Aus: Ausgabe vom 14.12.2017, Seite 9 / Kapital & Arbeit

Razzia bei Fraport

Vorwurf: Bestechung, um Zuschlag für Airport-Betrieb in Senegals Hauptstadt Dakar zu bekommen

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Flughafenbetreiber mit Expansionsdrang: Die Frankfurter Fraport. Im Senegal kamen Mitarbeiter des Konzerns mutmaßlich mit Bestechung zum Ziel. Die Gesellschaft zog sich anschließend aber wieder aus dem avisierten Projekt zurück

Wegen des Verdachts der Bestechung bei einem Flughafenprojekt im Senegal hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt am Main Büros des Airportbetreibers Fraport durchsucht und Unterlagen beschlagnahmt. Unter Verdacht stünden acht Personen, davon fünf Unternehmensmitarbeiter in leitender Stellung, bestätigte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Mittwoch einen Bericht von Bild. Vorstände des Konzerns seien nicht betroffen. Mehr als 100 Ermittler hätten bereits am Dienstag insgesamt zehn Objekte, darunter Fraport-Büros und Wohnungen der Verdächtigen, durchsucht. Die Aktiengesellschaft bestätigte die Razzia. Man unterstütze die Ermittlungen, wolle das laufende Verfahren aber nicht kommentieren, erklärte ein Sprecher.

Die Verdächtigen sollen nach Angaben der Strafverfolgungsbehörde einem senegalesischen Minister Unternehmensbeteiligungen für den Fall versprochen haben, dass Fraport den Zuschlag für den Betrieb des neuen Flughafens in Dakar, der Hauptstadt des westafrikanischen Landes, bekommt. Die Ermittlungen gingen auf eine anonyme Anzeige im Jahr 2013 zurück. Die Fraport-Tochter Daport hatte nach Angaben der Staatsanwaltschaft 2006 die Lizenz für den Betrieb des Flughafens erhalten, der ursprünglich 2010 eröffnet werden sollte. Doch es gab Verzögerungen, und die politischen Rahmenbedingungen änderten sich. Unter anderem wegen der Absenkung der ursprünglich vereinbarten Entgelte durch die senegalesische Seite habe man sich formell zum Jahresende 2016 endgültig aus dem Projekt zurückgezogen, erklärte ein Fraport-Sprecher am Mittwoch gegenüber der Nachrichtenagentur dpa.

Zu dem Konzern gehören neben dem Frankfurter Airport mehrere Flughäfen im Ausland, darunter in Griechenland, der Türkei und Russland sowie außerhalb Europas in China, Indien und Peru. Der erst vor wenigen Tagen eröffnete Flughafen »International Blaise Diagne« in Dakar wäre der erste von Fraport betriebene in Afrika gewesen.

In Griechenland betreibt die Fraport AG mittlerweile 14 Flughäfen. Sie musste für die Lizenzen 1,234 Milliarden Euro an den griechischen Privatisierungsfonds entrichten. Das Frankfurter Unternehmen profitierte damit von den Maßnahmen, die Euro-Gruppe, EU-Kommission und Internationaler Währungsfonds Griechenland im Zuge der Finanzkrise diktiert hatten. Die griechische Fraport-Tochter trug in diesem Jahr mit 180 Millionen Euro maßgeblich zum Umsatzanstieg um 13,7 Prozent bei (siehe jW vom 6.12.). (Reuters/dpa/jW)


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