Aus: Ausgabe vom 04.12.2017, Seite 14 / Leserbriefe

Aus Leserbriefen an die Redaktion

Triebkraft Profit

Zu jW vom 30. November: »Zitat des Tages«

Glyphosat ist ein Gift – ein starkes Gift. Es vernichtet alle damit behandelten Grünpflanzen mit Ausnahme von gentechnisch veränderten Pflanzen, denen man eine Glyphosat-Resistenz »beigebracht« hat wie Soja und Mais. Wer braucht so etwas? Die Frage ist legitim und relativ einfach zu beantworten: 1.) Die Produzenten dieses Giftes, 2.) die Produzenten von Nahrungs- und Futtermitteln sowie 3.) die Produzenten von Biogas und Biotreibstoffen. Im Jahr wird in der Welt circa eine Million Tonnen dieses Stoffes hergestellt. Für jeden Menschen dieser Erde stehen also jährlich mehr als 100 Gramm »bereit«. Das ist das Vierfache der für einen erwachsenen Menschen im Körper zulässigen Menge. Auf den so behandelten Feldern sind natürliche biologische Kreisläufe beseitigt. Was das für das gesamte Gleichgewicht in der Natur bedeutet, ist für die Produzenten in der Kalkulation bedeutungslos. Der Verbraucher, d. h. die Mehrzahl der Menschen, braucht dieses Gift nicht. Ich kenne keine Studie – auch keine von Monsanto bezahlte –, die Auskunft darüber gibt, ob und wie durch den Einsatz von Glyphosat der Hunger in der Welt zurückgegangen ist. Einzig und allein Profit der beteiligten Konzerne ist die Triebkraft dieses vehementen Einsatzes von Politikern und auch Wissenschaftlern, die uns erzählen wollen, dass Glyphosat unbedenklich für den Menschen ist. 1,6 Millionen Unterschriften allein in der EU gegen Glyphosat reichen nicht, denn wer lässt sich schon durch solche Quertreiber oder durch aktuelle wahltaktische Geplänkel in Deutschland diesen Extraprofit versauen? Der demnächst größte Chemiekonzern der Welt, Bayer-Monsanto, bestimmt nicht. Schnelles Handeln war also gefragt. Der Landwirtschaftsminister Schmidt hat seinen Auftrag vorbildlich erfüllt. Glaubt Harald Weinberg (Linke) tatsächlich selbst, was er bei Facebook ablässt? Mit einem Eintrag in das »Zitat des Tages« bei jW ist er noch gut davongekommen, und so ist er jetzt vielleicht so bekannt wie Minister Schmidt. Der sitzt die »Kritik« von Merkel auf einer Arschbacke ab, und wir werden ihn demnächst wiederfinden vielleicht als Verkehrsminister oder im Vorstand von Bayer-Monsanto – aber bestimmt nicht als Pförtner im Bundestag.

Günter Pelzl, Hennigsdorf

Vollstrecker der Eliten

Zu jW vom 30. November: »Ideologische Zurüstung«

»Die Ausschmückung von Diensträumen mit Exponaten und Darstellungen der Wehrmacht und der NVA oder ihrer Angehörigen ist (…) nicht gestattet«, heißt es im Entwurf des neuen Traditionserlasses der Bundeswehr. (…) Da wird zwischen Wehrmacht und NVA ein Gleichheitszeichen gesetzt. Man fragt geflissentlich und bei Strafe des eigenen Untergangs nicht nach gesellschaftlichen Ursachen. Weder nach den verbrecherischen Kriegshandlungen der Wehrmacht im Interesse des Finanzkapitals noch nach der politischen Dringlichkeit, nach der Befreiung vom Faschismus dem deutschen Kapital Paroli zu bieten. Eben auch durch den ersten deutschen Arbeiter-und-Bauern-Staat samt seinen Streitkräften. (…) Als einstiger Militärjournalist in der NVA stehe ich zu meinem Dienst. Ich bin stolz darauf, einen tiefen Sinn darin gesehen zu haben. Und mit mir unzählige Mitstreiter. Und heute, im Jahre 2017? Was kann man denn von einer manipulierten imperialistischen Armee anderes erwarten als Diffamierungen auch gegen die Friedensarmee NVA? Der imperialistische Staat heuchelt auch in diesem Entwurf, nach Frieden zu streben. Die Tatsachen sprechen eine andere Sprache. Er war und ist Vollstrecker des Willens der Wirtschaftseliten, die Stabilität des marktgetriebenen Systems zu gewährleisten. Daran ändert sich nichts (…). Gut zu erkennen am Kasperletheater der Bundestagswahlen. Der Schrei nach grundlegenden Veränderungen, von einigen Großmäulern hinausposaunt, um das Volk zu beruhigen und zu täuschen, verhallt ungehört vor allem bei jenen, die tief im Sattel der Konsumzufriedenheit sitzen.

Harry Popow, per E-Mail

Persilschein für Faschisten

Zu jW vom 30. November: »Ideologische Zurüstung«

(…) Schon 1952 erhielten ehemalige »Waffenträger« des untergegangenen faschistischen Staates durch den damaligen Bundeskanzler Konrad Adenauer einen »Persilschein«. Wörtlich sagte er (…) vor dem Deutschen Bundestag am 3. Dezember 1952: »Ich möchte heute vor diesem Hohen Hause im Namen der Bundesregierung erklären, dass wir alle Waffenträger unseres Volkes, die im Namen der hohen soldatischen Überlieferung ehrenhaft zu Lande, auf dem Wasser und in der Luft gekämpft haben, anerkennen.« Auf die Frage eines Angehörigen der Waffen-SS, Oberst Gruppenführer a. D. Paul Hausser, vom 17. Dezember 1952 gab es folgende klare Antwort des Bundeskanzlers: »(…) Einer Anregung nachkommend, teile ich mit, dass die von mir (…) abgegebene Ehrenerklärung für die Soldaten der früheren deutschen Wehrmacht auch die Angehörigen der Waffen-SS umfasst, soweit sie ausschließlich als Soldaten ehrenvoll für Deutschland gekämpft haben (…).« Und das setzt sich bis heute fort. Den ehemaligen Angehörigen der NVA ist es nicht gestattet, offiziell den Dienstgrad mit dem Zusatz a. D. zu tragen. Sie müssen hinzufügen: »Der NVA.« Wird ein entsprechender Zusatz auch von ehemaligen Wehrmachtsangehörigen gefordert? Wer aufmerksam das Militärhistorische Museum in Dresden besucht, wird feststellen, dass es eine überdimensionierte Darstellung der Wehrmacht gibt und eine Armee, die keine Länder überfallen oder an kriegerischen Auseinandersetzungen teilgenommen hat, völlig unterrepräsentiert ist. Eine objektive Betrachtung der NVA würde ja nicht dem herrschenden Zeitgeist entsprechen.

Wolfgang Herzig, per E-Mail

Begriffsverwirrung

Zu jW vom 30. November 2017: »Politik an der Leine«

Wir (Gewerkschafter, Linke, Betriebsräte etc.) müssen in der öffentlichen Diskussion deutlich machen, dass auch die »Arbeitgeberbeiträge« zu den Sozialleistungen von den Arbeitnehmern erarbeitet wurden. Also Teil der Löhne sind.

Armin Christ, per E-Mail

Schnelles Handeln war gefragt. Landwirtschaftsminister Schmidt hat seinen Auftrag vorbildlich erfüllt.