Aus: Ausgabe vom 04.01.2018, Seite 2 / Ausland

Teheran hält Aufstand für besiegt

Zehntausende demonstrieren für iranische Regierung

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Großdemonstration iranischer Regierungsanhänger am Mittwoch

In mehreren Städten des Iran sind am Mittwoch Zehntausende Menschen zur Unterstützung der Regierung auf die Straße gegangen. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA richteten sich die Kundgebungen gegen die Proteste und Unruhen der letzten Tagen, bei denen mehr als 20 Menschen ums Leben kamen. Die Menschen skandierten Parolen wie »Nieder mit den USA« und »Nieder mit Israel«, schwenkten Nationalfahnen und zeigten Bilder des »Obersten Führers«, Ajatollah Seyyed Ali Khamenei. Dieser hatte am Dienstag fremde Mächte als Urheber der Proteste ausgemacht: »Bei den jüngsten Ereignissen haben sich die Feinde des Iran verbündet und die verschiedenen Mittel, darunter Geld, Waffen, Politik und Geheimdienste, benutzt, um die Islamische Republik zu belästigen.«

Der Kommandeur der iranischen Revolutionsgarden, Mohammad-Ali Dschafari, sagte dem staatlichen Rundfunk IRIB, die »Heuchler und ihre Herren« hätten versucht, die Verantwortung für die Tötung von Menschen der Regierung zuzuschieben. Das sei aber »dank der Besonnenheit der Menschen« gescheitert. Er bezichtigte die »Volksmudschaheddin«, den »Kern der Verschwörung« gebildet zu haben. Deren Anführer seien »alle identifiziert und festgenommen« worden, erklärte der General.In einem Telefongespräch forderte Irans Präsident Hassan Rohani am Dienstag den französischen Staatschef Emmanuel Macron auf, die Unterstützung der »Terroristen« einzustellen.

Die »Volksmudschaheddin« haben ihren Sitz in Paris. Die 1965 zunächst als Widerstandsorganisation gegen das Schah-Regime gegründete Organisation nahm nach der Islamischen Revolution 1979 auch den bewaffneten Kampf gegen die neuen Machthaber auf. Dabei verdingten sie sich während des Iran-Irak-Krieges als Söldner des Regimes von Saddam Hussein und ließen sich nach dessen Sturz durch die USA von der CIA anheuern. Rohani machte die Organisation in seinem Telefonat mit Macron für mindestens 12.000 Todesopfer seit 1979 verantwortlich. Die Organisation selbst feiert auf ihrer Homepage den Aufstand und zitiert genüsslich Äußerungen der iranischen Regierung, die ihr die Verantwortung für die Unruhen zuweisen. Dagegen sagt Azadeh Zamirirad von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin, dass eine klare Organisation hinter den Protesten nicht erkennbar sei. »Bisher gibt es keine gemeinsame Identifikationsfigur und keine zentrale Plattform.« (AFP/PL/IRNA/jW)


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