Aus: Ausgabe vom 01.12.2017, Seite 1 / Inland

Bloß nicht verhandeln

Auf Abbau bei Siemens reagierte die IG Metall bisher mit Protesten. Nun deuten sich Gespräche an

Von Johannes Supe
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Siemens-Mitarbeiter protestierten am 29. November in Görlitz gegen die Schließung ihres Werks

Im Kampf um den Erhalt der Stellen beim deutschen Technologiekonzern Siemens gibt es offenbar Bewegung. In München haben am Donnerstag der Gesamtbetriebsrat des Konzerns und die IG Metall mit der Siemens-Führung die »Möglichkeit eines ergebnisoffenen Dialogs« sondiert. Das sagte Hagen Reimer von der IG-Metall Bayern am Donnerstag nachmittag zu junge Welt. Die eigentlichen Gespräche könnten schon in der kommenden Woche beginnen, hieß es laut der Nachrichtenagentur dpa aus Unternehmenskreisen.

Vor zwei Wochen hatte der Konzern angekündigt, in den Kraftwerks- und Antriebssparten weltweit 6.900 Arbeitsplätze zu vernichten, davon 3.300 in Deutschland. Die Standorte Leipzig und Görlitz sollen ganz geschlossen werden, Offenbach steht auf der Kippe.

Gegen die Pläne protestierten bundesweit Tausende Siemensianer. Erst am Mittwoch waren etwa in Görlitz etwa 2.500 Menschen auf die Straße gegangen. Bei einer Kundgebung in Berlin am Donnerstag vor einer Woche hatten Siemens-Betriebsräte, darunter auch die Gesamtbetriebsratsvorsitzende Birgit Steinborn, zum Kampf gegen die Einschnitte aufgerufen. Explizit wurden dabei auch Verhandlungen über die Schließung von Standorten ausgeschlossen.

Nach einer Siemens-Aufsichtsratssitzung in München teilten Beschäftigtenvertreter und das Management nun mit, man wolle »unverzüglich die Gespräche« über die Pläne aufnehmen und »in einem offenen Dialog nach gemeinsamen Lösungen suchen«. So zumindest wird der Ausgang der Sitzung von der dpa dargestellt. Titel des Beitrags: »Siemens-Betriebsrat verhandelt doch über Stellenabbau«.

»Das stimmt so natürlich nicht«, sagte IG-Metall-Gewerkschafter Reimer zu jW. Über betriebsbedingte Kündigungen werde man weiterhin nicht sprechen, sich aber anhören, wie der Stellenabbau angedacht sei. »Der Stand jetzt ist auch: Wir reden nicht über Werksschließungen«, so Reimer. Man werde auch nicht vorzeitig Arbeitskampfmaßnahmen – sie waren von der Gewerkschaft angedroht worden – ausschließen. (mit Material von dpa)


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