Gegründet 1947 Dienstag, 15. Oktober 2019, Nr. 239
Die junge Welt wird von 2216 GenossInnen herausgegeben
Aus: Ausgabe vom 23.11.2017, Seite 11 / Feuilleton

Niemals älter als 16

David Cassidy, ein Teenage-Star der frühen 70er Jahre, ist tot. Er starb Dienstag im Alter von 67 Jahren in einem Krankenhaus in Fort Lauderdale im US-Bundesstaat Florida. Wenige Tage zuvor war Cassidy mit Organversagen in die Intensivstation eingeliefert worden.

Cassidy stammt aus der goldenen Retorten-Glam-Pop-Liga wie auch die Bay City Rollers, The Rubettes und The Sweet, von denen höchstens letztere heute noch als satisfaktionsfähig gelten können. Von Cassidy gibt es genau genommen nur einen guten Song und auch der ist eine Coverversion eines älteren Hits von The Association: seine latent soulsymphonische Debütsingle »Cherish« von 1971.

Cassidy war als junger Langhaariger in der US-TV-Serie »Partridge Family« bekannt geworden, die von einer Band handelt, in der eine Mutter mit ihren fünf Kindern spielt und die im Schulbus durch die Lande tourt. Cassidy spielte den ältesten Sohn Keith Partridge, der niemals älter als 16 Jahre sein sollte. Ihm folgte ein Fanclub, der zeitweise größer war als der von Elvis Presley. Seine Hits speisten sich aus der Serie, als die nicht mehr gut lief, verblasste auch sein Stern Mitte der 70er und er kippte ab in Alkohol und Depression. Mit konsequent seichter Musik reüssierte dann ersatzweise sein Halbbruder Shaun Cassidy.

Was kaum jemand richtig mitbekommen hat: David Cassidy spielte konstant Konzerte, nachdem er 2001 in Großbritannien mit dem Album »Then and Now« zum allgemeinen Erstaunen Platinstatus erreicht hatte. Erst im Februar trat Cassidy von der Bühne ab, weil er sich seine Texte nicht mehr merken konnte. Es wurde offenbar, dass er an Demenz litt.

»Die Nachricht von David Cassidy hat mich sehr traurig gemacht«, schrieb ein anderer Komponist, der an seinem frühen Teenage-Ruhm fast zerbrochen wäre, der Beach-Boys-Sänger Brian Wilson. Für ihn war Cassidy, mit dem er sogar hin und wieder ein paar Songs schrieb, »ein sehr talentierter und netter Mensch.« Die Songschreiberin Diane Warren brachte die Reaktion vieler älterer Menschen auf den Punkt: »Tschüss, Kindheit!« (jW)

Mehr aus: Feuilleton