Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 14 / Feuilleton

Rotlicht: Klimaschutz

Von Wolfgang Pomrehn
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Bald Land unter. Die Regierung der Malediven tagt im Oktober 2009 unter Wasser, um auf den durch Treibhausgase verursachten steigenden Meeresspiegel hinzuweisen

Nächste Woche, am 11. Dezember, ist es 20 Jahre her, dass in Japans alter Kaiserstadt das sogenannte Kyoto-Protokoll verabschiedet wurde. Fünf Jahre zuvor hatte der große Weltgipfel für Umwelt und Entwicklung im brasilianischen Rio de Janeiro die UN-Klimaschutzrahmenkonvention verabschiedet. Gefährliche Eingriffe in das Klimasystem sollen gemeinsam vermieden werden, heißt es darin. Zweck des Kyoto-Protokolls war es, die ersten Schritte auf dem Weg dorthin zu fixieren, einen Rahmen abzustecken, wie und in welchem Zeitraum zunächst die Industriestaaten ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren hätten. Doch daraus wurde nichts. Besonders die USA hintertrieben den Prozess. Andere waren froh, sich in deren Windschatten verstecken zu können. Zu mächtig waren die wirtschaftlichen Interessen der Erdöl-, Chemie-, Auto- und zum Teil selbst noch die der alten Kohleindustrie, als dass sich die Einsicht in die harten wissenschaftlichen Fakten und drohenden Gefahren ohne weiteres Bahn brechen und in politisches Handeln umgesetzt werden konnte. Gemeinsam sorgte man mit einem gutorganisierten und vielfältigen Netzwerk von Lobbyisten und Meinungsmachern dafür, Zweifel zu säen und Wissenschaftler zu diffamieren. Besonders erfolgreich gelang dies in den USA, aber auch hierzulande fielen entsprechende Kampagnen insbesondere in der FDP und im heute der AfD nahestehenden rechtsradikalen Milieu auf fruchtbaren Boden.

Aber wieso eigentlich Klimaschutz? Hat sich das Klima in der Erdgeschichte nicht oft geändert? Sicher, und zwar oft dramatisch. Das sollte uns eine Lehre sein. Wissenschaftler haben in den letzten Jahrzehnten sehr viel über die Klimageschichte unseres Planeten herausgefunden. Wir wissen zum Beispiel inzwischen ziemlich genau, weshalb unser Planet seit knapp drei Millionen Jahren in wiederkehrenden Zyklen von Warm- und Eiszeiten gefangen ist, und dass die Konzentration des Kohlendioxids in der Atmosphäre dabei eine wichtige Rolle spielt.

Vor allem wissen wir aus der Betrachtung früherer Klimaveränderungen aber auch, dass der jüngste Abschnitt der Erdgeschichte, der vor rund 10.000 Jahren einsetzte, im Vergleich zur vorhergehenden Eiszeit und zu der davor gelegenen Eem-Warmzeit (129.000 bis 116.000 Jahre vor unserer Zeitrechnung) ein ganz außergewöhnlich stabiles Klima bietet. Die Dürren, wie es sie auch in den letzten Jahrtausenden gegeben hat und die des öfteren ganze Zivilisationen vernichtet haben, waren nichts gegen die oftmals äußerst abrupten Veränderungen der vorhergehenden 100.000 und mehr Jahre, in denen unsere Vorfahren noch nicht von der Landwirtschaft lebten und entsprechend auf verlässliche Bedingungen angewiesen gewesen wären.

Auch hatten sie noch keine festen Siedlungen, schon gar nicht an den unberechenbaren Küstengebieten. Der Meeresspiegel lag nämlich vor etwa 19.000 Jahren am Anfang vom Ende der letzten Eiszeit mehr als 120 Meter niedriger als heute. Danach haben sich die Eismassen in einem derartigen Tempo aufgelöst, dass das Wasser im Durchschnitt um einen, manchmal auch um 2,5 Meter pro Jahrhundert anstieg. Bei einer solchen Erhöhung des Meeresspiegels um 2,5 Meter wären von Alexandria über New York bis nach Mumbai und Shanghai zahlreiche Küstenmetropolen bedroht. Und ja, die verbliebenen Eismassen in der Antarktis und auf Grönland reichen dafür allemal. Verschwänden sie zur Gänze, stiege der Meeresspiegel um rund 66 Meter.

Und wie geht Klimaschutz? Indem der Anstieg der Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre gestoppt und die Emissionen auf Null zurückgefahren werden. Das größte Problem stellt das ausgestoßene CO2 dar, da ungefähr die Hälfte davon über Jahrtausende in der Luft bleiben wird. Das unterscheidet es von anderen Treibhausgasen. Sein Anteil am vom Menschen verursachten Treibhauseffekt ist schon jetzt der größte, und er wächst beständig weiter.


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