser am Rhein in Düsseldorf, 10. Januar 2018: Starkregen und folgende Überflutungen sind auch an deutschen Flüssen in den vergangenen Jahren immer häufiger geworden

Der Hochwasserschutz muss nach Ansicht von Experten in Deutschland und vielen anderen Regionen der Welt erheblich erweitert werden. Ohne Verbesserungen wie Deichausbau, veränderte Baustandards, besseres Flussmanagement und Siedlungsverlegungen werde sich die Zahl der von Hochwasser und Überschwemmungen besonders stark betroffenen Menschen bis in die 2040er Jahre von derzeit etwa 100.000 auf rund 700.000 erhöhen, prognostizieren Forscher um Sven Willner vom Potsdam-Institut für Klimaforschung (PIK) in einem am Donnerstag veröffentlichten Beitrag für das Fachblatt Science Advances.

»Wir waren überrascht, dass selbst in hochentwickelten Ländern mit guter Infrastruktur der Anpassungsbedarf so groß ist«, sagte Mitautor Anders Levermann, Leiter der globalen Anpassungsforschung am PIK. Außer in Mitteleuropa sei die Notwendigkeit großer Schutzmaßnahmen in den USA, Teilen Indiens und Afrikas sowie in Indonesien am größten. Grund für das erhöhte Überschwemmungsrisiko seien veränderte Regenfälle infolge der globalen Erwärmung. In Asien, Afrika und Südamerika wäre der prozentuale Anstieg ohne zusätzliche Investitionen zwar deutlich niedriger, aber dafür sind dort wesentlich mehr Menschen bedroht. Die Zahl der betroffenen Einwohner würde sich der Untersuchung zufolge etwa in Asien von heute 70 Millionen auf 156 Millionen mehr als verdoppeln. In Südamerika steige die Zahl demnach von sechs auf zwölf Millionen, in Afrika von 25 auf 34 Millionen. Dabei sind Bevölkerungswachstum und veränderte Siedlungsstrukturen durch Verstädterung noch nicht einmal berücksichtigt.

Die Wissenschaftler hatten die Entwicklungen von Flüssen weltweit mit Hilfe von Computersimulationen untersucht. Allein in Brandenburg soll nach der Studie die Zahl der Menschen, die von Hochwasserereignissen betroffen sind, von 2035 bis 2044 um das Achtfache ansteigen. Am höchsten sei das Risiko in Baden-Württemberg (Anstieg um das Fünfzehnfache) und Niedersachsen (Anstieg um das Zwölffache).

Diana Pretzell, Leiterin Naturschutz Deutschland bei der Umweltorganisation WWF, forderte angesichts der Daten, Flüssen müsse wieder mehr Raum gegeben werden. »Das bedeutet, ursprüngliche Überflutungsgebiete wiederherzustellen, Auen zu renaturieren und Flussbegradigungen zurückzunehmen. Es ist höchste Zeit für mehr ökologischen Hochwasserschutz.« (dpa/AFP/jW)


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