Aus: Ausgabe vom 29.11.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Staatsfeinde

Studio 9 kompakt | Mo., 22.30, DKultur

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Diese Geschichte ist noch nicht vorbei – Demonstranten fordern Rehabilitierung für die vom Radikalenerlass Betroffenen (Stuttgart, 10.12.2014)

Wer Meldungen aus Polen über das Vorgehen staatlicher Stellen gegen Kommunisten liest (jW vom 28.11.), mag sich erinnern, dass es auch in der BRD nicht lange her ist, dass gegen vermeintliche Staatsfeinde strafrechtlich vorgegangen wurde. Am Montag abend erinnerte der Deutschlandfunk Kultur an den »Radikalenerlass« der Regierung Brandt von 1972. Betroffen von den darauffolgenden Berufsverboten war auch der Grundschullehrer Udo Lammers. Er erhielt 1981 eine Vorladung. Sein »Vergehen«: das Anmelden eines Infostandes für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschisten beim Ordnungsamt der Stadt Hildesheim. Lammers ließ sich nicht einschüchtern und verlor seinen Job. Heute meint er, dass der Schaden, den der Radikalenerlass in den Köpfen der Leute angerichtet habe, besonders schwer wiege: »Ich habe erlebt, (…) dass Leute sagten, nee – ich kann das nicht unterschreiben, ich bin hier bei der Gemeinde beschäftigt, ich bin noch in der Probezeit.« (mis)


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