Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Großstaatsmann des Tages: Sigmar Gabriel

Von Arnold Schölzel
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Eine Menschheitsfrage: Wohin in der nächsten Regierung mit Sigmar Gabriel? SPD-Fraktionsvize Axel Schäfer hat das zwar in der Welt am Sonntag entschieden: Der Exparteivorsitzende sei »einer der besten Außenminister, die Deutschland je hatte« – ein Personalangebot, das CDU und CSU nicht ablehnen können. Schließlich entscheiden Kader alles, wenn die Linie richtig ist. Aber wo ist die? Dienstag früh gab Gabriel beim »Berliner Forum Außenpolitik« der Körber-Stiftung die Antwort in Form einer »Grundsatzrede«. Der Großstaatsmann lieferte modisch Antiamerikanisches im Stil des »Hasen im Rausch« (»Dem Hasen schwoll der Kamm, er brüllt in seinem Tran: / ›Was kann der Löwe mir? Bin ich sein Untertan? / Es könnte schließlich sein, dass ich ihn selbst verschlinge. / Den Löwen her, ich ford’re ihn vor die Klinge!‹«) und der Kanzlerin im bayerischen Bierzelt. Im Dunst eines solchen hatte sich Angela Merkel Ende Mai beschwert, auf Trump und die USA sei kein Verlass mehr: »Und deshalb kann ich nur sagen: Wir Europäer müssen unser Schicksal wirklich in unsere eigene Hand nehmen.« Prost. Gabriel fügte dem nun ein »geschwächt« zu und meinte die USA. Am Mittag nahm er alles zurück und flötete in Brüssel vor einem Treffen mit US-Außenminister Rex Tillerson bei der EU: »Wir brauchen einander«.

Ganz ohne Überraschung entließ einer der besten Deutschen, die das Außenamt je hatte, die Zuhörer bei Körbers aber nicht: »Mein Eindruck ist, wir könnten unmittelbar vor einem neuen atomaren Wettrüsten in Europa stehen.« Na sowas. Wenn nämlich die NATO z. B. 2016 in Warschau atomare Aufrüstung gegen Russland beschließt, beschließt das die SPD im Berliner Kabinett zwar mit, weiß aber heute nichts mehr davon. Macht nichts, Hauptsache, die USA stationieren in Polen 2018 ihre »Raketenabwehr«, sprich: Erstschlagswaffe. Sie brauchen einander, die beste SPD und die US-Raketen.


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