Aus: Ausgabe vom 04.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Galgenhumor des Tages: »Happy Hartz IV«

Von Susan Bonath
S 08_port.jpg
Großplakat im Berliner U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz

Eine junge Frau im Businessdress lächelt im Berliner U-Bahnhof Rosa-Luxemburg-Platz von einem Großplakat herab. Der Slogan darauf dürfte vielen Vorbeigehenden ziemlich unangenehm aufstoßen: »Alleinerziehend und studieren? Easy mit Hartz 4! – Anna, 28 – zwischen Uni & Kita.« Haha, sehr witzig! Berlin ist die Hartz-IV-Hauptstadt mit der höchsten Sanktionsquote von monatlich mehr als fünf Prozent. Ein knappes Fünftel der Bewohner weiß, wie es sich von den Armutsbezügen unter rigider Gängelei und Dauerüberwachung der Jobcenter lebt.

Hinter der »Kampagne« die Bundesagentur für Arbeit (BA) zu vermuten, wäre zunächst nicht einmal abwegig. Öfter fällt die BA mit markiger Werbung auf. Ein Beispiel ist ihre Offensive unter dem Motto »Das bringt mich weiter«. Der Spruch ertönt in der Hotline der sonst abgeschotteten Behörde, in den Ämtern prangt er an den Wänden. Auf der Webseite lächeln dazu schick gestylte junge Menschen zum Slogan »Werde Zukunftsstarter« mit umfangreichen Selbstvermarktungstips.

Diesmal jedoch bestritt die BA gegenüber der Berliner Morgenpost, irgendwas damit zu tun zu haben. Man solle auch nicht der auf den Postern angegebenen Internetseite mein-jobcenter.com folgen, wird dort geraten. Statt eines Impressums gibt diese nur eine E-Mail-Adresse an. Besucher werden aufgefordert: »Wie ist deine Happy-Hartz-Story? Schreib uns an.«

Die gleichnamige Facebook-Seite »Mein Jobcenter« führte zur Berliner PR-Agentur Parnass. Ein Anruf der Morgenpost dort ergab: Das Plakat sei wohl zu früh geklebt worden. Am 5. Dezember gehe es erst richtig los. Mehr wollte die Mitarbeiterin der Firma nicht verraten. Nur soviel: »Betrachten Sie Hartz IV mal wie den Nikolaussack: Alle haben Angst vor der Rute, aber in Wahrheit bekommt man Schokolade.« Die Frau hat Humor. Um dessen Abgründe zu ergründen, reicht ein zehnminütiger Spaziergang vom Rosa-Luxemburg- zum Alexanderplatz.


Debatte

Bewerte diesen Artikel:

Mehr aus: Ansichten