Aus: Ausgabe vom 06.12.2017, Seite 4 / Inland

Verband: Bauern geht es gut

Milchbauernorganisation sieht dagegen keine Entspannung

Von Jana Frielinghaus
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Landwirtschaft mit guter Perspektive? Pflügen in Alt Zeschdorf in Ostbrandenburg, September 2017

Nach langanhaltender Krise in Milch- und Schweinefleisch­erzeugung hat sich die Situation der Landwirte in der Bundesrepublik trotz Niedrigpreisen bei Getreide konsolidiert. Dies ist zumindest die Einschätzung des Deutschen Bauernverbandes (DBV), der am Dienstag in Berlin seinen »Situationsbericht 2017/2018« vorstellte. Danach stieg das durchschnittliche Betriebsergebnis im Wirtschaftsjahr 2016/17 um gut ein Drittel, wovon aber anstehende »existenzsichernden Neuinvestitionen« noch zu finanzieren seien. Vor allem für Milchbauern und Schweinehalter habe sich die Lage verbessert, während Ackerbauern zumindest nicht mehr im Minus seien, wie DBV-Präsident Joachim Rukwied vor Journalisten mitteilte. Zuvor waren die Einkommen in der Landwirtschaft wegen niedriger Weltmarktpreise für viele Produkte zwei Jahre in Folge gesunken. Das Vorkrisenniveau werde mit den aktuellen Ergebnissen allerdings noch »deutlich verfehlt«, betonte Rukwied.

Milchviehbetriebe konnten laut DBV ihr Unternehmensergebnis auf 36.500 Euro je Familienarbeitskraft erhöhen und damit um 41 Prozent. Zum Vergleich: In den Wirtschaftsjahren 2010/2011 bis 2013/2014 lag der Durchschnitt bei 44.000 Euro pro Vollzeitbeschäftigtem. Nach Einschätzung von Hans Foldenauer, Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter, kann allerdings von einer Konsolidierung in diesem Bereich keine Rede sein. Die Zahlen im DBV-Bericht seien eine »Momentaufnahme«, insgesamt sei »von Entspannung überhaupt keine Spur«, sagte Foldenauer, der selbst Kühe hält, am Dienstag im Gespräch mit jW. Die zweieinhalb Jahre anhaltende Krise mit nicht kostendeckenden Erzeugerpreisen für Milch habe »riesige Löcher« gerissen, die noch nicht aufgefüllt werden konnten. »Ich kann jetzt wieder Reparaturen bezahlen, aber die Verbindlichkeiten konnten wir noch nicht abtragen.« Derzeit würden zwar noch rund 40 Cent pro Liter Milch an die Landwirte gezahlt, so Foldenauer. Doch laut dem »Informationsnetz landwirtschaftlicher Buchführungen« der EU-Kommission liegen die Produktionskosten im deutschen Durchschnitt aktuell bei 41 Cent je Liter, wobei Rücklagen für Ersatzinvestitionen nicht berücksichtigt seien. Im Gegensatz zum DBV plädiert der BDM für eine Produktionsmengenregulierung auf EU-Ebene. Einzelabsprachen zwischen Landwirten und Molkereien, wie vom DBV vorgeschlagen, würden »verpuffen« und keine Auswirkung auf den Milchpreis haben, ist Foldenauer überzeugt.

Laut Situationsbericht konnten Schweine- und Geflügelhalter ihren Betriebsgewinn auf durchschnittlich 60.800 Euro je Familienarbeitskraft mehr als verdoppeln. Auch hier dürfte die Krise jedoch in Form angehäufter Schulden nachwirken. Wenig Ertrag konnten die Winzer mit 36.400 Euro Überschuss je Arbeitskraft erzielen. Biobauern erwirtschafteten je Vollzeitkraft 51.100 Euro und damit zwei Prozent weniger als im Vorjahr.

Laut DBV gibt es in der Bundesrepublik noch 275.400 Betriebe, 95 Prozent davon sind Familienunternehmen. Damit hätte sich die Zahl der Höfe im Vergleich zum Vorjahr nicht verringert. Zwischen 2007 und 2016 hat sich die Zahl der Höfe um mehr als 46.000 reduziert, das entspricht einem Rückgang um 14,4 Prozent. Rund 940.000 Menschen arbeiten dem aktuellen Bericht zufolge hierzulande direkt in der Landwirtschaft, davon sind 286.000 Saisonkräfte. Das sind 80.000 weniger, als noch im Vorjahresbericht des DBV ausgewiesen.


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