Aus: Ausgabe vom 04.01.2018, Seite 8 / Ansichten

Abzocker des Tages: Peter Thiel

Von Simon Zeise
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Mafiosi und Banker fühlen sich am wohlsten, wenn sie unter sich bleiben können. Sie meiden den Staat, wie der Teufel das Weihwasser. Und man kennt sich. Fernab von Kontrollinstanzen boomt der Handel mit Kryptowährungen. Am Mittwoch berichtete das Wall Street Journal, der deutsche Geschäftsmann Peter Thiel – Paypal-Gründer und Finanzier von US-Präsident Donald Trump – habe satten Reibach mit Bitcoins gemacht.

Früher, als er noch IT-Tüftler in ihren Garagen finanzierte, habe es Jahre gedauert, bis er die ersehnte Rendite einstrich. Bei den Bit­coins scheine dies hingegen deutlich schneller passiert sein, wunderte sich das Handelsblatt. Sein Founders Fund habe erst Mitte 2017 15 Millionen Dollar in das Computergeld investiert. Weil der Kurs seitdem in die Höhe schnellte, habe er mit dem Geschäft nun mehrere hundert Millionen Dollar verdient.

Der Grund ist simpel. Bitcoin werden ohne Kontrolle gehandelt. Finanzhaien wird es dadurch erleichtert, sich über einen genehmen Kurs zu »verständigen«. Bei Mafiosi wie Bankern gilt: Der Stärkste nimmt sich das größte Stück vom Kuchen, Steuern und Umverteilen ist deren Sache nicht. Unter den Spekulanten nennt man die großen Fonds »Wale«. Sie sind in der Lage große Vermögen umzuwälzen. Steigen sie in den Handel ein, bewegt sich der Kurs. Solche Meeressäuger tummelten sich zuhauf im Bitcoin-Handel. 100 Großinvestoren beherrschten fast 20 Prozent der dort getätigten Finanzwetten, wusste das Handelsblatt.

Thiel sehnt sich nach anderen Sphären: 2009 schrieb er in einem Aufsatz »Ich glaube nicht länger, dass Freiheit und Demokratie miteinander vereinbar sind«. Seit den 20er Jahren sei der Kapitalismus wegen »der enormen Zunahme von Sozialhilfeempfängern und der Ausweitung des Wahlrechts auf Frauen« nicht mehr mehrheitsfähig. Man trifft sich unter Gleichgesinnten in der Kryptowelt.


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