Aus: Ausgabe vom 24.11.2017, Seite 15 / Feminismus

»Gemeinsam kämpfen«

Zum Tag gegen Gewalt an Frauen startet eine Kampagne internationalistischer Feministinnen

Von Anja Flach
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Kämpferinnen der Fraueneinheiten YPJ im syrisch-kurdischen Derik. Das erfolgreiche Engagement der Kurdinnen für demokratische und antipatriarchale gesellschaftliche Strukturen inspiriert Feministinnen in aller Welt

Am 25. November, dem Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen, startet in der Bundesrepublik eine Kampagne von internationalistischen Feministinnen unter dem Motto »Gemeinsam kämpfen für Selbstbestimmung und demokratische Autonomie«. Die Initiatorinnen möchten die Erfahrungen der Frauen, die an den gesellschaftlichen Fortschritten in der kurdischen Region Rojava im Norden Syriens maßgeblich beteiligt sind, mit einer Perspektive für den feministischen Kampf in Europa verbinden.

Im Westen wird vielfach suggeriert, Gewalt gegen Frauen sei hauptsächlich ein Problem im Mittleren Osten bzw. in Ländern des »Globalen Südens«. Doch auch in Europa hat jede dritte Frau körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Das ergab eine EU-Studie. Nach Überzeugung linker Feministinnen ist das kapitalistisch-patriarchale System die Ursache für Gewalt, Kriege und Naturzerstörung. Die kurdische Frauenbewegung sieht diese Ausbeutungs- und Eroberungsverhältnisse als »Vergewaltigungskultur« an, die nur mit einer Gesellschaft überwunden werden kann, die auf Prinzipien wie Kommunalität, ökologischer Ökonomie und Basisdemokratie beruht. Seit 2012 versucht sie, ein solches System der demokratischen Autonomie mit Frauenräten, -kommunen, -akademien und -kooperativen in Rojava zu initialisieren. Das hat weltweit Feministinnen inspiriert, sich mit diesem Gesellschaftsmodell auseinanderzusetzen.

In einer Resolution zur Kampagne heißt es daher auch: »Basisdemokratie, Autonomie und Selbstbestimmung sind für uns keine Utopien, sondern konkrete emanzipatorische Konzepte und Ziele, die wir in unseren Gesellschaften erreichen wollen – das können wir nur gemeinsam.« Die Initiatorinnen sehen es als unabdingbar an, auch hierzulande eine Alternative zu entwickeln und sich dafür zu organisieren. »Die Verhältnisse in Rojava sind sicher anders als die in der BRD. Dennoch wollen wir die Erfahrungen und Analysen der kurdischen Frauenbewegung mit den feministischen Kämpfen in der BRD und Europa zusammenbringen«, heißt es in ihrem Aufruf. Und weiter: »Uns selbst zu ermächtigen bedeutet, uns ein gemeinsames, eigenes Wissen über die geschichtlichen und gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnisse zu verschaffen, uns körperlich und mental vor Angriffen zu schützen und tatsächlich selbstbestimmt in unserem Alltag zu sein. Lasst uns gemeinsam nach Alternativen suchen und dabei voneinander lernen und füreinander da sein. In den folgenden Wochen und Monaten möchten wir mit euch gemeinsam diskutieren, uns bilden, auf die Straße gehen, kämpfen und lachen – wir freuen uns auf euch!« Die in der Kampagne Engagierten haben feministische Gruppen in ganz Europa aufgefordert, ihren Aufruf zu unterschreiben und eigene Veranstaltungen zu organisieren.

gemeinsamkaempfen.blogsport.eu

auf Twitter: @femKampagne oder Hashtag #gemeinsamkaempfen

Frauendemos im Rahmen der Kampagne finden am Samstag in Berlin (15 Uhr, Hermannplatz), Hamburg (13 Uhr, Ida-Ehre-Platz) und Celle (13 Uhr, Neues Rathaus) statt

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