Aus: Ausgabe vom 23.11.2017, Seite 14 / Feuilleton

Nachschlag: Boulevard Bio

Frontal 21 | Di., ZDF, 21 Uhr

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#MeToo im Land der Bolschewiki? – Der Fernsehfunk der BRD braucht keine Gegenstimmen, keine Einordnung.

»Frontal 21« erzieht sein Publikum streng ganz im Sinne des BRD-Staates. Dafür mussten diesmal selbständige Frauen herhalten, die in der DDR in venerologische Klinken eingesperrt wurden, etwa weil sie sich mit Männern aus Mosambik trafen. »In vielen Fällen war es so, dass die Frauen offen auf der Straße aufgegriffen wurden und direkt in solche Stationen kamen«, erklärt ein Jurist aus dem Reich des ew’gen Rechtsstaates. In den »Tripperburgen« hätten dann »Umerziehungen« zum »sozialistischen Menschen« stattgefunden. Ein weiterer besorgter Westmann fällt ins Wolfsgeheul ein: Beinah 1.000 Frauen hätten »zentrale Steuerung« und »sexualisierte Gewalt« durchlitten. Florian Steger von der Uni Ulm spricht von der »Entjungferung« junger Frauen mit gynäkologischem Instrumentarium. Zwischen den Statements: Dissonante Pianotöne, Gefängnisszenen, Fotos von verfallenen Gebäuden – und keine Gegenstimmen, keine Übersicht, keine Vergleiche, etwa mit Gewalt in der bundesdeutschen Geburtsthilfe - dazu lief am Dienstag abend ein Feature im DLF. (cho)


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