Aus: Ausgabe vom 07.12.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Platten kein Problem

Zu jW vom 24. November: »Die Gutankommer, damals«

Thomas Behlert schreibt (…), dass er sowjetische Schallplatten (Firma Melodija) mit den Doors, Rolling Stones u. a. »aufgeregt durch mehrere Zollkontrollen schleuste«. Was soll das? Auch ich kaufte mir in Leningrad einen ziemlichen Packen von Platten sehr angesagter Rockgruppen, man nannte sie auch Lizenzplatten. Der Stückpreis war mit 3,50 Rubel (ca. zehn DDR-Mark) genial, und so schlecht waren die Platten auch nicht, ich habe sie immer noch, manche gelten heute als echte Raritäten. Wenn Thomas Behlert nun beim Zoll aufgeregt war, muss noch etwas anderes im Koffer gewesen sein. Jedenfalls: Mit im RGW-Bereich hergestellten Schallplatten (…) gab es keine Probleme. Es ist zwar nur eine Kleinigkeit, aber schreibt bitte so etwas nicht, das gehört zu dem nachteiligen Bild, das täglich über den Sozialismus verbreitet wird. (…)

Jürgen Claußner, Berlin

Falscher Begriff

Zu jW vom 1. Dezember: »Prekärer Jobboom«

Ein informativer Beitrag. Nur sollte nicht der Begriff Zeitarbeit verwendet werden. Die Leiharbeitsfirmen kämpfen seit Jahren für die Verwendung dieses Begriffs. Er treibt die Verharmlosung auf die Spitze. Ist nicht jede befristete Arbeit Arbeit auf Zeit und damit Zeitarbeit, und wird nicht fast nur noch befristet eingestellt? Der Begriff Leiharbeit ist auch nicht genau. Denn nicht die Arbeit wird verliehen, sondern die Arbeitskraft; noch genauer: Sie wird vermietet; denn Miete ist – anders als Leihen – die entgeltliche Überlassung einer Sache zu ihrem Gebrauch. Aber müssen sich nicht alle Lohnabhängigen »verdingen«, wie man vielleicht etwas altertümlich, aber auch präzise sagt? Aber: Nur eine Leiharbeitskraft kann weiterverliehen bzw. genauer weitervermietet werden. Und das trifft das Wesen der Leiharbeit, über das nur allzuhäufig hinweggesehen wird: Die Leiharbeitskraft kann jederzeit vom Einsatzbetrieb abgemeldet werden – mit enormen Folgen für die Arbeitsbedingungen: Wegezeit, Arbeitszeit, Arbeitsbelastungen, Entgelt – alles kann sich im neuen Einsatzbetrieb verschlechtern; und dabei ist überhaupt nicht sicher, wann überhaupt ein neuer Einsatz erfolgt. Das eröffnet gegenüber dem Leiharbeiter enorme Disziplinierungsmöglichkeiten. »Gleicher Lohn für gleiche Arbeit« hilft da nicht weiter; denn das gilt immer nur für den Vergleich mit den Stammarbeitskräften im jeweiligen Einsatzbetrieb. Der Begriff Leiharbeit vermittelt zumindest eine Ahnung davon, was Leiharbeit ist, der Begriff Zeitarbeit nicht.

Benedikt Hopmann, Berlin

Mensch und Tier

Zu jW vom 2./3. Dezember: »Tierschützer des Tages: Philip Hogan«

Da muss einen doch der Verdacht beschleichen, dass Frau Frielinghaus einen Bauernhof hat. Anders ist mir dieser kausale GAU nicht zu erklären. Da hat die subventionierte konventionelle Landwirtschaft nun jahrzehntelang alles, aber auch wirklich alles dafür getan, Wolf, Biber, Luchs, Kröten, Vögel, Insekten und fast alles andere, was fliegen, laufen und kriechen kann (konnte), aus der heimischen Fauna zu verbannen, und nun spielt die Autorin im Zuge des Glyphosat-Verbrechens ausgerechnet der Bauernlobby in die Hände und die Tierarten gegeneinander aus. Soll die EU wegen der Glyphosat-Zulassung Wolf und Biber verbieten, sozusagen aus paritätischen Gründen, weil Vögel und Insekten ja auch verschwinden? Was bitte soll am »Festhalten am uneingeschränkten Schutz einzelner Spezies« im Schatten der erneuten Zulassung von Glyphosat »bizarr« sein? »Millionenschäden« kann ja nur derjenige anrichten, der Schaden als Schaden im Sinne der Wirtschaft definiert. Hier eine Lanze für die Landwirtschaft zu brechen ist, mit Verlaub, kurzsichtig. Die »Tierchen«, wie die Autorin die vom Exitus bedrohten Arten nennt, würden es schon bewerkstelligen, ein funktionierendes Ökosystem auf die Beine zu stellen. Der »geordnete Rückzug« des Menschleins wäre zum Erhalt dieses Planeten daher bestimmt kein Fluch.

Axel Pleuser, Köln

Terrorhysterie

Zu jW vom 2./3. Dezember: »Digitale Heimsuchung«

Pünktlich zur Innenministerkonferenz taucht auf dem Potsdamer Weihnachtsmarkt ein ominöses Päckchen mit einem Böller und einer Packung Nägel auf. Alle schreien Terror (…). Lieber Innenminister, hilf! Alles, was technisch möglich ist, gib uns heute: Mikrophone im Fernseher, im Computer, in der Barbiepuppe und unter der Klobrille. Aber beschütze uns vor Terror. (…) Natürlich nur vor dem islamischen, deutschen gibt’s nicht – da sei der Verfassungsschutz vor. Das pausenlose Informationstrommelfeuer aus allen Medien (…) hat seine Wirkung bereits erreicht. Wer 24 Stunden am Tag am Smartphone hängt und die grauslichsten, meist unbewiesenen Informationskonvolute konsumiert, der weiß es eben nicht besser. (…) Vorwärts in den totalen Überwachungsstaat, besonders wirksam vor Weihnachten.

Wieland König, per E-Mail

Doppelte Standards

Zu jW vom 5. Dezember: »Linke-Vorstand gegen ›Querfrontstrategien‹«

(…) Wo war Lederer, als am 26. November dieses Jahres in der angesagten Location »Italienische Höfe« (Zitadelle Berlin) der Gerhard-Löwenthal-Preis des rechten Blatts Junge Freiheit verliehen wurde? Übrigens im Beisein von ­Bea­trix von Storch und Martin Hohmann: »Wenn die Deutschen ein Tätervolk seien, dann könne man nach derselben Logik auch ›die Juden‹ als ›Tätervolk‹ bezeichnen.« Auf Twitter? Bei Facebook? Fehlanzeige! »Wer erhebliche öffentliche Mittel erhält, trägt eine besondere Verantwortung dafür, was in seinen Räumen stattfindet und wer dort eine Plattform erhält.« Sagt wer? Na, der Lederer! Jetzt muss jW nur noch recherchieren, ob und wie der Berliner Senat den Veranstaltungsort Zitadelle finanziert. Und falls öffentliche Mittel dorthin fließen (gewöhnlich gut informierte Quellen bejahen das), ist Lederer als Kultursenator nicht mehr haltbar, sondern nur noch als unhaltbarer Zensursenator. Für einen Rücktritt hat er nicht das Kahnsche Format, wetten? (…)

Adalbert Olma, Mönchengladbach

Der »geordnete Rückzug« des Menschleins wäre zum Erhalt dieses Planeten bestimmt kein Fluch.

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