Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 16 / Sport

Einfach mal etwas trauen

Von André Dahlmeyer

Einen wunderschönen guten Morgen! Alianza Lima krönte sich am Sonntag zum Campeón des Torneo Clausura der Primera División Perus. Gegner der Weiß-Blauen im mit 35.000 Zuschauern ausverkauften Estadio Alejandro Villanueva (Distrikt La Victoria), im Volkssprech nur »Matute« genannt, war der rund einhundert Jahre jüngere Club Deportivo Comerciantes Unidos (Ende 2002 gegründet und seit vergangenem Jahr Erstligist) aus Cutervo in der Region Cajamarca.

Alianza musste am fünfzehnten und letzten Spieltag gegen die Blauen Adler unbedingt gewinnen, um die Verfolger von Real Atlético Garcilaso auf Distanz zu halten, einen Verein aus Cuzco, der 2009 gegründet wurde und schon seit 2011 in der höchsten Spielklasse kickt. Eine Stunde lang stellte sich Comerciantes Unidos hinten rein und rührte Beton an, wie es im Lehrbuch steht. Dann schrieben die Gastgeber das einfach um. Entscheidend waren vier Uruguayos. Zum einen der voriges Jahr von Peñarol Montevideo gekommene Trainer Pablo Javier Bengoechea. Der modifizierte nach dem Seitenwechsel (Real Garcilaso führte bereits seit der 25. Minute gegen die Universidad de San Martín de Porres mit 1:0) die taktische Marschroute und brachte für Uru-Innenverteidiger Gonzalo Godoy den während des Turniers kaum berücksichtigten kopfballstarken Uru-Angreifer Gabriel Leyes. Aus einem ängstlichen 4-5-1 wurde ein flottes 3-5-2. Ein glückliches Händchen muss man haben oder sich eben einfach mal etwas trauen.

Der fast 41jährige Leao Butrón im Kasten von Alianza schimpfte seine Vorderspieler weit von sich weg, während der bis dahin im linken Mittelfeld zu statisch agierende Uru Luis Bernardo Aguiar, ein ehemaliger Junioren-Nationalspieler, den Tausendsassa gab und in bester Bolzplatzmanier alle Positionen gleichzeitig auszufüllen schien. Außer die doofen zum Verteidigen natürlich, obwohl das eigentlich die Königsdisziplin der Urus ist – aber darin bestand gerade der Bluff von Bengoechea und Compañía. Gabriel Leyes jedenfalls war gerade erst auf dem Platz, da hatte ihm sein Landsmann Luis Aguiar (unter Bengoechea 2016 uruguayischer Meister mit Peñarol) bereits zwei Tore aufgelegt, zwischen Minute 61 und 63 bestaunte die Hintermannschaft der ganz in Gelb spielenden Blauen Adler das große Klingelingeling der Charrúas, der uruguayischen Krieger. Eine laszive Flanke von der linken Seite köpfte Leyes vom Fünfer am kurzen Pfosten ein, dann verlängerte er einen, diesmal von der anderen Seite hereingeschlenzten Freistoß Aguiars zwei Meter vor Tormann Exar Rosales wiederum mit dem Kopf. Rosales konnte den Ball nicht unter Kontrolle bringen und Gaby Leyes staubte mit dem Fuß zur »Doblete« ab. Damit war jeglicher Widerstand der Gäste gebrochen, und da Alianza Lima Mitte des Jahres bereits das Torneo Apertura gewonnen hatten, waren sie automatisch peruanischer Meister – der erste Titel seit elf Jahren für Jefferson Farfáns Exteam!

Für die Copa Libertadores qualifizierte sich neben Alianza auch Real Garcilaso mit einem 2:1 gegen San Martín. Als Campeón des Torneo de Verano ist der Foot Ball Club Melgar aus der Millionenstadt Arequipa ebenfalls dabei – nach 1982 und 1984 erst zum dritten Mal in dessen 102jähriger Vereinsgeschichte. Für die Copa Sudamericana qualifizierten sich UTC (Cajamarca), Sport Rosario (Huaraz), Sport Huancayo sowie Sporting Cristal (Lima), die mit dem 27jährigen Irven Beybe Ávila Acero auch den Torschützenkönig stellen. Ihm gelangen 22 Treffer (darunter fünf Strafstöße), was ihm gerade einen lukrativen Vertrag bei den Lobos BUAP in Puebla in der mexikanischen Liga einbrachte. In die zweite Liga müssen Juan Aurich de Chiclayo und Alianza Atlético Sullana.


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