Aus: Ausgabe vom 04.01.2018, Seite 7 / Ausland

Prinzen im Ruhestand

Jordanien modernisiert seine Streitkräfte und schickt Angehörige der Königsfamilie in Rente. Spekulationen um Putsch gegen den Monarchen

Von Karin Leukefeld, Damaskus
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Jordaniens König Abdullah und Prinz Faisal am 2. März 2016 in Zarka

Das haschemitische Königshaus in Jordanien macht sich Sorgen um seinen Ruf. Am Sonntag verbreitete der Hof eine Erklärung, nach der Onlinemedien, die »Gerüchte, irreführende Behauptungen (…) und Lügen« über die Prinzen Feisal bin Al-Hussein (54 Jahre alt), Ali bin Al-Hussein (42) und Talal bin Muhammed (52) verbreiten, strafrechtlich verfolgt werden sollen. Die Falschmeldungen sollten »Jordanien und seine Institutionen schwächen«, heißt es in dem Statement.

Hintergrund der Aufregung ist, dass König Abdullah II die drei Prinzen, die führende Posten in den jordanischen Streit- und Sicherheitskräften hatten, zum Ende des Jahres in den Ruhestand geschickt hat. Offenbar stand das im Zusammenhang mit Plänen, die jordanischen Streitkräfte grundlegend umzustrukturieren und zu professionalisieren. Feisal und Ali sind Brüder des Königs, Talal ist ein Cousin. Alle drei hatten knapp 20 Jahre im Dienst der Streitkräfte gestanden, berichtete das britische Militärmagazin Jane’s Defence Weekly am 29. Dezember. Die regionale Onlinezeitung Al-Sura, nach eigenen Angaben eine »unabhängige Plattform für Bürgerjournalisten, soziale Medienaktivisten und unabhängige Analysten«, hatte darüber spekuliert, dass die Prinzen festgenommen oder unter Hausarrest gestellt worden seien, weil sie angeblich zu enge Kontakte zu den Königshäusern Saudi-Arabiens und der Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) gehabt hätten. Der saudische Thronfolger Prinz Mohammed bin Salman habe es sich wegen seiner neuen Politik mit etlichen arabischen Staaten, darunter auch mit Jordanien, verdorben. Verschiedene Medien vermuteten daraufhin Vorbereitungen zu einem Sturz von König Abdullah, den die drei Prinzen gemeinsam mit Riad geplant haben könnten. Belege gibt es dafür nicht.

Das dem israelischen Geheimdienst nahestehende Onlineportal Debkafile hob gleichwohl einen weiteren Aspekt hervor. Der »eskalierende Wettbewerb« zwischen den Monarchien in Amman und Riad habe »explosives Potential«, der jordanische König habe Saudi-Arabien »den Fehdehandschuh hingeworfen«. Das könne zu einer regionalen Konfrontation führen, von der auch Israel und Jerusalem nicht verschont blieben.

Amman wies alle Spekulationen zurück und veröffentlichte Briefe an die drei Prinzen, in denen es u. a. heißt, dass »die Modernisierung, Entwicklung und der Umbauprozess« der Streitkräfte es erforderten, »dass Sie ebenso wie ihre hochrangigen Brüder in der Armee in den Ruhestand versetzt werden«.

Das haschemitische Königshaus regierte einst den heute zu Saudi-Arabien gehörenden Hedschas, in dem die den Muslimen heiligen Stätten in Mekka und Medina liegen. Deren Hüter waren die Haschemiten seit dem 10. Jahrhundert, bis sie von dort 1924 gewaltsam vom saudischen Königshaus vertrieben wurden.

Die Berichterstattung über den Vorgang deutet eher auf eine Medienkampagne hin als auf ernstzunehmende Berichterstattung. Offenbar soll der real vorhandene Dissens unter den arabischen Staaten über die Politik von Donald Trump in Sachen Palästina angefeuert werden. Debkafile schreibt jedenfalls, der jordanische König Abdullah habe als »Hüter der heiligen Stätten« die Entscheidung Trumps kritisiert, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen. Dagegen sollen ihn der saudische Kronprinz und die Emirate aufgefordert haben, die Kritik einzustellen.

Jordanien versucht zudem seit einem Jahr, seine Kontakte zu den Nachbarländern Irak und Syrien zu normalisieren, weil es durch die Kriege in den beiden Ländern massive wirtschaftliche Verluste zu verkraften hat. Der fünf Jahre lang geschlossene Grenzübergang zum Irak wurde vor wenigen Monaten wieder geöffnet. Auch der Checkpoint nach Syrien, der noch von bewaffneten Aufständischen kontrolliert wird, soll nach dem Willen der Regierung in Amman wieder in Betrieb genommen werden. Zudem will Amman auch mit dem Iran enger zusammenarbeiten, was vor allem Israel und Saudi-Arabien verhindern wollen.


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