Aus: Ausgabe vom 01.12.2017, Seite 8 / Ansichten

Gehaltsverlierer des Tages: Josef Käser

Von Kristian Stemmler
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Im Hause Käser werden die Weihnachtsgeschenke heuer eine Nummer kleiner ausfallen. Sage und schreibe 160.000 Euro weniger hat Siemens-Manager Josef Käser im Jahr 2016 verdient. Eine erschütternde Meldung, die dpa am Mittwoch abend mitleidslos in die Welt hinausjagte. 160.000 Tacken, das entspricht dem Gegenwert von vier Jaguar XF. Nun gut, der Bayer hat immer noch 6,9 Millionen Euro überwiesen bekommen. Das wiederum entspricht dem Kaufpreis von 17.200 Siemens-Gasstandherden, von denen einige explosionsgefährdet sind, wie die aktuelle Siemens-Internetseite kundtut. Kaeser hat sich krummgearbeitet für den »Standort Deutschland«, nicht für die gute Küche.

Dass die Leitmedien die Nachricht über Käsers Jahresverdienst eher versteckten, ist verständlich. Sein Ruf ist ramponiert, seit Siemens vor zwei Wochen verkündete, weltweit 6.900 Stellen abbauen zu wollen, davon 3.300 in Deutschland. Irgendwie fehlte manchem das Verständnis dafür, nachdem der Konzern gerade einen Gewinnsprung auf 6,2 Milliarden Euro verkündet hatte. Gewinn, nicht Umsatz.

Auch dass Käser, der ganz unangemessen kumpelhaft »Joe« genannt wird, der Queen in einem englischen Siemens-Windkraftwerk die Hand schüttelte, als in Deutschland der Stellenabbau publik wurde, kam nicht gut an. Der allseits als Arbeiterführer geschätzte Martin Schulz, im Nebenamt SPD-Vorsitzender, nahm sich den Münchner Konzern zur Brust, geißelte die Siemens-Manager als »Manchester-Kapitalisten«.

In einem offenen Brief walzte Käser daraufhin aus, was man so an Steuern gezahlt und wie viele man eingestellt habe, und erklärte dem Martin, er solle sich mal lieber an die eigene Nase fassen. Zu kritisieren sei wohl der, der sich der Verantwortung fürs Land entziehe (er meinte die SPD) – und nicht der, der »absehbare Strukturprobleme proaktiv« angehe (da meinte er Siemens). Proaktiv, das klingt gut – »Schatz, ich wurde heute gekündigt, aber proaktiv!« Nochmal 6,89 Millionen weniger.


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